Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 19.07.2018


Bezirk Imst

Fleischige Perspektive für fleißige Bauern

Die Rinderzucht Tirol arbeitet derzeit am Aufbau einer neuen Marke für Qualitätsfleisch, der Landeskulturfonds zahlt mit.

© DaumFür den Betriebsinhaber Hannes Post ist die Qualität des Futters ein entscheidender Aspekt.



Von Hubert Daum

Mieming – Der Bauernhof der Familie Post in Obermieming – eine Postkartenidylle. Die wenigen Rinder, die (noch) nicht auf den Almen auf Sommerfrische sind, schauten gestern besonders neugierig, besuchten doch ungewöhnlich viele Menschen den Hof im Vollerwerb. Und sie hatten Neuigkeiten mitgebracht: „Im Fleischbereich haben wir Aufholbedarf“, stellte LHStv. Josef Geisler gleich anfangs fest, „die neue Qualitätsschiene bietet große Vermarktungschancen, auch für Kleinbetriebe wie hier im Oberland.“ Die Idee, Fleisch von Tiroler Kalbinnen und Ochsen professionell zu vermarkten, verkündete LK-Direktor Ferdinand Grüner schon im letzten Jahr auf seinem Hoffest, nun werde seit gut einem Jahr akribische Aufbauarbeit betrieben. Der Motor ist die „Rinderzucht Tirol“.

Projektleiter Michael Wurzrainer: „Wir sind in der Test- und Aufbauphase, gestern war die vierte Schlachtung für unseren Vermarktungspartner SPAR. Wir sind permanent auf der Suche nach weiteren Betrieben, 25 Produzenten beteiligen sich bereits mit 350 Rindern am neuen Programm.“ Einer davon ist Gastgeber Hannes Post, auch Milch- und Kartoffelbauer. Er werde seinen Betrieb sukzessive in Richtung Fleischproduktion umstellen: „Wir halten bereits rund 100 Stück Mastvieh. Dieses Standbein ist weit weniger kosten- und arbeitsintensiv als die Milchviehhaltung.“

HStv. Josef Geisler (l.) und Thomas Danzl betrachten den Tiroler Landeskulturfonds auch als „Anschieber“ für Innovationen.
- Daum

Der neuen Qualitätsfleischmarke, deren Produktname erst im Herbst kreiert wird, sind natürlich Kriterien auferlegt. „Eine fleischbetonte Genetik verbunden mit ausgezeichnetem Heu und Gras als Grundfutter für die Kalbinnen und Ochsen“, präzisiert Zuchtexperte Wurzrainer, „geboren und geschlachtet in Tirol, maximal 30 Monate alt und mindestens einen Sommer auf der Alm.“ 1000 Schlachtungen pro Jahr sei das mittelfristige Ziel, für den Projektleiter ist dies in fünf Jahren realistisch.

Gerade die Grundlagenarbeit einer neuen Marke sei sehr kostenintensiv, bestätigte Geisler, aus diesem Grund stelle auch der Landeskulturfonds (LKF) Mittel bereit: „Der LKF übernimmt für die Dauer von zweieinhalb Jahren die Personalkosten.“ LKF-Geschäftsführer Thomas Danzl sieht das Niveau der Investitionen in der Tiroler Landwirtschaft in etwa gleichbleibend: „2017 erhielten 89 Betriebe zinsgünstige Kredite in der Höhe von 10,6 Millionen Euro.“ Das Oberland und Außerfern hinken allerdings nach: Hier landeten nur elf Prozent der Darlehenssumme.




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