Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 20.07.2018


Bezirk Kufstein

Kräfte bündeln für regionale Produktion

23 Betriebe vermarkten ihre Produkte gemeinsam unter der Dachmarke Kaiserweis’ – der Anfang eines Leader-geförderten Regionalitäts-Projekts.

© Hrdina(V. l.:) Hubert Leitner (Vize-BM Ebbs), Hannes Juffinger (BM Thiersee), Georg Aicher-Hechenberger (BM Erl), Sabine Mair (TVB Kufsteinerland), Melanie Steinbacher und Maria Steindl (Leader-KUUSK) präsentierten die neue Dachmarke am Hof von Vereinsobmann Sebastian Schrödl (r.).Foto: Hrdina



Von Jasmine Hrdina

Rettenschöss – Ein Heustadl, prall gefüllt mit allen Leckereien und Spezialitäten, die die Tiroler Natur zu bieten hat – dieser Traum eines jeden Genussmenschen wurde am Flecknerhof in Rettenschöss wahr. Vom Ziegenspeck übers Schafsfell und Schokolade bis zum Elixier aus Traubenkernen reicht das vielseitige Angebot an regionalen Produkten, die ab sofort unter der gemeinsamen Dachmarke Kaiserweis’ „an den Mann gebracht werden sollen“, wie die Koordinatorin des Leader-geförderten Projekts Maria Steindl sagt. 23 Produzenten aus 12 Gemeinden in den Regionen Kufstein und Umgebung, Untere Schranne und Kaiserwinkl nutzen bereits die neue Plattform, um sich zu vernetzen und Vermarktungs- sowie Vertriebssynergien zu schaffen.

„Die Bauern sind am Hof, auf der Alm und in der Landschaft – und nicht im Regal im Supermarkt zu finden“, weist Hofbesitzer Sebastian Schrödl, Obmann des Kaiserwinkl Genuss Vereins, auf die Problematik hin. Qualitativ hochwertige Produkte gebe es in der Umgebung genügend. Die Erzeugung ist allerdings mit einem enormen Aufwand und viel Leidenschaft verbunden. Für ein Kilo Ziegenkäse brauche es sieben Liter Milch, eine Geiß gebe zwischen 700 und 800 Litern im Jahr, berichtet etwa ein anwesender Ziegenbauer.

„Wir haben die besten Voraussetzungen in der Natur und Betriebe, die das auch zu nutzen wissen“, ist Steindl überzeugt. Das Kind sei nun geboren, bis zum Projektende im August 2020 – so hofft sie – kann es auf eigenen Beinen stehen und ist nicht mehr auf die Finanzierung von außen angewiesen. Die Projektkosten von knapp 152.000 Euro teilen sich Leader-Verein (70 %), TVB Kaiserwinkl und Kufsteinerland sowie teilnehmende Gemeinden. Für einen Mitgliedsbeitrag von 120 Euro bekommen die Betriebe einen professionellen Auftritt auf der Webseite und müssen sich „nicht mit modernen Computer-Wörtern“ wie Suchmaschinenoptimierung und Point of Interest – also dass man auf Google Maps aufscheint – herumschlagen, freut sich Landwirt Schrödl.

Zu wissen, wie und wo die Produkte hergestellt werden, reicht nicht, meint ein Gastronom und regt an: „Wichtig wäre es, dass uns die Bauern die Produkte in die Wirtschaft liefern oder einen zentralen Ort haben, wo unsere Köche alles gesammelt abholen können“, so Edmund Steindl vom Ebbser Unterwirt. Man könne ja nicht jeden Hof abfahren.

Vorschläge, die man nun im Verein sammeln und ausarbeiten will. „Es ist der Startschuss für etwas, wo man in eine andere Richtung geht“, so die Projektkoordinatorin.

Im Moment liege der Fokus darauf, Mitglieder zu werben. Mehr als 80 werde man aber nicht aufnehmen können, schickt Vereinsobmann Schröder voraus, der zugleich als Aushängeschild der Dachmarke Kaiserweis’ vom Werbebanner lacht.