Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 25.07.2018


Bezirk Kitzbühel

Wanderwege verschlingen viel Geld

Das Wandern ist für die Tourismusverbände in der Region kein billiger Spaß. Die zum Teil sehr aufwändige Wartung der Wege lässt sie tief in die Taschen greifen. Auch helfen zum Teil Vereine mit.

© TVB HopfgartenDie Wanderwege in der Region müssen laufend gewartet werden, die Mitarbeiter der Tourismusverbände (im Bild TVB Hohe Salve) rücken alle Jahre aus, um die Wege zu pflegen, Brücken zu bauen, die Wege auszumähen u. v. m.Foto: TVB Hopfgarten



Von Harald Angerer

Hopfgarten, Kirchberg, St. Johann, Fieberbrunn – Wanderwege sind einfach da – zumindest sieht es für die meisten Menschen, die in den Bergen unterwegs sind, so aus. Doch ganz so einfach ist es nicht. Die Tourismusverbände investieren alljährlich viel Geld in die Erhaltung der Wanderwege. Dabei können die Arbeiten sehr vielfältig sein. Das beginnt beim einfachen Ausmähen der Wege und geht bis zum aufwändigen Bau von Brücken und Sicherungsmaßnahmen.

„Für viele ist es selbstverständlich, dass die Wanderwege in gutem Zustand sind, aber wie viel Arbeit dahintersteckt, wissen die wenigsten“, sagt TVB-St.-Johann-Geschäftsführer Gernot Riedel. In seinem Verbandsgebiet sind es 200 Kilometer Wanderwege, die alljährlich in Schuss gehalten werden müssen. Die Kosten lagen im Vorjahr bei 500.000 Euro, in den vergangenen sechs Jahren waren es damit rund drei Millionen Euro. Der TVB St. Johann arbeitet im Bereich Wilder Kaiser hier mit der ARGE Wilder Kaiser zusammen, welche die alpinen Weg übernimmt. Im Bauhof sind es sieben Mitarbeiter, die nicht nur, aber zu einem großen Teil, die Wanderwege warten.

Auf dem Gebiet des TVB Hohe Salve sind es nicht weniger als 500 Kilometer Wanderwege, die es zu betreuen gilt. Dabei fallen Kosten zwischen 150.000 und 200.000 Euro an. Das ist vom Wetter abhängig. Vor allem Gewitter richten zum Teil enorme Schäden an. „Wir arbeiten im Bereich Hopfgarten und Kelchsau zudem sehr viel mit den Vereinen zusammen, die uns bei den Arbeiten sehr helfen“, schildert TVB-Hohe-Salve-GF Stefan Astner. Weiters sind drei Bauhofmitarbeiter und weitere Helfer vom Maschinenring im Einsatz. „Hier sind es ja nach Arbeitsaufwand bis zu fünf Personen, die uns bei den Wegen helfen“, erklärt Astner.

Von über 300.000 Euro Instandhaltungskosten im Jahr spricht man im Brixental, „und das sind nur die laufenden Kosten, da sind keine Neuanschaffungen oder neue Projekte dabei“, sagt Max Salcher, Geschäftsführer des TVB Brixental. In seinem Verband sind acht Bauhofmitarbeiter über den Sommer mit der Wegerhaltung beschäftigt und dazu kommt noch Hilfe vom Maschinenring. Je nachdem wie viel Arbeit anfällt. „Aber hier ist Ende nie. Wenn man bei einem Weg fertig ist, geht’s zum nächsten und zwischendrin kommt noch ein Gewitter und zerstört die Wege wieder“, sagt Salcher. Im Brixental sind es mit den Seitentälern Windau und dem Spertental besonders viele Wanderwege, nicht weniger als knapp 1000 Kilometer führt der TVB an. „Vor allem in den Tälern ist es natürlich sehr weitläufig. In Westendorf helfen uns hier die Vereine, die Patenschaften für die Wege übernommen haben, sehr“, erklärt Salcher. Eine komplett neue Beschilderung im gesamten Bereich das Wildseeloder hat in den vergangenen vier Monaten den Bauhof beschäftigt. „Dabei wurden über 100 neue Schilder aufgestellt und die Wege saniert“, erklärt Armin Kuen, TVB-Geschäftsführer im Pillerseetal.

Der Verband hat keinen eigenen Bauhof, dieser ist an die Gemeindebauhöfe ausgelagert, mit dem dann abgerechnet wird. Im heurigen Jahr wurden nicht weniger als 110.000 Euro dafür aufgewendet. Insgesamt sind es im Pillerseetal knapp 500 Kilometer Wanderwege, die durch die Berge führen. Im Brixental wird hier auch ein neues, digitales Wegewartungs-Tool derzeit eingearbeitet. Damit ist es in Zukunft noch einfacher, die Schäden an den Wegen zu erfassen und auszubessern.

Dass die Kosten aufgewendet werden müssen, ist für die Touristiker völlig klar. „Die Wanderwege sind eine der Visitenkarten unserer Region. Hier hat die Qualität absolut Vorrang“, schildert Gernot Riedel und auch Salcher betont: „Im Sommer sind unsere Gäste zu 80 Prozent Wanderer. Hier muss das Produkt absolut stimmen.“