Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 27.07.2018


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Trenkwalder-Chef: „Firmen müssen sich für Jobs bewerben“

Der Tiroler Matthias Wechner ist neuer Chef bei Trenkwalder. Das Personalthema werde noch brennender.

© TrenkwalderMatthias Wechner will Job-Gesamtlösungen anbieten.



Wien – Mit 1. Juli wurde Matthias Wechner, vorher Chef beim österreichischen Marktführer im Bereich Sicherheitsdienstleistung, G4S Secure Solutions, neuer CEO bei Trenkwalder Personaldienste Österreich. Der Jurist hatte vorher im Oberlandesgericht und im Verwaltungsgerichtshof in Wien sowie als Rechtsberater und später stellvertretender Kabinettschef im Innen- und Verteidigungsministerium unter Minister Günther Platte­r gearbeitet.

Wechner ist bei Trenkwalder für Österreich, die Schweiz und Liechtenstein zuständig. Die Gruppe ist vor Jahren von der deutschen Droege Group übernommen worden und heute in 17 Ländern tätig. In Österreich kommt Trenkwalder mit etwa 6000 Mitarbeitern auf einen Umsatz von 300 Mio. Euro.

„Das Personalthema wird mit Blick auf den Fachkräftemangel und die demografischen Veränderungen, aber auch die Digitalisierung das kritischste Zukunftsthema für die Unternehmen schlechthin“, sagt Wechner gegenüber der TT. Die Zeit sei vorbei, in der sich Top-Mitarbeiter bei den Unternehmen bewerben. „Heute müssen sich Unternehmen bei den guten Mitarbeitern als attraktiver Arbeitgeber bewerben.“ Gerade auch in Branchen wie dem Tourismus („hier ist die Personalnot am größten“) sei Geld allein viel zu wenig. Arbeiten bei der jeweiligen Firma müsse rundum passen und „sexy“ sein, betont Wechner.

Trenkwalder sei Marktführer in Österreich und sei längst nicht nur Personalüberlasser. „Wir lösen das Personalproblem.“ Dazu gehöre neben Leiharbeit auch die Jobvermittlung, Qualifizierungen („Trenkwalder Learning“ mit beispielsweise Spracherwerb), Headhunting und die Auslagerung von verschiedenen Arbeitsprozessen. Wenn Leih-Mitarbeiter zu Firmen wechseln, würde man keine Strafgebühren mehr kassieren.

Für Wechner sind zu häufige Krankenstände das größte Kostenproblem bei der Arbeitskräfteüberlassung. Hier brauche es mehr Überprüfungen bei Ärzten und Kassen. Um mehr Personen in den Arbeitsprozess zu bekommen, brauche es auch Reformen bei der seiner Ansicht nach vielfach zu attraktiven Mindestsicherung. Gerade auch für den Tourismus suche man intensiv in Ost- und Südeuropa wie Griechenland. Dringend nötig wäre die Öffnung des österreichischen Arbeitsmarktes für kroatische Arbeitskräfte, richtet Wechner einen dringenden Appell an die Bundesregierung. (va)