Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 28.07.2018


Bezirk Kufstein

Kleinste Stadt Österreichs trifft auf Millionen-Event

Zwei Rennen der Rad-WM starten in Rattenberg, bis zu 12.000 Zuschauer werden erwartet. Das Event soll in der Region Spuren hinterlassen.

© GrießenböckProminenz aus Sport und Politik schwang sich aufs Rad und kehrte auch in Rattenberg zu, um die Werbetrommel für die WM zu rühren.Foto: Grießenböck



Von Jasmine Hrdina

Rattenberg – Ein Großaufgebot an Touristen ist Rattenberg im Sommer ja gewohnt, was da im September mit der UCI Straßenrad-Weltmeisterschaft auf die kleinste Stadt Österreichs zurollt, stellt aber auch erfahrene Touristiker vor eine Herausforderung.

Mit den Herren-Einzelfahrten am 26. und dem Damen-Junioren-Bewerb am 27. September starten zwei Rennen inmitten der Altstadt. Wie alle anderen Regionen an Bord der Rad-WM erhofft sich auch der TVB Alpbachtal Seenland einen „nachhaltigen Mehrwert“ aus der mit 300.000 Euro budgetierten Teilnahme. „Wir wollen keinen Feuerbrand entfachen, der uns für wenige Tage bekannt macht. Wir wollen auch künftig Sportveranstaltungen beheimaten und in Sachen Infrastruktur weiterkommen“, meint Markus Kofler, GF des TVB Alpbachtal Seenland. Wie bereits heuer wird Rattenberg auch 2019 wieder bei der Tour of the Alps dabei sein.

Von den Maßnahmen – Radwege wurden ausgebaut und 22 Rennradrouten festgelegt – sollen auch Einheimische profitieren, bekräftigt TVB-Obmann Johannes Duftner und nimmt dabei den Innradweg ins Visier. Dieser sei „noch nicht im grünen Bereich“. In eine neue Attraktion für Radler hat man bereits investiert: So entstand am Parkplatz West ein so genannter „Skillpark“. Ein 800 Quadratmeter großer Übungsparcours mit Geschicklichkeitsübungen, der bis zur WM noch weiter ausgebaut werden soll. Allein für den Park wurden von TVB und umliegenden Gemeinden 100.000 Euro in die Hand genommen.

Zur Rad-WM im September werden tirolweit eine halbe Million Zuseher erwartet, allein in der knapp 400-Einwohner-Stadt Rattenberg sei man laut Kofler auf bis zu 6000 Besucher pro Tag vorbereitet: „Der Platz im Startbereich in der Altstadt ist mit etwa 2000 Menschen begrenzt. Wir werden auf dem Parkplatz West und im Skatepark Cradle eine Fanzone mit LED-Leinwand errichten. Diese ist auf 3000 bis 4000 Besucher ausgerichtet.“

Gleichzeitig mit der WM finden in der Region auch Almabtriebe und der Kirchtag im Höfemuseum statt – in der Region soll es kein freies Zimmer mehr geben, so die Erwartung der Touristiker. Camper mit Wohnwägen werden ebenfalls in hohem Maße vertreten sein, die drei Campingareale bei den Seen sollten hier den Bedarf an Stellplätzen decken, meint Kofler. Dass mit der Fanzone ein zentraler Parkplatz wegfällt, sieht der TVB-Geschäftsführer gelassen: „Wir haben Ausweichparkplätze in Brixlegg, Kramsach und Rattenberg, die alle nur wenige Gehminuten vom Start entfernt liegen.“ Außerdem hoffe man auf möglichst viele Fans, die mit dem Zug anreisen – wie berichtet erhöhen die ÖBB dafür die Taktung der Züge.

Auf temporäre Straßensperren sollten sich Einwohner jedenfalls einstellen. Der Reither Ortsteil St. Gertraudi ist hingegen seit gestern aus dem Rennen: „Es ist ein Stich ins Herz“, beklagt Duftner, aber „der UCI war es zu gefährlich“. Die Radler werden daher über den Reintaler See fahren.

Wie berichtet, starten auch in Kufstein vier Rennen, somit kommt es zwischen 26. und 30. September auch in Schwoich, Bad Häring, Kirchbichl, Langkampfen, Maria­stein, Angerberg, Breitenbach, Kramsach und Brixlegg zu Verkehrsbehinderungen. Alle Straßensperren und weitere Infos sind online unter www.innsbruck-tirol2018.com/verkehrsinfo abrufbar.

Der Aufwand lohnt sich, sind die Veranstalter überzeugt. Immerhin verspricht die ITS (Innsbruck Tirol Sports) 250 Millionen Zuseher an TV-Bildschirmen in 150 Ländern, die das Sport-Spektakel und damit Bilder aus Tirol live mitverfolgen werden. „Rattenberg wird mit den Bildern vom Seenland nachhaltig in Erinnerung bleiben“, ist ITS-Geschäftsführer Georg Spazier überzeugt.




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