Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 01.08.2018


Bezirk Schwaz

Achensee: Wer sich sonnen will, muss zahlen

Entlang des Seeufers in Pertisau sind mehrere hoteleigene Badeplattformen in den Achensee gebaut worden. Die Stadt Innsbruck verlangt Pacht dafür. Alle müssen öffentlich zugänglich sein – allerdings nicht kostenlos.

© DählingHinter den öffentlichen Badestegen am Seeufer sind inzwischen drei hoteleigene entstanden.



Von Angela Dähling

Pertisau – Wer hat einigen Hoteliers in Pertisau genehmigt, den bisher öffentlichen Zugang zum Achensee mit privaten Badeplattformen zu versperren? Und ist dies der Anfang vom Ende des kostenlosen, öffentlich zugänglichen Sonnen- und Badespaßes an Tirols größtem See? Fragen wie diese beschäftigen so manche Einheimische. Grund genug für die TT, nachzufragen.

„Unsere Gemeinde hat mit der Stadt Innsbruck, die Seeeigentümer ist, beschlossen, die Bauten in diesem Bereich zuzulassen“, erklärt Ebens Bürgermeister Josef Hausberger. Die Genehmigungsmöglichkeit beschränke sich nur auf rund 300 Meter entlang der Seepromenade in Pertisau. „Die Hoteliers müssen eine nicht unerhebliche Pacht dafür an die Stadt Innsbruck zahlen. Und nach wie vor muss der Zugang für jeden möglich sein. Halt gegen einen Obolus, denn die Hotels haben ja auch viel investiert“, sagt Hausberger. Wer auf den komfortablen Hotel-Liegen zwischen Palmenkübeln den Blick auf den See genießen will und kein Gast in einem der drei Hotels am Seeufer ist, muss im günstigsten Fall 20 Euro für die Tageskarte, im teuersten 39 Euro für die Halbtageskarte zahlen, wobei bei Letzterem ein Infinity­pool über dem See sowie Sauna und Hallenbad im Hotel auch frei zugänglich sind.

Ein Badesteg hat einen eigenen Pool.
- Dähling

Insgesamt kein günstiges Vergnügen, aber die Gemeinde hat mit dem Schaffen von mehreren öffentlichen Badestegen zumindest dafür gesorgt, dass man hier auch kostenlos sein Handtuch am Seeufer ausbreiten kann. Weitere hoteleigene Liegeflächen am Seeufer seien nicht geplant, sagt Hausberger. Er betont: „Nur 0,01 Prozent des Ufers sind nicht frei zugänglich. Wenn wir nicht jahrelang so konsequent sämtliche Bauanträge abgelehnt hätten, sehe das ganz anders aus.“

Genaue Zahlen, wie viel die Stadt Innsbruck an Pacht für die privaten Bauwerke über ihrem See kassiert, gibt es nicht. „Es gibt derzeit keinen festen Tarif für die Vermietung am Achensee. Das Referat Liegenschaftsverwaltung verlangt gegenwärtig unterschiedliche Entgelte, je nachdem, ob der Steg als Gastgarten oder Badeplattform genutzt wird, hinzu kommt das Entgelt für die Abstandsflächen“, teilt das Stadtmagistrat mit. Momentan werde gerade ein Bewertungsgutachten für den Achensee eingeholt und je nach Ergebnis könnten dann auch die Preise angehoben werden, heißt es weiter. Hotelierin Martina Entner, die vor acht Jahren als Erste Restaurant- und Badeflächen inklusive Pool über dem See errichten ließ, zieht positive Bilanz: „Der See ist so für die Gäste erlebbarer geworden.“ Einen Badesteg mit Bootsanlegesteg hatte das Hotel schon zuvor, benachbarte Hotels ebenso. Durch den Ausbau habe man die Qualität und Attraktivität gesteigert. Und darüber würden sich auch viele Einheimische freuen.

- Dähling
Absperrungen und Schilder verschaffen den Eindruck, die Bereiche seien nur Hotelgästen zugänglich. Doch gegen Entgelt kann sich hier jeder sonnen.
- Dähling



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