Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 10.08.2018


Bezirk Kufstein

Kaufhaus Kiss in Kufstein: Langer Weg zum Eröffnungsfest

Das Kufsteiner Innenstadtkaufhaus Kiss soll heuer offiziell eröffnet werden – mit fünf Jahren Verspätung. Veranstaltungen dazu bremste die Stadt ein.

© OtterDie historische Fassade wurde beim Bau des Einkaufszentrums mit großem Aufwand bewahrt, das Innere lässt sich nur schwer füllen.



Von Wolfgang Otter

Kufstein – Hans Höger ist ein Unternehmer mit langem Atem. Nur ob er ein derartiges Projekt wie das Innenstadteinkaufszentrum Kiss noch einmal angehen würde, „kann ich nicht sagen“, meint er. Seit Jahren fragen sich die Kufsteiner: „Wie geht es weiter mit dem Kiss?“ Kein Wunder – ist das Kaufhaus im ehemaligen Hotel Auracher doch ein wesentlicher Impulsgeber für den Unteren Stadtplatz bzw. sollte es eigentlich sein.

Gerade mal acht Geschäftslokale, darunter das Informationsbüro des Tourismusverbandes, sind dort zu finden – bis zu 20 Geschäfte, je nach Einheitsgröße, hätten auf den 7000 Quadratmetern im Kiss und dem angrenzenden Projekt Kolpinghaus Platz. Letzteres laufe gut und so kommen beide Häuser gemeinsam „auf eine Auslastung von rund 70 Prozent“. Dies ist mit ein Grund, warum das Eröffnungsfest für das Innenstadtkaufhaus erst heuer im August stattfindet – mit fünf Jahren Verspätung. Alljährlich war es mangels ausreichender Zahl an Mietern, besonders im großen Haus am Unteren Stadtplatz, verschoben worden. „Andere bauen nach fünf Jahren um, wir sparen uns das und eröffnen offiziell erst nach dieser Zeit“, witzelt Höger.

Trotz des Spaßes räumt Höger ein, dass solch eine Situation an der finanziellen Substanz zehre. 25 Millionen Euro flossen in das Projekt seit der anfänglichen Planungsphase im Jahre 2004. Alleine die Erhaltung der historischen Fassade, die während der Bauphase abgestützt stehen blieb, habe 700.000 Euro mehr gekostet. Zahlreiche Auflagen in allen Bereichen haben die Baukosten nach oben getrieben, wie der Unternehmer weiter berichtet. Und dann habe er in der Vermarktung Fehler gemacht „aus persönlichem Unvermögen. Für mich war es das erste Mal, dass ich so ein Projekt angegangen bin“, sagt Höger. Aber selbst renommierten Profis gelang es nicht, das Haus voll zu bekommen. Schuld war zum einen die Wirtschaftskrise 2008: „Da hat es von den großen Firmen geheißen, wir eröffnen nichts Neues mehr.“ Aber auch die Konkurrenzsituation in Kufstein selbst und natürlich auch mit Wörgl habe ihre Auswirkungen gezeigt, wie Höger weiter erzählt. Ein weiterer Umstand sei, dass Kufstein eine nicht immer hilfreiche Größe habe. Mit 20.000 Einwohnern sei es für die ganz großen „Big Player“ einfach zu klein. Trotzdem vertraue er, Höger, auf den Namen Kufstein, der in der ganzen Welt bekannt sei. Und für Herbst, so der Geschäftsmann, stünden endlich weitere Mieter in Aussicht, dann wäre das Haus bis zu 90 Prozent voll. Wobei sich die Kundenfrequenz jetzt schon gebessert habe: „Wir zählen jetzt am Tag 2000 Besucher.“ Tendenz steigend. Und um etwas Positives zu betonen: Sein Projekt sei mitentscheidend für die Platzgestaltung am Fischergries gewesen.

Fünf Jahre hat der Unternehmer gewartet, um die Eröffnung des Einkaufszentrums offiziell zu feiern. Vom 26. August bis 30. September will er nun die Kufsteiner mit Konzerten, Ausstellungen, Harley-Treffen und Vorträgen usw. in die Zeit der 1968er zurückführen und auch den legendären 5-Uhr-Tee im Hotel Mauracher im Kiss wieder auferstehen lassen. Lange war die Liste der Veranstaltungen vor und im Haus, die Höger und Mitorganisator Wolfgang Berle der Gemeinde zur Genehmigung vorlegten. Dort bremste man aber den Open-Air-Teil ein, trotz aller Wichtigkeit des Projekts für die Kufsteiner Innenstadt. „Aber wir haben entschieden, diesen Bereich zurückzufahren“, sagt BM Martin Krumschnabel. Bekanntlich hatte es Beschwerden wegen der zahlreichen Veranstaltungen im Stadtgebiet gegeben. Übrig geblieben sei rund ein Drittel des gewünschten Programms. Man könne nicht anderen Konzerte verbieten und in diesem Projekt so viel Musikveranstaltungen im Freien am Abend genehmigen.

Unternehmer Hans Höger (rechts) hofft auf neue Mieter, Wolfgang Berle half bei der Organisation des Eröffnungsfestes.
- Otter



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