Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 30.08.2018


Standort Tirol

„Tirol ist ein Bahnland“, ÖBB-Tickets 2019 teurer

ÖBB-Chef Andreas Matthä verlangt fairen Wettbewerb mit der Straße – und er startet einen neuen Vorstoß für Bodycams in Tirols Zügen.

© ÖBBÖBB-General Andreas Matthä im Einsatz als Zugbegleiter: Einmal im Jahr arbeiten die Spitzenmanager der ÖBB einen ganzen Tag lang in einem der vielen Aufgabenbereiche der Eisenbahn an der Basis mit.



Von Alois Vahrner

Alpbach – „Tirol ist von einem Auto- zu einem echten Bahnland geworden, die Zusammenarbeit mit dem Land und dem Verkehrsverbund ist hervorragend“, streut Matthä gegenüber der TT am Rand des Forums Alpbach Rosen. In den letzten zehn Jahren hätten sich die Passagierzahlen auf über 14 Millionen verdoppelt, dazu kommen weitere fast 24 Millionen Fahrgäste in den Postbussen (gehören auch zu den ÖBB).

Man investiere heuer inklusive Brennerbasistunnel 320 Mio. Euro in Tirol, so ­Matthä. Bereits fixiert ist der Ankauf von 26 hochmodernen Talent-3-Nahverkehrszügen für insgesamt 190 Mio. Euro, diese sollen ab 2020 in Tirol zum Einsatz kommen. Für 35 Mio. Euro werde eine neue Instandhaltungshalle in Innsbruck gebaut, 10 Mio. Euro fließen in die Modernisierung der Lehrwerkstätte.

„Wir stehen auch beim Bemühen um eine Eindämmung des Lkw-Transits an der Seite Tirols“, so der ÖBB-General. Ohne die 120 Güterzüge täglich wären 1500 Lkw mehr auf der Straße. Am besten seien Container-Transporte, man wolle aber auch die Rollende Landstraße forcieren, am besten mit einem neuen Terminal in Rosenheim und Transporten bis Trient. Mit dem Basistunnel werde man nach 2028 eine Tageskapazität von 260 statt 160 Güterzügen haben.

Das System Bahn (Österreich liegt in der EU bei den gefahrenen Kilometern pro Kopf an der EU-Spitze, im Güterverkehr sind die ÖBB nach den Deutschen auf Platz 2 in Europa) sei auch extrem wichtig für den Klimaschutz, weil dadurch 3,5 Mio. Tonnen CO2 eingespart würden – jene Menge, die der Aufnahmekapazität des gesamten Vorarlberger Waldes entspricht. Matthä fordert gleiche Wettbewerbsbedingungen gegenüber Straße und Luftverkehr – Stichwort Diesel-Steuerprivileg und Nichtbesteuerung von Kerosin, während in Österreich Bahnstrom so hoch besteuert werde wie sonst fast nirgends in Europa. Der CO2-Ausstoß müsse international verteuert werden.

Mit dem neuen Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) hat Matthä ein „sehr gutes Verhältnis“. Dass der Aufsichtsrat von Rot auf Blau umgefärbt wurde, findet Matthä, der während seiner bereits 36-jährigen ÖBB-Tätigkeit bereits acht Generaldirektoren und sogar 16 Verkehrsminister erlebte, nicht so außergewöhnlich. „Wenn es in einer Firma neue Eigentümer gibt, kommt fast immer ein neuer Aufsichtsrat.“ Mitte 2021 läuft der Chef-Vertrag von Matthä aus, er kann sich eine Verlängerung gut vorstellen.

In Sachen 12-Stunden-Tag erwartet Matthä wenig Veränderung, man prüfe die Neureglungen im Detail. Die ÖBB seien als Dienstleistungsunternehmen rund um die Uhr für die Kunden im Einsatz, daher seien „im betrieblichen Ablauf längere Dienste im Einvernehmen mit den Belegschaftsvertretungen und über Betriebsvereinbarungen seit jeher unabdingbar“. Die geplante Beschleunigung von Verfahren bei Großprojekten sieht Matthä grundsätzlich positiv. Die Bahn als „grünes Unternehmen“ gehe ohnehin stets auf Umweltfragen und Anrainer-Anliegen ein.

Mit 1. Jänner werden die ÖBB die Ticketpreise wieder in Höhe der Inflation (zuletzt etwa 2 Prozent) erhöhen, sagt Matthä. Es werde ja auch das Angebot noch umfangreicher.

Unverständlich ist für den ÖBB-Chef, dass Zugbegleiter nach dem Nein der Belegschaftsvertreter in Tirol und Vorarlberg als einzigen Bundesländern keine Bodycams verwendet werden dürfen. Datenschutz und rechtliche Fragen seien geklärt, Bodycams brächten mehr Sicherheit der Beschäftigten, so Matthä. Er will nun einen weiteren Versuch unternehmen, die Gegner zu überzeugen.