Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 27.08.2018


Exklusiv

Runde zwei im Gerloser Liftstreit

Bei den Schiliften Gerlos setzt sich der Schlagabtausch zwischen einigen Gesellschaftern und der Geschäftsführung fort.

© Zillertal ArenaRund um die Dorfbahn Gerlos schwelt ein Streit.Foto: Zillertal Arena



Von Max Strozzi

Gerlos – Bei den Schiliften Gerlos hängt der Haussegen schief. Wie berichtet, werfen einige Gesellschafter, denen knapp ein Fünftel der Seilbahnen gehören, der Geschäftsführung Intransparenz vor und haben ihr bei der Generalversammlung die Entlastung verweigert. Unter anderem prangern sie an, dass sie für den Bau der Dorfbahn ursprünglich 27 Mio. Euro freigegeben hätten, inzwischen sei man bei 37 Mio. Euro angelangt. Auch seien Unterlagen zur Abrechnung der Dorfbahn ausständig. Hauptkritiker sind Reinhard Hollaus und Hans Stöckl, die zweit- und drittgrößten privaten Gesellschafter.

Die Geschäftsführung – Seilbahnobmann Franz Hörl sowie David Kammerlander – weist die Vorwürfe zurück. Der TT legten sie Auszüge aus Aufsichtsratsprotokollen vor, woraus hervorgeht, dass Reinhard Hollaus als damaliger Aufsichtsrat über die Entwicklung der Kosten der Dorfbahn informiert war. Demzufolge wurde etwa im Juni 2016 in einer Sitzung vorgetragen, dass die Kosten der Dorfbahn 34,4 Mio. Euro betragen würden, der Finanzierungsrahmen 36 Mio. Euro. Der Bericht wurde demnach „einstimmig zur Kenntnis genommen bzw. genehmigt“, wie aus dem Protokoll-Auszug hervorgeht. Hervor geht auch, dass sich Hollaus später bei der Abstimmung zur 826.000 Euro teuren Aufstockung der Tiefgarage der Stimme enthielt. Die Baukosten würden aktuell 35 Mio. Euro betragen, betonen Hörl und Kammerlander.

Weiterer Streitpunkt: ein Baurechtsvertrag zwischen den Schiliften Gerlos und Hörl. Der kam zustande, weil ein Teil der Bahn auf Hörls Privatgrund gebaut wurde. Der Baurechtsvertrag sei bereits in einer Aufsichtsratssitzung zur Gänze durchbesprochen und einstimmig genehmigt worden, betonen Hörl und Kammerlander. Die Konditionen seien transparent dargestellt worden und durch Gutachten hinterlegt. Aktuell sei noch die Rechtskraft der höferechtlichen Bewilligung ausständig, erklärt die Geschäftsführung.

Anwalt Hermann Holzmann, der die Gesellschafter Hollaus und Stöckl vertritt, fordert von der Geschäftsführung rund um die Dorfbahn Details. In einem Schreiben an deren Anwalt Eduard Wallnöfer verlangt er für die Gesellschafter eine „vertiefte Einsichtnahme in die Abrechnungs- und Finanzierungsunterlagen“. Konkret sei es erforderlich, „dass die Abrechnungsunterlagen samt Ausschreibungs- und Anbotsunterlagen zur Verfügung gestellt werden“. Auch müssten „Finanzierungsunterlagen, Bankkredite und allenfalls Leasingverträge offengelegt werden“. Weiters sei der Baurechtsvertrag zwischen den Schiliften und Hörl inhaltlich nicht bekannt, behauptet Holzmann und widerspricht damit der Darstellung der Geschäftsführung.

Weiterer Streitpunkt: eine Schirmbar (Umbrella Bar) im Skigebiet, die Hörl von den Schiliften Gerlos gepachtet habe. Hollaus und Stöckl verlangen diesbezüglich die Vorlage des Pachtvertrages bzw. Einsicht in die Pachtbedingungen.