Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 30.08.2018


Bezirk Kitzbühel

Volle Auftragsbücher in Kitzbühel, aber den Firmen fehlt Personal

Im Bezirk Kitzbühel gerät die Konjunkturlokomotive ins Stocken: Fachkräfte und Lehrlinge werden dringend gesucht.

© Michael MaderKlaus Lackner, Franz Jirka, Ludwig Kössler und Balthasar Exenberger (von links) am Dach der Wirtschaftskammer in Kitzbühel. Trotz hoher Auslastung und Vollbeschäftigung im Bezirk orten sie auch Wermutstropfen.Foto: Mader



Von Michael Mader

Kitzbühel – Mit fast 28.000 Beschäftigten und einer Arbeitslosenrate von 2,2 Prozent herrscht im Bezirk laut Wirtschaftskammer Kitzbühel quasi Vollbeschäftigung. „Wir sind sehr kleinstrukturiert, 90 Prozent sind Klein- und Mittelbetriebe, das hilft uns sehr“, freut sich Wirtschaftskammer-Bezirksobmann Klaus Lackner. Hinzu komme eine hohe Auslastung und ein Nächtigungs­zuwachs. Damit laufe das erste Halbjahr im Bezirk wie auch in Tirol besser als im Rest Österreichs.

„Wir haben eine Hochkonjunkturlage, besser geht es fast nicht“, pflichtet ihm auch Franz Jirka bei, der seit 1. Jänner dieses Jahres neuer Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer ist. Mit rund 63.000 Mitarbeitern und 20.000 Betrieben stellen sie die größte Sparte in Tirol dar. „Die Auftragsbücher sind voll“, sagt Jirka, „trotzdem gibt es einen Wermutstropfen. Wir haben einen Fachkräfte- und einen Lehrlingsmangel.“ 87 Prozent aller Betriebe seien davon betroffen, im Jahr 2017 seien es „nur“ 66 Prozent gewesen. Jirka fordert von „seinen“ Mitgliedern auch endlich eine Kostenwahrheit ein: Der Preisdruck steigt, doch die Betriebe müssten mit den Preisen anziehen. Die sind viel zu weit unten.“

Die rund 2300 Mitglieder der Sparte Gewerbe und Handwerk im Bezirk melden mehrheitlich gute bis sehr gute Geschäfte. Lackner meint, dass die Hälfte der Betriebe aber trotzdem Umsatzeinbußen hätten, weil sie kein qualifiziertes Personal finden können.

Lackner erneuert in diesem Zusammenhang seine Forderung nach einem leichteren Zugang zur Rot-Weiß-Rot-Karte und kritisiert die geplante Abschiebung von Asylwerbern, die eine Lehre absolvieren, auch wenn hier bereits ein Umdenken der Regierungsverantwortlichen spürbar sei: „Wir müssen alles dafür tun, dass wir eine geordnete, aber doch möglichst unbürokratische Fachkräfte-Zuwanderung haben.“ Im Bezirk würden derzeit 20 Asylwerber eine Lehre machen.

Ludwig Kössler, Geschäftsführer der Sparte Gewerbe und Handwerk, rechnet mit einem leichten Plus bei den Lehrlingen: „Es lohnt sich. Als Lehrling hat man die besten Chancen“, macht er Werbung für den Stellenwert des Handwerks. Dort gebe es auch diemit Abstand meisten Beschäftigten.




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