Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 31.08.2018


Bezirk Kufstein

TVB Wilder Kaiser auf den Hund gekommen

Der TVB Wilder Kaiser startete neue Projekte für mehr Aufenthaltsqualität, dazu gehört ein Hundecoach. Außerdem soll die Region für Tourismusmitarbeiter attraktiver werden.

© ZOOM-TIROLFür Hundebesitzer kann es bei Begegnungen mit Kühen zu kritischen Situationen kommen.



Von Wolfgang Otter

Ellmau – Für einen Gast aus der Großstadt ist eine Kuh nicht alltäglich und für dessen Hund schon gar nicht. Also was tun, wenn man auf diesen behörnten Vierbeiner trifft? Gute Tipps dafür gibt der Hundecoach des Tourismusverbandes (TVB) Wilder Kaiser. Auch wenn er nicht gratis arbeitet – der Gast muss einen Selbstbehalt übernehmen –, hat er in der Region viel zu tun, wie Lukas Krössl­huber, Geschäftsführer des TVB Wilder Kaiser, erzählt.

Die Vorträge der Coaches werden von den Gästen gut angenommen, wie Krösslhuber berichtet. Ausgelöst wurde die Aktion des TVB Wilder Kaiser durch Beschwerden über Verunreinigungen der Felder durch Hundekot. „Der Coach gibt den Gästen Tipps, wo man sein Tier frei laufen lassen kann und wo nicht. Und wie der Kot zu entsorgen ist“, sagt Krösslhuber. Und gerade sei man dabei, auch die Aufstellung der Gassiautomaten neu zu organisieren. „Es geht bei diesem Projekt darum, die Tierhalter zu sensibilisieren. Dazu haben wir zwei Hundecoachs hinausgeschickt, um mit Haltern, aber auch Bewohnern zu reden, welche Probleme sie sehen“, erzählt Krösslhuber. Zugleich wurden in 20 Hotels Gutscheine für Beratungstermine aufgelegt. Die Zahl der Gäste mit Hund sei übrigens ständig steigend, obwohl man diesen Bereich nicht besonders bewerbe.

Nicht nur Hundebesitzer werden in der Urlaubsregion mehr, sondern auch die E-Bike-Fahrer auf den Bergen. Daher wird auch das Radwegenetz überarbeitet und für Wanderer und Biker getrennt. Diese Projekte und noch andere finden unter dem Arbeitstitel „Aufenthalts- und Lebensqualität“ statt. Immerhin: Je höher diese sind, umso wohler fühle sich der Gast. Und das geht nur, wenn es ein Miteinander mit den Bewohnern der vier TVB-Gemeinden Söll, Scheffau, Ellma­u und Going gibt. Daher startete der TVB ein bemerkenswertes Programm (die TT berichtete), bei dem die Touristiker genauso wie die einheimische Bevölkerung mitreden. Immerhin verbuchen die gemeinsam knapp 9700 Einwohner zählenden Ortschaften an die zwei Millionen Übernachtungen. Die Gefahr, dass dieses grobe Missverhältnis eines Tages eine Tourismusfeindlichkeit aufkeimen lässt, ist groß. Daher will man durch regelmäßige Dialoge und Arbeitsgruppen die Bewohner miteinbeziehen.

Für einen funktionierenden Tourismus braucht es nicht nur Unternehmer, sondern auch Mitarbeiter. Als ein Gebot der Stunde bezeichnet daher der TVB-Geschäftsführer eine nicht minder innovative neue Initiative: das kostenlose Mitarbeiterprogramm und die StaffCard mit zahlreichen vergünstigten Leistungen. Das Programm reicht vom lehrreichen Regionsrundgang über entspannendes Yoga, gratis Schnupperkurse für Kletterer und Golfkurse, Canyoning, E-Mountainbike-Touren bis hin zum kreativen Tirolerisch-Deutschkurs. „Wir haben das Angebot möglichst breit gefächert, sodass auch der Spaßfaktor und der soziale Austausch untereinander nicht zu kurz kommen“, so Krösslhuber.

Zudem wurde der Club der attraktivsten Arbeitgeber gegründet. „Im Augenblick wird eine gemeinsame Charta ausgearbeitet. Sie beinhaltet die Philosophie des Clubs, die auf Fairness und Verantwortungsbewusstsein gegenüber den Mitarbeitern beruht, sowie einen Kriterienkatalog für die Mitgliedschaft“, erklärt Projektmanagerin Katie Tropper.

Schulungen in den Bereichen Anwerbung, Führungskultur, Mitarbeiterbindung und -entwicklung sollen dabei helfen, ein beriebliches Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem sich Arbeitgeber und -nehmer gleichermaßen wohlfühlen. Es werde noch einige Zeit dauern, bis die Bemühungen Wirkung zeigen. Aber ohne Gegenmaßnahmen werde sich die Personalsituation noch weiter verschärfen, warnt Krösslhuber, denn „wir haben zuerst von einem Facharbeitermangel gesprochen, jetzt reden wir über einen akuten Personalmangel“.




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