Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 04.09.2018


Standort Tirol

Dorfladen schließt Lücke in der Nahversorgung

Seit Sonntag hat die Gemeinde Stanz einen kleinen Nahversorger – aber keinen gewöhnlichen. Der Dorfwirt ist unter die Krämer gegangen.

© ReichleHeinrich und Andrea Mallaun im neuen Dorfladen, der seit Sonntag eine Versorgungslücke schließt.Foto: Reichle



Von Matthias Reichle

Stanz – In den Regalen stapeln sich Essig und Öl, Kaffee, Grieß und Staubzucker, Mehl, Nudeln, Schnäpse und Marmeladen, Salz und Pfeffer. Sauber in Kistchen präsentiert, werden zudem Erdäpfel, Birnen sowie Eie­r angeboten. Und hinten im Verkaufsraum summt ein Kühlschrank mit Milch, Käs­e und Würsten. Besucher des Stanzer Dorfwirts reiben sich dieser Tage die Augen. Aber sie haben die richtige Tür erwischt.

Im Vorraum zum Restaurant finden sie sich in einem Krämerladen wieder, wie man ihn von früher kennt. Hinter der Budel steht Andrea Mallaun und bedient – heute aushilfsweise. „Dann müssen wir das nebenher machen“, schmunzelt Heinrich Mallaun. Er ist neben Marco Gringinger einer der beiden Pächter des Hauses. Und seit Sonntag gleichzeitig der Greißler des Ortes.

Der Stanzer Dorfwirt ist nämlich seit Neuestem die Adresse des Stanzer Dorfladens. Es ist ein Projekt des Wirteduos, welches das Traditionshaus heuer im Mai übernommen hat, nachdem die alten Pächter im Dezember aus gesundheitlichen Gründen aufgeben mussten.

In Stanz schließen sie damit eine Lücke – der letzte Nahversorger hatte dort 2007 geschlossen und es bestand keine Hoffnung auf einen neuen. Bis jetzt.

Das Dorfladele hat freilich eine eingeschränkte Auswahl. „Wir haben rund 100 Produkte“, schätzt Mallaun: „Einen Kuchen muss man damit backen können und ein Hauptgericht sollte drin sein“, erklärt er die Idee dahinter. Künftig sollen auch verstärkt hausgemachte Convenienceprodukte, direkt aus der Küche des Dorfwirts, angeboten werden – wie Kaspressknödel. Derzeit gibt es bereits hausgemachte Marmeladen, Pestos und Chutneys – „die eigene Produktlinie wollen wir weiter ausbauen“.

Bei der Einrichtung des Dorfladens wurden die Wirte übrigens von der Gemeinde unterstützt, wie Mallaun betont. Das Projekt wurde über das Regionalmanagement mit 6300 Euro gefördert.

Die ersten Reaktionen im Ort seien durchwegs positiv gewesen, zieht Mallaun Bilanz. Bei der Eröffnung im Rahmen des Festes „Stanz brennt“ seien viele Gäste, aber auch Einheimische gekommen, um einzukaufen. In Stanz seien die Leute begeistert, so Mallaun.

Fehlende Nahversorger sind in mehreren Gemeinden des Bezirks ein Problem. Auch andere Kommunen suchen derzeit nach einer Lösung, in Grins etwa wurde zuletzt ein genossenschaftliches Modell diskutiert.