Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 08.09.2018


Bezirk Landeck

60 Millionen Euro für neue Paznauner Therme in Ischgl

Die Silvrettaseilbahn AG will bis zur Wintersaison 2022/2023 eine Thermenanlage in Ischgl eröffnen. Das Siegerprojekt stammt von der Architektengemeinschaft Krieger-Wimreiter. Der Baustart ist 2019 geplant.

© Krieger & WimreiterSo sieht der Entwurf der Architekturgemeinschaft Krieger-Wimreiter für die Silvretta-Therme aus. Im ersten Stock verläuft ein Eislaufplatz rund um das Gebäude. Die Becken verteilen sich auf mehrere Etagen.



Von Matthias Reichle

Ischgl – Bis gestern war das Projekt topsecret – nur ein kleiner Kreis war eingeweiht und wusste, wie der Architekturwettbewerb ausgegangen war. Ein Jahr lang hatten sieben Büros im Stillen an der größten Einzelinvestition, die die Silvrettaseilbahn AG jemals getätigt hat, getüftelt: Arbeitstitel „Silvretta-Therme“.

Bis zur Wintersaison 2022/2023 will das Unternehmen in Kooperation mit der Gemeinde Ischgl und dem Tourismusverband ein neues Erlebnisbad eröffnen.

Zuletzt hatten sich zwei Favoriten herauskristallisiert: Das Siegerprojekt, das von der Jury einstimmig gewählt worden war, stammt von der Architekturgemeinschaft Krieger-Wimreiter. Laut derzeitigen Schätzungen wird die Umsetzung 60 Mio. Euro kosten, erklärt Seilbahn-Vorstand Hannes Parth.

Entstehen soll es auf der orographisch linken Seite der Trisanna – in Schmittenboden, einem 7500 Quadratmeter großen Hanggrundstück, das den Bergbahnen gehört. Auf der schwer zu bebauenden Fläche planten die Architekten eine zweigeteilte Anlage mit 66.000 Kubikmeter umbautem Raum. Auf mehreren Etagen werden weitläufige Innen- und Außenbecken mit einer Wasserfläche von 900 Quadratmetern, eine 1300 Quadratmeter große Saunalandschaft und ein 400 Quadratmeter großes Fitnesscenter untergebracht. Zudem wird es im Gebäude einen Veranstaltungssaal für 600 Personen, eine Bowlingbahn sowie einen Eislaufplatz geben, „Er ist einer der Highlights. Er läuft im ersten Stock rund um das Gebäude herum“, erklärt Vorstand Günther Zangerl. Man sei überrascht gewesen, wie es die Architekten geschafft hatten, auf kleinem Raum viel unterzubringen. Die Gesamtnutzfläche beträgt 12.700 Quadratmeter. Um den Platz bestens zu nutzen, soll die Gemeindestraße überbaut werden.

Überzeugt wurde die Jury aber mit dem Betriebskonzept, so Parth. Das Architekturbüro Krieger betreibe selber eigene Schwimmbäder und brachte viel Erfahrung mit. „Sie haben modular geplant. Man kann bestimmte Bereiche geschlossen lassen und muss nicht die gesamte Sache am Laufen halten.“ In der Zwischensaison kann man das Angebot damit zurückfahren.

Die laufenden Kosten einer Therme machen den Projekt-Initiatoren auch mehr Kopfzerbrechen als die Investitionssumme selbst. Parth fürchtet, dass die Anlage nicht wirtschaftlich positiv zu führen ist. Die Planer seien hier optimistischer als er selbst. „Es gibt wenige Schwimmbäder und Thermen, die ein Geschäft sind. Der Betrieb ist relativ aufwändig“, betont der Vorstand. Das Projekt sei aber wichtig, um ein Schlechtwetterprogramm bieten zu können. „Wir stellen fest, dass die Gäste bei schlechtem Wetter immer weniger am Berg sind, Regionen mit alternativen Angeboten werden besser gebucht.“

„Die Hoffnung ist, dass das Ganze so attraktiv wird, dass die Leute auch von außen kommen“, erklärt Zangerl.

Die bestehenden Ischgler Bäder sollen von der Therme übrigens abgelöst werden. „Im 1986 gebauten Silvretta-Center ist nur noch der Veranstaltungssaal entsprechend. Weder das Hallenbad noch die anderen Einrichtungen sind zeitgemäß“, so Parth. Ursprünglich war geplant, die bestehende Einrichtung als reinen Veranstaltungsort zu erhalten – mit den Vorschlägen des Architekturbüros wird das obsolet. Es wird aufgelassen – und damit ein Platz frei für neue Ideen. Ebenso wird das bestehende Freischwimmbad ersetzt.

Die Silvretta-Therme geht nun in die Detailplanung. Noch nicht geklärt ist die wirtschaftliche Konstruktion. Die Frage, ob für die Therme eine eigenen Gesellschaft gegründet oder sie unter dem Dach der AG laufen wird, sei derzeit noch offen und werde diskutiert, so Zangerl. Der Grundsatzbeschluss sei gefällt, viele weitere Entscheidungen aber noch zu treffen. Der Baubeginn ist im kommenden Jahr geplant.