Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 12.09.2018


Exklusiv

Tiroler Landwirte verdienen am wenigsten

Tirols Bauern-Präsident pocht auf Umverteilung von Großbetrieben zu Bergbauern und kündigt harten innerösterreichischen Verteilungskampf an.

© E+Im Schnitt erzielten Tirols Bauernbetriebe im Vorjahr ein Einkommen aus Land- und Forstwirtschaft von 20.576 Euro.Symbolfoto: iStock



Von Max Strozzi

Innsbruck, Wien – Der jüngste Grüne Bericht des Landwirtschaftsministeriums heizt die Umverteilungsdebatte unter Landwirtschaftsbetrieben an. Dem Bericht zufolge haben Tirols Bauern im vergangenen Jahr in ihrem Brotberuf zwar um 9 Prozent mehr verdient als im Jahr davor, mit ihrem Einkommen bildeten die heimischen Landwirte bundesweit allerdings mit Abstand das Schlusslicht. Demnach erwirtschafteten Tirols Landwirtschaftsbetriebe einen um 30 Prozent niedrigeren Ertrag als im Bundes-Schnitt von 118.911 Euro. Unterm Strich erzielten Tirols Bauernbetriebe Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft von durchschnittlich 20.576 Euro – Vorletzte waren Kärntner Landwirte mit 25.072 Euro. Die höchsten Einkünfte erzielten die Burgenländer Bauern mit 39.274 Euro sowie die Oberösterreichischen mit 37.744 Euro. Oberösterreichs Landwirte hatten mit durchschnittlich 52.564 Euro auch das höchste verfügbare Haushaltseinkommen, die Tiroler mit 34.445 Euro bundesweit das niedrigste.

Dass Oberösterreichs Bauern um 47 % mehr verdienten als im Jahr davor, ist laut dem Bericht vor allem aufgrund der höheren Erträge aus der Milchviehhaltung (+34 %) sowie für die Schweinehaltung (+10 %) zurückzuführen.

Warum sind Tirols Bauern deutlich österreichische Ertrags- und Einkommensschlusslichter? „Wir haben sehr viele Bergbauernbetriebe, die bei der Preisentwicklung am Markt nicht in dem Ausmaß partizipieren konnten wie die Großbetriebe“, erklärt Tirols Bauernkammerpräsident Josef Hechenberger. Er pocht daher auf eine Änderung der Agrarpolitik und der Förderpolitik. „Es braucht eine Umverteilung – Einschnitte bei Großbetrieben und Umverteilung zu den Bergbauernbetrieben. Bei der Agrarpolitik muss darauf geschaut werden, den Betrieben eine Zukunft zu geben“, sagt Hechenberger. In erster Linie müsse der Rahmen auf europäischer Ebene definiert werden – 2021 beginnt die neue EU-Finanzperiode. „Doch auch innerösterreichisch wird der Verteilungskampf sehr hart werden“, so Hechenberger.

2017 wurden laut dem Grünen Bericht bundesweit knapp 1,4 Mrd. Euro an 111.243 Betriebe ausbezahlt. Dieser Betrag umfasst die Direktzahlungen der 1. Säule sowie die flächenbezogenen Zahlungen der 2. Säule und der Ausgleichszulage. Im Schnitt flossen damit 12.700 Euro je Betrieb – Bergbauernbetriebe lagen mit 12.335 Euro knapp unter dem Schnitt, Biobetriebe erhielten 18.000 Euro.

An übrigen Förderungen wurden weitere 290 Mio. Euro ausbezahlt, sodass insgesamt etwa 1,7 Mrd. Euro an Österreoichs Landwirte flossen.