Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 09.10.2018


Standort Tirol

Fachkräftemangel bremst Konjunktur, Bau brummt

Laut Franz Jirka, WK-Obmann für Handwerk und Gewerbe, ist die Konjunktur in Tirol auf einem Allzeithoch, der Gipfel sei allerdings überschritten.

© Böhm1700 Jugendliche haben im Herbst eine Lehre im Gewerbe & Handwerk begonnen, eine Steigerung von sechs Prozent gegenüber 2017.



Innsbruck – Gestern präsentierte die Wirtschaftskammer (WK) die Zahlen für das dritt­e Quartal der Tiroler Sparte Handwerk und Gewerbe.

„Ein super Ergebnis, ein all time high“, fasste WK-Gewerbe­obmann Franz Jirka zusammen. So seien 39 Prozent der Betriebe mit der aktuellen Geschäftslage sehr zufrieden, 52 Prozent bezeichnen ihre Situation als „saisonüblich“ und nur neun Prozent als „schlecht“. Auftragseingänge und Umsätze hätten sich im 1. Halbjahr mit einer Steigerung von 1,4 Prozent ebenfalls deutlich positiv und über dem Österreich-Durchschnitt entwickelt. Besonders gut würden die Geschäfte derzeit im Bau und Baunebengewerbe sowie in den Branchen Holz und Kunststoff sowie Mecha­tronik laufen. „Der Grund liegt für uns auf der Hand. Diese Branchen profitieren besonders vom Boom auf dem Immobilienmarkt“, erläuterte Stefan Garbislander, Leiter der Abteilung Wirtschaftspolitik & Strategie in der Tiroler WK.

Der Höhepunkt der Hochkonjunktur sei aber eindeutig überschritten. „Es beginnt sich einzutrüben“, erklärt Jirk­a. Man sei aber noch immer auf einem sehr hohen Niveau, es bestehe „kein Grund zur Panik“. Ein nach wie vor großes Problem sei der eklatant­e Fachkräftemangel. „Viele Betriebe müssen sogar Aufträge ablehnen, weil sie nicht genügend Personal haben“, so Jirka. Eine Befragung zeig­e: Für 41 Prozent der Betriebe hat sich die Verfügbarkeit von Fachkräften in den letzten zwölf Monaten eindeutig verschlechtert. Ein Problem, das die Stimmung eintrüb­e und die an sich sehr gute Konjunktur­situation durchaus einbremse.

Verbessert hat sich die Situation bei den Lehrlingen. So haben 1700 Jugendliche in Tirol im Herbst eine Lehre im Gewerbe und Handwerk begonnen, eine Steigerung von sechs Prozent gegenüber 2017. Die verschiedenen Maßnahmen zur Modernisierung und Attraktivierung der Lehr­e hätten gefruchtet. „Das ist nach den schwierigen Jahren die dritte Steigerung in Folge. Wir wollen aber weiter nach oben und die Marke von 2000 Lehranfängern erreichen“, betont Jirka. Zudem sei es gelungen, den Meister beim nationalen Qualifikationsrahmen auf Stuf­e sechs zu heben. Der Meister hat damit den gleichen Wert wie der Bachelor. Für Jirka ist das vor allem ein Thema der Wertschätzung dem Handwerk gegenüber.

Allerdings gäbe es eklatant­e Unterschiede in den Ausbildungskosten. Anders als Studenten, müssten die Meister selbst für die Ausbildung aufkommen. „Das sind im Schnitt Kosten von mehr als 8000 Eur­o. Bei einem Installateur kann sich das aber auch auf über 11.000 Euro summieren“, betont Johannes Huber, Leiter der Bildungsungsabteilung in der WK. Hier müsse es eine Angleichung an die schulische Ausbildung geben. Außerdem sei nicht nachvollziehbar, dass Meister nicht studieren können. Das müsse man dringend ändern. (hu)