Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 02.10.2018


Bezirk Kufstein

Rad-WM ließ in Kufstein niemanden kalt

Sechs Rennstarts, Tausende Besucher und sonnengetränkte Live-Bilder ließen Touristiker und Veranstalter bei der Rad-WM jubeln. Mancherorts blieb der erwartete Ansturm aber aus.

© OtterDie Begeisterung für die Radsportler in Kufstein war groß.



Von Wolfgang Otter

und Jasmine Hrdina

Kufstein, Rattenberg – Am Sonntagnachmittag war der Spuk vorbei. Die Gitterabsperrungen, die die Kufsteiner seit Mittwoch im Stadtzentrum begleitet hatten, wurden weggeräumt. Vier Tage lang stand Kufstein im Mittelpunkt der Radwelt – als Startort für vier Bewerbe der Straßenrad-WM. Geschätzte 25.000 bis 30.000 Fans und Schaulustige feuerten die Sportler an, wenn diese auf den selektiven Strecken Richtung Innsbruck aufbrachen. Wobei sich die Zahl der Besucher nur schwer festlegen lasse, erklärt Thomas Ebner, GF der Standortmarketing Kufstein GmbH. Der Startbereich war bekanntermaßen ohne Einlasskontrolle zugänglich. Viele Angestellte aus der Innenstadt hätten außerdem die Mittagspause genützt, um sich nur einen kurzen Eindruck vom sportlichen Treiben zu verschaffen.

Zwei Jahre lang hatte sich die Festungsstadt auf diese Veranstaltung vorbereitet. Die viele Arbeit habe sich gelohnt, ist Ebner überzeugt. Einschränkungen für den Verkehr und die Kufsteiner hätte es durchaus gegeben, räumen die Veranstalter ein.

Das vielerseits befürchtete Verkehrschaos blieb aber aus. Zu verdanken sei dies auch den vielen freiwilligen Helfern und Streckenposten, betont Stadtpolizeichef Hartwig Bamberger. „An jeder Kreuzung musste jemand stehen. Der reibungslose Ablauf ist sicherlich der guten Organisation und Informationsoffensive im Vorfeld zu verdanken.“ Dutzende Sitzungen zur Verkehrsplanung hatte es gegeben, immer wieder neue Hindernisse. Etwa, dass die Schulbusse zur Mittagszeit nicht zu den Volksschulen in der Stadt und in Zell durchkommen würden. „Wir haben aber die Eltern rechtzeitig darüber informiert, dass sie ihre Kinder abholen kommen“, erklärt Bamberger.

Manch einem Gastronomen im Zentrum war an den ersten beiden Tagen zu wenig los – nach den Starts löste sich die Menge rasch wieder auf, viele Stammgäste an den Mittagstischen blieben aus und mieden die Kernzone. Beim Damen-Elite-Straßenrennen am Samstag und dem Pendant der Herren am Sonntag änderte sich dieses Bild jedoch: Mehr Besucher nahmen das Rahmenprogramm und das gastronomische Angebot in Anspruch. Beim TVB reibt man sich jedenfalls die Hände: „Die Bilder aus Kufstein, die in der ganzen Welt gezeigt wurden, sind unbezahlbar“, zeigt sich Johann Mauracher, Obmann TVB Kufsteinerland, begeistert.

Das Stadtmarketing spannte in einer spontanen Aktion sogar ein 80 Quadratmeter großes Kufstein-Logo auf das Festungsdach. Zur Freude der Werber wurde es von der Übertragungskamera im Hubschrauber auch eingefangen.

Von Samstag auf Sonntag war auch das letzte Hotelzimmer in der Stadt belegt, wie Mauracher weiter erzählt. Ernüchterung herrscht hingegen beim TVB Alpbachtal Seenland. Rattenberg war Startpunkt für zwei Rennen, eine Rennstrecke führte am idyllischen Reintalersee vorbei. Auf die Anzahl der Nächtigungen habe sich dies aber nicht wie erwartet ausgewirkt. TVB-GF Markus Kofler zeigt sich nur mäßig zufrieden: „Also man hat uns nicht überrannt.“ Eine gewaltige Werbung für den Tourismus sei es dennoch gewesen. Und auch für die Infrastruktur der Radfahrer sei letztlich viel passiert. Und davon profitieren auch Einheimische auf lange Sicht.




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