Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 02.10.2018


Bezirk Schwaz

Brauerei als Motor für verstärkten Getreideanbau

Über 50 Bauern in Tirol bauen heimische Gerste für Zillertal Bier an. Die Landjugend stellt bei großem Erntedankfestumzug die Gerste in den Fokus.

© DählingMartin Lechner (Zillertal Bier), Benedikt Geisler und Lisa Geisler (Vorstand Jungbauernschaft/Landjugend Bezirk Schwaz) sowie NR Hermann Gahr (Maschinenring, v. l.) informierten über Getreideanbau in Tirol.Foto: Dähling



Von Angela Dähling

Zell a. Z., Schwaz – Beim Erntedankfest steht das Getreide im Mittelpunkt. Auch wenn der Motor der Tiroler Landwirtschaft das Milchvieh ist. „Vor 130 Jahren wurde in Tirol noch auf 16.000 Hektar Getreide angebaut – es diente etwa als Kraftfutter für die Tiere. Jetzt sind es 700 Hektar“, weiß Zillertal-Bier-Geschäftsführer Martin Lechne­r. „53 Hektar davon sind im Bezirk Schwaz“, ergänzt NR Hermann Gahr, Geschäftsführer des Maschinenrings. Und diese Anbauflächen sollen wachsen.

„Wir haben 700 Getreide­sorten in den Gen-Banken des Landes. Vier davon sollen verstärkt wieder eingesetzt werden“, sagt Gahr. Es sind dies die Fisser Tiroler Imperialgerste, der Tiroler Sommerroggen, Roter Tiroler Kolbendinkel und Obernberger Schwarzhafer. „Das sind alles gentechnikfreie, standortbezogene Sorten, die dem Land Tirol gehören“, erklärt Gahr.

Vor fünf Jahren brachten der Oberländer Christian Sturm und der Stanzer Edelbrenner Christoph Kössler einen Stein ins Rollen, als sie bei Zillertal Bier vorstellig wurden. „Sie fragten, ob wir uns vorstellen können, aus einer alten Tiroler Gerstensorte Bier zu brauen“, erinnert sich Martin Lechner. Inzwischen steht selbiges mit dem Namen Tyroler Imperial Zwickl vor ihm. Der Weg dahin war nicht ganz leicht. „Denn laut Fachgutachten eignet sich die Fisser Tiroler Imperialgerste nicht fürs Bierbrauen“, sagt Lechner. Nach mehreren Experimenten in der betriebseigenen Versuchsbrauerei entwickelte Braumeister Peter Kaufmann allerdings eigene brautechnische Verfahren für diese Gerste. Zudem wurde ein Anbaukoordinator angestellt, der Bauern suchte, die bereit waren, das Getreide zumindest auf kleinen Teilflächen anzubauen, und sie bezüglich Aussaat- und Erntezeit sowie Pflege beriet. Die Saatgutgemeinschaft Flaurling baute zudem die nötigen Anlagen, um die Gerste durch einen Reinigungs- und Trockenprozess lagerfähig zu machen. Zudem züchtet sie das Saatgut. Zillertal Bier ist mittlerweile der größte Genossenschafter dort. „Wir haben zwischen 12.000 und 14.000 kg Saatgut an rund 50 Bauern geliefert, die letztes Jahr auf rund 80 Hektar 160.000 Tonnen ernteten und heuer 200.000 Tonnen“, zieht Lechner Bilanz.

Die Brauerei zahlt mit einem Euro pro Kilo viermal so viel wie üblich. „Daher kostet das Bier auch mehr“, sagt Lechner, dessen Unternehmen Ende Oktober eine zweite Biersorte aus 100 % Tirole­r Zutaten auf den Markt bringt. „Jetzt wollen wir uns mit dem Roten Tiroler Kolbendinkel befassen und säen ihn auf fünf Hektar aus“, sagt Lechner. Zwar bleibe der Getreideanbau in Tirol in einer Nische, sei aber sehr wichtig, meint NR Gahr. Daher habe der Maschinenring erstmals seit 50 Jahren einen Mähdrescherkurs angeboten, zu dem 20 Teilnehmer kamen.

Auch die Jungbauernschaft/Landjugend im Bezirk stellt bei ihrem großen Bezirks-Erntedankfest am 14. Oktober in Schwaz das Getreide in den Fokus. Ein großer Umzug mit über 30 teilnehmenden Gruppen ist unter dem Mott­o „Ins­a Hoamat – insa Dank“ geplant.