Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 03.10.2018


Bezirk Reutte

Zahl der Landwirte im Außerfern im Sinkflug

Trotz rückläufiger Bauernzahlen wächst die Milchleistung im Außerfern. In wenigen Tagen öffnet eine gewerbliche Schlachtstätte. Auch an einer Marke Außerfern wird gefeilt.

© WKO Reutte/EiseleTreibende Kräfte für eine regionale Produktionskette: Landwirtschaftskammer-Obmann Christian Angerer, Metzger Jens Strigl und WK-Bezirksstellenleiter Wolfgang Winkler.Foto: WKO/Eisele



Von Helmut Mittermayr

Reutte, Ehenbichl – Die schlechte Nachricht voran – das Bauernsterben im Außerfern schreitet weiter munter fort. Seit 2005 haben 37 Prozent aller Landwirte das Handtuch geworfen. Gab es im Jahr 2005 noch 906 aktive Bauern im Bezirk Reutte, so liegt ihre Zahl 2018 bei 574. Allein seit 2015 legten 148 Bauern die Mistgabel für immer zur Seite – ein Minus von 14 Prozent in nur drei Jahren. Bauernkammerobmann Christian Angerer sieht trotzdem auch positive Zeichen: „Eigentlich hören die Kleinen auf, die ihren Hof im Nebenerwerb bewirtschaften. Nachfolgeprobleme, Investitionsstau – die Gründe sind vielfältig. Aber die Voll­erwerbsbauern sind stabil. Die Milchmenge ist in den letzten sechs Jahren bei gleichbleibendem Viehbestand um 13 Prozent gestiegen.“ Angerer nennt „richtig große“ Milchkuhbetriebe wie Moosbrugger und Lumpert in Holzgau, Rief und Riedmann in Forchach, Forstinger in Elbigenalp, Hosp in Heiterwang oder Koch in Lähn/Bichlbach – große Mutterkuhhaltungen gar nicht aufgelistet. Allein der Holzgauer Florian Moosbrugger habe 50 Milchkühe. Und noch gebe es keinen Ort im Außerfern ohne Rinderbestand. Die freiwerdenden Flächen jener, die die Landwirtschaft aufgegeben hätten, würden von den Großen fliegend übernommen, weiß Angerer. Einschränkend merkt er an, dass dies aber nur für ebene Flächen in Tallage gelte. Wer künftig Hänge mähe, sei eine große Frage

Von den 316 viehhaltenden Betrieben im Bezirk Reutte haben in einer Umfrage 82 Prozent erklärt, eine gewerbliche Schlachtstätte im Bezirk nutzen zu wollen. Bisher gab es in Steeg und Ehrwald zwei Kleinschlachthäuser. Die großen Mengen gingen laut Angerer immer über den Fernpass nach Natters und in den Bregenzer Wald. Da immerhin 74 Prozent der Außerferner Bauern auch an einer Verarbeitung und Zerlegung des Viehs interessiert waren und 60 Prozent an einer lokalen Vertriebsschiene Interesse zeigten, sind nun gleich zwei Projekte in Vorbereitung. Einerseits sind die Regionalentwicklung Außerfern und Eurogast Speckbacher dabei, eine eigene Fleischmarke Außerfern zu schaffen, andererseits öffnet in wenigen Tagen in Ehenbichl eine gewerbliche Schlachtstätte. „Lebensmittelgroßhändler Speckbacher sichert die Abnahme von 150 Stück Vieh im Jahr oder drei pro Woche zu“, so Angerer. Was mit Rindern wie Ochs und Stier beginne, könne später auf Lamm, Kitz (Ziege) und Kälber ausgeweitet werden.

Ein Proponentenkomitee bestehend aus den Mitgliedern Bezirkslandwirtschaftskammer, Gemeinde- und Agrargemeinschaft Ehenbichl, Regionalentwicklung Außerfern (REA) und Wirtschaftskammer Reutte mit Unterstützung der Landespolitik und dem Maschinenring Tirol hat sich dazu entschlossen, ein Projekt zur Schaffung einer gewerblichen Schlachtstätte mit Vertrieb zu initiieren. Das Ziel der Projektbetreiber war klar: „Wir wollen die Fleischproduktion im Bezirk unter dem Motto ,geboren, aufgewachsen und verarbeitet im Außerfern‘ neu aufsetzen und lange Viehtransporte vermeiden.“ Die letzten Monate wurden intensiv dafür genutzt, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Wie schon im Vorfeld erwartet, war die größte Herausforderung, einen Metzger zu finden. Über die Plattform Maschinenring Tirol meldeten sich dann doch drei Bewerber. Letztlich kam mit Jens Strigl ein Außerferner Kandidat zum Zug. Vorerst startet das Projekt mit zwei Tagen (Montag fix) pro Woche – beginnend mit 15. Oktober – in der Schlachtstätte Ehenbichl. Als Anlauf- und Koordinationsstelle dienen die Gemeinde Ehenbichl, die Bezirkslandwirtschaftskammer bzw. direkt Metzger Jens Strigl (0664/6253765). Begleitend dazu nimmt die Vertriebsschiene (zweijährige Außerferner Kalbinnen und Stier/Ochs) bei Eurogast Speckbacher die Vermarktung auf. Einen Namen gibt es noch nicht.




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