Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 08.10.2018


Bezirk Schwaz

Der Achenseebahn droht 2019 das Betriebsende

Die Sanierung der Flachstrecke ist ein Muss für einen Neustart im nächsten Jahr. Noch heuer soll es zu einer Kapitalaufstockung kommen.

© ZwicknaglVorstand Georg Fuchshuber bei einer der drei Langsam-Fahrstellen auf der Flachstrecke.



Von Walter Zwicknagl

Jenbach – „Ich hoffe, dass wir uns in einem Jahr wiedersehen. Bitte lasst uns nicht im Stich“, sagte Christian Kittl als Aufsichtsratsvorsitzender der Achenseebahn zum Finale der 129. Hauptversammlung. Deutlicher hätte er nicht auf die momentane finanzielle Situation bei der Dampfzahnradbahn hinweisen können. Sein Appell richtete sich an Land und Bund, die drei Gemeinden sind als Zahler ohnehin schon an Bord. Kein Problem habe er mit einer Kapitalaufstockung mit dem Ziel, dass die Gemeinden künftig wieder die Mehrheit beim Aktienpaket haben. „Das habe ich schon vor einem Jahr gesagt“, meint er im Gespräch mit der TT. In wenigen Wochen müsste es eine außerordentliche Hauptversammlung geben.

„In zehn Minuten und mit ruhiger Stimme“ sollte dann Vorstand Georg Fuchshuber auf die Situation der Bahn hinweisen. Und dieser berichtete über den Zustand der Flachstrecke zwischen Eben und Seespitz samt Ausweiche Maurach. „Derzeit haben wir dort drei Langsam-Fahrstellen. Statt 20 Stundenkilometer kann da aus Sicherheitsgründen nur noch mit fünf km/h gefahren werden“, stellte Fuchshuber fest. Um nächstes Jahr wieder den Betrieb aufnehmen zu können, müssten allein für diesen Abschnitt vier Millionen Euro in die Hand genommen werden. Einiges zu investieren ist aber auch am Bahnhof Jenbach. Ende der Saison kommt es zu einer Begutachtung der Flachstrecke durch einen Eisenbahn-Sachverständigen.

Mit gebrauchten Triebwagen aus der Schweiz will die Achenseebahn zur Pendlerbahn werden, wie auf einem Transparent ersichtlich ist.
- Zwicknagl

„Um überleben zu können, haben wir uns auf den Ankauf von elektrischen Garnituren der Appenzeller Bahnen eingelassen“, sagt Fuchshuber, der schon mit Transparenten für die „Achenseebahn neu“ wirbt. „In die Arbeit, in die Schule, ins Wochenende, in den Urlaub mit der Achenseebahn neu am Stau vorbei“, ist dort zu lesen. Denn Geld für ein mittelfristiges Investitionsprogramm gebe es nur, wenn man in den Nahverkehr – sprich VVT – integriert sei. Derzeit ist die Achenseebahn eine Touristenbahn, die zwischen Mai und Ende Oktober verkehrt. „Wir wollen nichts unversucht lassen, damit es auch in Zukunft die Achenseebahn gibt“, betont Christian Kittl. Die Garnituren aus der Schweiz habe man zu günstigen Konditionen bekommen. „Davon war übrigens schon im Jahr 2013 die Rede“, setzt er nach.

Innerhalb von 45 Minuten wurde die Jahreshauptversammlung abgehandelt. Alles in allem waren es mit den Gemeindevertretern 15 Personen. Zum Prozess in der Causa des entlassenen Vorstandes meint Kittl, dass vermutlich „durch alle Instanzen prozessiert werden muss“. Die Kosten für einen angebotenen bedingten Vergleich schätzt er als zu hoch ein.