Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 09.10.2018


Bezirk Landeck

Naturschutz gibt grünes Licht für neuen Rollbob

Laut Bezirkshauptmannschaft ist der Rollbob „genehmigungsfähig“. Die Venet Bergbahnen möchten so schnell wie möglich bauen.

© Leitner Seilbahn BerlinEine ähnliche – wenngleich kleinere –Rollbob-Anlage gibt es seit eineinhalb Jahren in Berlin.



Von Matthias Reichle

Landeck, Zams – Am Venet könnte schon bald der Bau des geplanten Rollbobs beginnen. Die 1,4 Mio. Euro teure Investition der Venet Bergbahnen AG steht kurz vor der Realisierung. Vergangene Woche fand die naturschutzrechtliche Verhandlung statt – die Anlage, die einer Sommerrodelbahn ähnelt, ist „genehmigungs­fähig“, wie es aus der Bezirkshauptmannschaft Landeck heißt. Der Bescheid soll demnächst ausgestellt werden. Es handle sich um einen verhältnismäßig geringen Eingriff. „Das Thema Landschaftsbild relativiert sich, weil der Bereich der Gipfelhütte bereits überbaut ist“, erklärt der Leiter der Umweltabteilung, Manuel Wolf.

Für die Firma Hacksteiner, den Salzburger Hersteller, wäre es eine Österreichpremiere: Bisher gibt es den Rollbob erst in Kienberg/Berlin. Am Venet ist eine rund 800 Meter lang­e Anlage geplant. Die Bobs, die auf Schienen am Boden geführt werden, überwinden dabei rund 100 Höhenmeter.

Obwohl der Bescheid noch nicht zugestellt wurde, laufen beim Projektbetreiber, den Venet Bergbahnen, die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren. Man möchte noch heuer mit dem Bau beginnen, wie Vorstand Werner Millinger bestätigt. Er will die gute Wetterprognose nutzen, um die größten Teile der Anlage mit dem Lkw auf den Berg zu transportieren. „Wir hatten das Glück, in eine andere Anlage, die sich verzögert, einsteigen zu können“, bestätigt er. Es gab bereits einen Termin mit dem Hersteller. Derzeit sei man dabei, die Verträge abzuschließen.

Gleichzeitig hofft man darauf, dass der Landesumweltanwalt einen Rechtsmittelverzicht abgibt, so Millinger. „Dann könnten wir sofort anfangen.“

Beim Rollbob handle es sich um ein geschlossenes System. Die Bobs ähneln denen, die man aus dem Wintersport kennt. Nur dass die Piloten nicht auf Kufen in einem Eiskanal unterwegs sind, sondern auf zwei Metallrohren. Das Gefährt, das zwei Personen aufnehmen kann, erreicht eine Maximalgeschwindigkeit von 40 Stundenkilometern. Wenn der tiefste Punkt erreicht ist, werden die Bobs mitsamt ihren Insassen wieder den Berg hinaufgezogen. Der Ausstieg ist unmittelbar neben dem Start.

Die Abfahrt soll spektakulär geplant sein. „Es gibt sechs Kurven“, so Millinger. „Die Erste reicht über die Kante in den Talkessel hinein, hat 90 Grad, es wirken dort 2,3 G Fliehkraft.“

Ob die Rollbob-Anlage noch im heurigen Winter eröffnet werden kann, sei nicht abzuschätzen: „Das Wetter haben wir nicht im Griff.“ Für die Verankerung der Bahn darf der Boden nicht gefroren sein. „Auf 2000 Metern ist der Winter schnell da“, erklärt auch der Geschäftsführer von Hacksteiner, Wilhelm Rinnerthaler. „Wir tun so, als ob das zu schaffen ist. Der Rest ist wetterabhängig.“

Für Hacksteiner wäre es am Venet die zweite derartige Anlage, weitere sind geplant.