Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 14.10.2018


Innsbruck-Land

Erster Haiminger Markttag zog die Massen an

Vor einem Jahr ging das Getreidezentrum Flaurling in Betrieb. 2019 werden die Kapazitäten verdoppelt, neue Flächen werden gesucht.

© EggerDie Mähdrescher hatten heuer mehr zu tun als im Vorjahr, 100 Hektar Anbaufläche kamen dazu.



Von Hubert Daum

Flaurling — „Wenn wir einen Fehler gemacht haben, dann ist es jener, dass wir zu klein gebaut haben", weiß Reinhard Egger, Ackerbauberater der Landwirtschaftskammer und Geschäftsführer des ersten Getreidezentrums Tirols, das seit exakt einem Jahr Getreide von Tiroler Bauern verarbeitet und vermarktet. Rund 600 Tonnen des in heimischen Äckern mittlerweile selten angebauten Grundnahrungsmittels durchlaufen in Flaurling in diesem Jahr den Prozess vom Reinigen, Entspelzen (Schälen) und Trocknen bis zur Lagerung vor der Abfüllung in derzeit 36 Silos. „Die Lagerkapazität wird nächstes Jahr verdoppelt", so Egger.

Das Herzstück des Getreidezentrums in Flaurling ist der Saatgutreiniger. GF Reinhard Egger zeigt das lupenreine Endprodukt, das nun zur Lagerung in die Silos wandert.
- Daum

Diese „Erfolgsgeschichte" sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Getreideanbau immer noch ein Stiefkind der Tiroler Landwirtschaft ist: Die Anbaufläche von 14.000 Hektar in der Nachkriegszeit ist auf knapp 700 Hektar geschrumpft, sodass die Eigenversorgung mickrige 0,5 Prozent betragen würde. Egger: „Immerhin sind in diesem Jahr 100 Hektar dazugekommen, aber wir suchen dringend weitere Flächen." Die Nachfrage von Bäckereien und Brauereien sei sehr groß. Alte Getreidesorten würden für Konsumenten eine immer wichtigere Rolle spielen — auch in Flaurling. So wickelt die Tiroler Saatbaugenossenschaft (Eigentümer) die Verarbeitung der Fisser Imperialgerste ab, mit der Zillertal Bier sein „Tyroler" braut. Auch die Brauerei Starkenberg gibt sich kreativ: Sie startete heuer mit acht umliegenden Bauern den Versuch, auf zehn Hektar die Braugetreidesorte „Salome" anzubauen, um eine regionale Biermarke zu entwickeln. „Diese rund 40 Tonnen lagern gerade bei uns bis zur Keimfähigkeit", ergänzt Egger. Der Mieminger Bauer Hannes Post springt nächstes Jahr auf den Getreidezug auf: „Ich werde für Starkenberg 1,5 Hektar Braugetreide anbauen, es ist wirtschaftlich interessanter als Futtergetreide." Der Erlös für die Bauern sei viermal so hoch wie jener der deutschen Getreidebauern, so Egger, der zuversichtlich in die Zukunft blickt, obwohl „der Tiroler Bauer in sein Vieh vernarrt ist".

Doch nicht nur der Anbau verlangt künftig mehr Flächen, sondern auch die Saatgutvermehrung, die das Getreidezentrum in enger Zusammenarbeit mit der Tiroler Genbank betreibt. Man ist sich einig: Der Getreideanbau muss forciert werden, eine „ährenvolle" Aufgabe.

Auf diesem Feld in Oberhofen wird Saatgut vermehrt.
- Egger

Erster Haiminger Markttag zog die Massen an

„Schau, was daraus geworden ist, unglaublich", deutet Hubert Wammes, der Vater des jetzigen Obmannes Rudi, auf die unüberschaubare Menschenmenge. Er und einige Bauern aus dem Dorf traten mit einem kleinen Bauernmarkt vor 32 Jahren eine Lawine los, die sich zum größten Erntemarkt Tirols entwickelt hat.

Auch gestern wuchsen die 60.000 Apfelbäume rund um Haiming in den wolkenlosen Herbsthimmel, und wenn man die Baumkronen etwas länger betrachtete, meinte man fast, ein triumphierendes Lächeln zu erkennen. Die geschätzten 10.000 Besucher waren ja wegen ihnen gekommen, genauer gesagt wegen ihrer Früchte.

„Wir haben heuer von 85 Ausstellern auf 90 aufgestockt, rund drei Viertel sind aber tatsächlich in unserer Region ansässig", weiß Obmann Wammes. Und die bereuten sicher nicht die Mühen, ihr Standl so attraktiv wie möglich zu gestalten. Bereits am Vormittag war in der rund einen Kilometer langen Schmankerlmeile umfallen kaum mehr möglich. Die Tausendschaft von „Demonstranten" gegen Globalisierung, lange Transportwege und Diskontsättigungsmittel verkosteten, testeten, probierten und — kauften. Viele der Regionalitätsfans hatten ein Lächeln aufgesetzt, weil es ein Traumtag war, ein sonniges Volksfest mit Musi­k und einem positiven Flair.

Es war auch ein Fest der Feinschmecker: Alle erdenklichen bäuerlichen Köstlichkeiten wurden feilgeboten, aber auch Handwerk, Wellness, Düfte, Geschenkartikel oder Kleidung waren in der Flaniermeile vertreten. Die ÖBB boten erneut die umweltschonende Anreise an und optimierten diese heuer mit zehn zusätzlichen REX-Halten. Auch am nächsten Sonntag, da folgt Teil zwei.




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