Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 23.10.2018


Bezirk Kitzbühel

Hohe Einkaufstreue in der Region Kitzbühel/Kufstein

In den Bezirken Kitzbühel und Kufstein wirkt eine moderne Nahversorgung dem Kaufkraftabfluss zur Online-Konkurrenz entgegen. Das ergab eine aktuelle Befragung unter 3880 Teilnehmern in der Region.

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© Michael Mader



Von Michael Mader

Kitzbühel – Die beiden Leader-Regionen KUUSK (Kufstein und Umgebung, Untere Schranne, Kaiserwinkl) und Regio3 (Pillerseetal, Leukental, Leogang) haben von Februar bis September dieses Jahres einen umfangreichen Qualitätscheck der lokalen Handels- und Nahversorgungsstrukturen sowie der Wertschöpfung in den Leader-Regionen und in Teilen des Brixentals durchführen lassen. Kostenpunkt: 70.000 Euro, die zu fast drei Vierteln durch eine Förderung abgedeckt sind. Den Rest bezahlen die Gemeinden.

„Wir wollen in der Regionalentwicklung in die Zukunft schauen und haben uns die Wertschöpfung in der Region angeschaut. Das soll Grundlage für weitere Schritte sein“, erklärt Stefan Niedermoser, Geschäftsführer von Regio3, der gemeinsam mit Melanie Steinbacher, KUUSK-Geschäftsführerin, und KUUSK-Vorstandsmitglied Birgit Pristauz die Ergebnisse präsentierte.

Für die Untersuchung wurden von der Firma Cima insgesamt 3880 telefonische Interviews durchgeführt, um das Einkaufsverhalten der lokal ansässigen Bevölkerung zu hinterfragen, sowie mehr als 900 Handelsbetriebe in 28 Gemeinden in den Bezirken Kufstein und Kitzbühel analysiert.

„In den nächsten zehn bis 15 Jahren wird im regionalen Handel kein Stein auf dem anderen bleiben“, prophezeit Roland Murauer, Geschäftsführer von Cima Österreich. Das Gute vorweg: Die moderne Nahversorgung sorgt für eine hohe Einkaufstreue der Bevölkerung. Diese liegt in der Regio3-Region bei 92 Prozent, in der KUUSK-Region bei 88 Prozent und in den Brixental-Gemeinden bei 84 Prozent. „Dabei geht es um Dinge des kurzfristigen Bedarfs“, erklärt Murauer. Orts- und stadtkernrelevante Branchen wie Bekleidung, Spielwaren, Sportartikel, Bücher etc. „leide­n“ bereits erkennbar unter dem Kaufkraftabfluss zur Online-Konkurrenz. Am schlechtesten ist die so genannte Kaufkrafteigenbindung in diesem Bereich in den Brixental-Gemeinden mit nur 21 bis 29 Prozent, dank Kufstein liegt die KUUSK-Region noch bei 55 bis 60 Prozent und die Regio3 dank St. Johann bei 64 bis 71 Prozent.

Immerhin beträgt die gesamte Kaufkraft der Regionen mehr als 200 Millionen Euro. Bei den Orten haben Kufstein mit 79 Prozent Kaufkrafteigenbindung und St. Johann mit 73 Prozent die Nase vorne. Kitzbühel liegt nur bei 57 Prozent. Murauer: „Für eine Bezirksstadt dieser Größe eher unüblich. Regionale Konsumenten fahren eher nach St. Johann als nach Kitzbühel.“

Dafür trumpft Kitzbühel bei der Kaufkraft im Einzelhandelsumsatz mit 140,6 Millionen Euro auf und wird dabei nur von Kufstein mit 178,5 Millionen Euro geschlagen. „Die Kitzbüheler sind Weltmeister beim Ausschöpfen der Kaufkraft von Touristen und Zweitwohnsitzlern“, erklärt Murauer. Im Vergleich mit anderen Regionen gibt es in den untersuchten Regionen durchwegs gute bzw. solide Rahmenbedingungen für den Einzelhandel.

Die wesentlichen Empfehlungen für die Zukunft sind unter anderem, bei künftigen Handelsentscheidungen den Ansiedlungsfokus auf den Ortskern zu legen, die Einführung von klein- und gesamtregionalen Kundenbindungsprogrammen und eine Professionalisierung des Ortsmarketings. Bei Letzterem nennt Murauer die Orte Kitzbühel, Fieberbrunn, Kirchdorf, das gesamte Brixental, Ebbs und Kössen.

„Bei eigenen Präsentationen bzw. Detailanalysen für Unternehmen und Gemeinden werden wir dann auch noch unsere Empfehlungen abgeben“, sagt Steinbacher abschließend.