Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 24.10.2018


Standort Tirol

Trockenheit schlägt sich in der Stromproduktion nieder

Das außergewöhnlich regenarme Jahr beschert den Reuttener E-Werken einen voraussichtlichen Rückgang von 20 % bei der Eigenstromerzeugung.

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© Tschol



Von Helmut Mittermayr

Reutte – Die Nachrichten sind voll mit Meldungen, dass die Rheinschifffahrt wegen des niedrigen Wasserstandes eingeschränkt werden muss – mit wirtschaftlichen Folgen. Am Lech gibt es zwar keine Schifffahrt, aber der Fluss kommt dieser Tage auch mehr als Bach denn als der „große Wilde“ daher. Auch hier gibt es spürbare ökonomische Auswirkungen, wenn auch erst auf den zweiten Blick. Die Reuttener E-Werke müssen heuer aufgrund der geringen Niederschläge um ein Fünftel mehr Strom zukaufen als in vergleichbaren Jahren.

EWR-Vorstand Christoph Hilz zieht als Vergleich das 50-jährige Mittel heran. „Bis zum 23. Oktober liegen wir heuer bei den Niederschlägen um 23 Prozent zurück. Das kann nicht mehr aufgeholt werden.“ Gehen im 50-jährigen Mittel 1377 mm Wasser nieder, so fielen heuer erst 67 Prozent davon, also 933 mm.

Die EWR erzeugen mit ihren Kraftwerken für gewöhnlich ein Drittel Eigenstrom und kaufen zwei Drittel zu. 13 Wasserkraftwerke produzieren jährlich rund 160.000.000 Kilowattstunden (kWh) Strom aus reiner Wasserkraft. Die Stromerzeugung ging heuer, fast Hand in Hand mit den sinkenden Wasserpegeln, um 20 Prozent zurück. Der fehlende Strom muss bei der Tiwag bezogen werden, die wiederum selbst auf Zukäufe angewiesen ist. Und zwar, wie vertraglich fixiert: von günstigem, erneuerbarem Strom aus Windkraft und Photovoltaik aus Deutschland. In Österreich ist der Erwerb von Atomstrom verboten.

Christoph Hilz gibt aber zu bedenken, dass das menschliche Gedächtnis ein äußerst kurzes sei, und will sich auf keine Spekulationen über Auswirkungen des Klimawandels auf die Reuttener ­E-Werke einlassen. „Denn im vergangenen Jahr hatten wir sehr viel Wasser und lagen in Sachen Niederschlag sogar 15 Prozent über dem 50-jährigen Mittel.“ Der heurige Sonnensommer habe den EWR natürlich auch ein Plus bei der Einspeisung von Strom aus Photovoltaik gebracht – immerhin zehn Prozent. Da die Photovoltaik im Gesamtregime der EWR aber nur drei bis vier Prozent ausmacht, konnte das Plus an Sonne das Minderwasser nicht im Geringsten wettmachen. Für Hilz liegt die Zukunft in erneuerbaren Energien wie Wasser- und Windkraft sowie Solar, um die stark steigende Nachfrage an Energie in Österreich befriedigen zu können. Am Marien­berg in Biberwier sind von den EWR auch schon Windkraftversuche unternommen worden, das Ergebnis ist aber nicht befriedigend ausgefallen. Auch unter dem Aspekt einer Gesamtökobilanz wäre doch der Eingriff in die Natur samt hochalpiner Zufahrt ein erheblicher.