Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 24.10.2018


Standort Tirol

Neuer Tourismus-Weg und Warnung vor Ausverkauf

Tirols Hotellerie und Gastronomie wollen gemeinsam für eine bessere Tourismusgesinnung und attraktivere Berufsmöglichkeiten kämpfen.

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© Gerber



Von Alois Vahrner

Innsbruck – „Wir wollen und werden künftig gemeinsam durch dick und dünn gehen“, kündigen die neuen Fachgruppenvorsteher von Tirols Hotellerie und Gastronomie, Mario Gerber und Alois Rainer, gegenüber der TT an. Bei den Fachgruppentagungen sei der neue Tiroler Weg mit sehr großer Mehrheit bestätigt worden. Es gehe um eine bessere Tourismusgesinnung im Land, um ein attraktiveres Arbeitsumfeld für Beschäftigte und Unternehmer sowie die Verhinderung des touristischen Ausverkaufs.

„Der Tourismus muss in Tiroler Hand bleiben“ fordert Gerber. Da seien jüngste Vorkommnisse vor allem im Tiroler Unterland mit unverträglichen Größen und undurchsichtigen Investoren- Konstruktionen „absolutes Gift“. Das sei „ein gefährliches Spiel in immensen Größen und führt ganz sicher in eine touristische Sackgasse“, warnt Gerber. „Ich will keinen zweiten Alpenkönig erleben.“ Es brauche lebendigen Tourismus und keinen Zweitwohnsitz-Boom – und daher rasch intensive Gespräche mit den Gemeinden, dass diese hier keinen falschen Illusionen aufsitzen, so der Hotellerie-Obmann.

Dass der Tourismus hier stark verwurzelt bleibe, sei auch extrem wichtig für die ohnehin teilweise bröckelnde Tourismusgesinnung im Land, betont Rainer. Dazu zähle auch der Ausbau der Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft. Eine solche sei bei den wie Heuschrecken hereindrängenden Investoren gefährdet. „Tourismus und Landwirtschaft brauchen einander, ohne gepflegte Landschaft können wir uns etwa den Wandertourismus einmassieren.“

Ein sehr großes Zukunftsthema sei der Kampf gegen den Fachkräftemangel, sagt Rainer. Dazu müsse man für die bestehenden und neuen Beschäftigten attraktiver werden. Das gelte auch für die Arbeitszeiten, weil die Wünsche der Beschäftigten heuer sehr vielfältig seien. „Wir brauchen neue Modelle, auch viel mehr 4- oder 5-Tage-Wochen oder Teilzeitmodelle, um gutes Geld zu verdienen und gleichzeitig auch Familie und Lebenswünsche unter einen Hut zu bringen.“ Hier wollen Gastronomie und Hotellerie an neuen Modellen arbeiten, „um so attraktiv wie nur irgendwie möglich zu werden“, so Rainer.

Für Maturanten, Studien- und Schulabbrecher über 18 soll es ab Frühling 2019 deutlich verkürzte Lehrzeiten geben. Viel verspricht man sich auch von Aktionen wie „Talents from Europe“, wo man etwa spanische Fachkräfte in Spanien in Deutsch unterrichte und sie dann im 2. Lehrjahr nach Tirol hole. Im September 2019 würden die ersten Fachkräfte kommen, sagt Rainer.