Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 29.10.2018


EXKLUSIV

Tiroler sind mit Entwicklung der Zinsen nicht zufrieden

56 Prozent der Tiroler sind mit der Entwicklung der Zinsen am Sparbuch nicht zufrieden, andere Anlageformen werden jedoch skeptisch gesehen.

© Wodicka79 Prozent der Tiroler sind skeptisch, ob sie mit der staatlichen Pension auskommen, 12 Prozent glauben überhaupt nicht daran.



Innsbruck – Gespart wird in Österreich gerne; und am liebsten haben die Österreicher ihr Geld am Sparbuch. Für Joachim Seebacher, CMO von Swiss Life Select Österreich, sind die Gründe klar. „Die Österreicher sind Gewohnheitstiere und ihre Gewohnheiten geben sie nicht so schnell auf.“ Dazu komme aber auch ein psychologischer Effekt: „Am Papier bleibt das Geld erhalten.“ Und: „Es wird ein bisschen mehr, bei anderen Spar- bzw. Veranlagungsformen kann es auch weniger werden.“

Die derzeit niedrigen Sparzinsen schrecken noch nicht wirklich ab, Erspartes auf die Bank zu bringen. 56 Prozent der Tiroler sind aber laut Income-Barometer von J.P. Morgan mit der Entwicklung ihrer Spareinlagen nicht zufrieden. Die Folgen: „Das Geld sitzt lockerer“, sagt Seebacher: „Es wurde in den vergangenen Jahren viel Geld, das sonst gespart worden wäre, ausgegeben, etwa für Wohnungseinrichtungen, oder auch um Schulden zurückzuzahlen.“

Grundsätzlich sind die Tiroler in Finanzangelegenheiten gerne auf der sicheren Seite. In einer Studie zum Thema Veranlagung gaben 83 Prozent der befragten Tiroler an, dass ihnen „Klarheit“ in Finanzgeschäften besonders wichtig sei. Auch die Beratung durch einen Experten ist den Tirolern bei Geldgeschäften wichtig. Gewünscht wird auch, dass die Lebensumstände der Kunden berücksichtigt würden. Gerade bei der Wohnraumfinanzierung wollen 57 Prozent der befragten Tiroler, dass ihre persönliche Lebenssituation bei der Höhe des Kreditzinssatzes Beachtung findet.

Gerade Eigentum sei in Tirol wichtig zur Absicherung. Die Tiroler setzen – laut Studie – in Bezug auf die finanzielle Absicherung fest auf die eigenen vier Wände. 54 Prozent der Befragten sehen im eigenen Wohnraum den besten Schutz, um sorglos in die Zukunft blicken zu können, so Seebacher. Und immerhin knapp die Hälfte der Befrag-ten gab an, in einer privaten Pensionsvorsorge die optimale Absicherung zu finden.

„Die Österreicher sind Gewohnheitstiere und ihre Gewohnheiten geben sie nicht so schnell auf. “ Joachim Seebacher
 (CMO Swiss Life Select)
- SLSAT

Denn in puncto staatlicher Pension sind Tiroler pessimistisch. Dass sie mit ihrer künftigen Pension auf alle Fälle gut auskommen werden, glauben nur neun Prozent. Damit sind die Tiroler, zusammen mit den Vorarlbergern, im österreichischen Durchschnitt (11,5 Prozent) am pessimistischsten. Der Großteil der Tiroler, nämlich 79 Prozent, sind skeptisch. 12 Prozent gaben an, dass sie wohl „auf keinen Fall“ mit der staatlichen Pension auskommen werden.

Es muss aber nicht immer Sparbuch oder Eigentumswohnung sein, es gebe durchaus auch andere Sparformen, sagt Seebacher. Doch gerade über Fonds oder Aktien würden sich die Österreicher eher selten trauen. In einer Umfrage von Erste Bank/Sparkasse gaben 91 Prozent der Befragten an, nicht zu wissen, was eine Anleihe sei. 70 Prozent wussten nicht, was ein Fonds ist, immerhin 62 Prozent nicht, was Aktien seien. 48 Prozent kannten die Bedeutung von Zinsen nicht. Den Grund sieht der Finanzexperte auch in der mangelnden wirtschaftlichen Schulbildung. Es werde zu wenig Wirtschaftswissen an die Kinder vermittelt. So sollte schon Kindern in der Volksschule erklärt werden, dass eine Aktie ein Wertpapier sei, das für eine Firma steht. Seebacher nennt das Beispiel Tesla, allerdings mit Vorsicht: „Ich würde nie in eine Firma investieren, die noch nie Gewinn geschrieben hat. Aber Tesla wäre zumindest eine Investition in die Zukunft.“ Doch nicht nur das Elektroauto sei den Kindern ein Begriff, auch die großen Internetkonzerne wie Facebook, Google oder Apple könnten als Beispiele in Wirtschaftskunde fungieren. „Es ist wichtig, dass Kinder lernen, mit Geld umzugehen“, wünscht sich Seebacher.

Apropos Zukunft: Eine Zinswende sieht er nicht kommen, die Sparzinsen dürften niedrig bleiben. Der Grund: Die geplante Höherverschuldung des bereits stark verschuldeten Italiens dürfte die Zinspläne der Europäischen Zentralbank, eine erstmalige Erhöhung der Leitzinsen seit 2016, verschieben. (ver)