Letztes Update am Mi, 24.10.2018 10:01

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


EXKLUSIV

Knapper und teurer in Tirol: Mehr Wohnraum für weniger Menschen

Die Zahl der Ein- und Zweipersonenhaushalte steigt weiter. Zugleich leben die Tiroler auf immer größeren Wohnflächen. Das Leben in der Stadt können sich immer weniger leisten, Wohnraum am Land wird gesucht.

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Von Stefan Eckerieder

Innsbruck – Die Tiroler Haushalte wurden in den vergangenen Jahren stetig kleiner, zumindest was die Anzahl der Personen angeht, denn obwohl der Trend zu kleineren Wohneinheiten hingeht, ist die Fläche, auf der die Tiroler leben, kontinuierlich gestiegen.

Noch 1994 betrug die durchschnittliche Wohnungsfläche 86 Quadratmeter, mittlerweile ist diese auf 100 Quadratmeter gestiegen, zeigt die Studie „Wohnen 2017“ der Statistik Austria. Das liegt auch daran, dass sich mehr Menschen den Traum vom Eigenheim erfüllt haben. Denn die Wohnfläche variierte stark zwischen den Wohnformen. Bewohner von Einfamilienhäusern wohnen im Schnitt auf rund 141 Quadratmetern, Wohnungsbesitzer auf 86 Quadratmetern und Mieter auf im Schnitt 65 Quadratmetern. Auch pro Person schwankt die zur Verfügung stehende Wohnfläche stark.

„Fläche für den Einzelnen ist gestiegen“

Wer in einem Einfamilienhaus wohnt, hat für sich alleine durchschnittlich 50 Quadratmeter zur Verfügung, Mieter von Gemeindewohnungen rund 30 Quadratmeter pro Kopf. „Die Fläche für den Einzelnen ist gestiegen, weil Ein- und Zweipersonenhaushalte zugenommen haben“, erklärt Arno Wimmer, Wirtschaftskammerobmannstellvertreter der Immobilientreuhänder. Das zeigen auch Zahlen der Statistik Austria. Wohnten 2007 noch im Schnitt 2,3 Personen in einem Haushalt, waren es zehn Jahre später nur noch 2,2. Die Einpersonenhaushalte stiegen zugleich von 35 auf 37 Prozent.

Dem trägt auch der Wohnungsbau Rechnung, erklärt Wimmer: „Der Trend geht zu kleineren Flächen, damit sich die Leute das Wohnen noch leisten können.“ Die Wohnpreise stiegen nämlich zuletzt deutlich über der Inflation. „Die Nachfrage übersteigt das Angebot“, erklärt der Immobilienexperte.Die Hälfte der Österreicher geben inklusive Betriebskosten 16 Prozent ihres Einkommens für das Wohnen aus, ein Viertel mindestens 25 oder mehr. „Früher hat man gesagt, man sollte höchstens ein Viertel seines Einkommens für das Wohnen ausgeben. Das ist aber oft nicht mehr möglich. Vor allem für den Mittelstand wurde es schwieriger, leistbaren Wohnraum zu finden. Vor allem in Ballungsräumen“, sagt Wimmer.

Innsbruck und Tirol als teures Pflaster

So weist Innsbruck mit im Schnitt 4150 Euro die höchsten Quadratmeterpreise für Eigentumswohnungen in Österreich auf, an der dritten Stelle folgt Kitzbühel mit 3639 Euro, auch Innsbruck-Land liegt mit 3089 Euro noch in den Top zehn. Die niedrigsten Preise zahlt man durchwegs im Osten Österreichs. Im Murtal kostet der Quadratmeter mit 727 Euro nur ein Sechstel im Vergleich zu Innsbruck. Auch bei Häusern liegen Innsbruck (3. Stelle mit 4004 Euro pro Quadratmeter) und Kitzbühel (5015 Euro) unter den drei teuersten Gemeinden Österreichs. Diese Liste wird von Salzburg mit 5032 Euro angeführt.

Beim Mieten gehört Tirol mit im Schnitt 6,7 Euro pro Quadratmeter (ohne Betriebskosten) ebenfalls zu den drei teuersten Bundesländern.

Das führe dazu, dass immer mehr Leute außerhalb der großen Gemeinden Wohnraum suchen würden, sagt der Immo-Experte. Denn je nach Gemeindegröße sinken auch die Miet- und Eigentumskosten, zeigt die Statistik-Austria-Studie. Österreichweit liegen die Mietkosten in Städten über 100.000 Einwohnern im Schnitt bei 6,50 Euro pro Quadratmeter (ohne Betriebskosten), in Städten unter 100.000 Einwohnern nur bei 5,20 Euro. „Die Politik ist in Sachen leistbarer Wohnraum gefragt“, mahnt Wimmer.

Mieten steigen rapide, bereits 44 Prozent befristet

Mieten ist teurer als Kaufen. Das zeigt die Statistik Austria Studie „Wohnen 2017“. Demnach geben die Österreicher im Schnitt 465 Euro für Wohnen aus. Eigentümer (Haus: 410 Euro) müssen monatlich um 232 Euro weniger berappen als Mieter von privaten Mietwohnungen (also nicht Gemeinde- oder Genossenschaftswohnungen) mit 642 Euro. Durchschnittlich stiegen die Mietkosten seit 2013 um 15 Prozent. Wobei Gemeindewohnungen um 13 Prozent teurer wurden und Privatmietwohnungen im Schnitt um 14 Prozent. Dazu kommt noch für viele Mieter von Privatwohnungen die Belastung eines befristeten Mietvertrages.

Die Mietbefristungen haben laut der Statistik Austria stark zugenommen. War vor zehn Jahren noch ein Viertel der privat vermieteten Wohnungen befristet, waren es 2017 in Tirol bereits 44 Prozent.

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Arno Wimmer, WK-Obmannstellvertreter der Immobilientreuhänder, führt das unter anderem auf die gestiegene Zahl der Anlegerwohnungen zurück sowie auf die hohe Studentenzahl in Innsbruck. Befristung sei die einzige Möglichkeit für Vermieter, später Zugriff auf die erworbene Wohnung zu bekommen. Er fordert ein flexibleres Mietrecht.

Immobilien verteuerten sich seit 2010 um die Hälfte

Der Traum vom Eigenheim verteuerte sich in den vergangenen Jahren rapide. Laut dem Häuserpreisindex der Statistik Austria, der die Preise nach Grundbucheintragungen vergleicht, sind die Preise für Wohnimmobilien (Häuser und Wohnungen) in Österreich seit 2010 um 48,8 Prozent gestiegen. Alleine seit 2013 um 24,1 Prozent. Wobei die Preissteigerung bei bestehendem Wohnraum höher ausfiel als bei neu Errichtetem.

In Tirol gab es bei Einfamilienhäusern von 2016 auf 2017 mit acht Prozent die dritthöchste Preissteigerung und bei Wohnungen mit 5,8 Prozent die vierthöchste Teuerung in Österreich.

Insgesamt wurden 2017 rund 11 Mrd. Euro mit dem An- und Verkauf von Wohn­immobilien umgesetzt, zeigt die Studie „Wohnen 2017“. Dabei wechselten rund 31.000 Wohnungen und 17.500 Häuser ihren Besitzer. In Tirol dominieren dabei die Wohnungsverkäufe mit einem Anteil von 81 Prozent an den Transaktionen.

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