Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 26.10.2018


Innsbruck-Land

„Infinity Room“ in Wattens: Obsessives Glitzern

Die Kristallwelten in Wattens eröffneten gestern einen von Yayoi Kusama gestalteten „Infinity Room“. Der Name soll einen Ansturm bringen.

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© Swarovski Kristallwelten



Wattens — Die Swarovski Kristallwelten können sich seit gestern damit rühmen, den weltweit einzigen permanent begehbaren „Infinity Room" der Künstlerin Yayoi Kusama als Attraktion anbieten zu können. Für die japanische Künstlerin wurde sogar eine zusätzliche Wunderkammer, die inzwischen 17., gebaut. „Der Riese hat sich damit nochmals vergrößert", meinte Geschäftsführer Stefan Isser bei der gestrigen Erstbegehung des Raumes.

Superstar Yayoi Kusama nach Wattens zu holen, stand schon lange auf der Wunschliste von Cultural Director Carla Rumler. Die japanische Künstlerin gehört seit den Sechzigern zu den ganz Großen der internationalen Kunstszene. Auch aufgrund ihrer besonderen Geschichte: Seit ihrer Kindheit leidet die Künstlerin an Halluzinationen, versucht, diese Eindrücke in ihrer Kunst darzustellen. Geradezu manisch verarbeitet sie ihre „polka dots" auf allen möglichen Objekten. „Ich bin eine obsessive Künstlerin", soll Kusama über sich selbst gesagt haben. 1977 lässt sie sich, zurück aus New York, selbst in eine Nervenheilanstalt einweisen, in der sie seither lebt. Gegenüber liegt ihr Studio, das die 89-Jährige bis heute jeden Tag aufsucht, um sich ihrer Kunst zu widmen. Nur dieser Rhythmus erlaube es ihr, Kunst zu schaffen.

Kusama begann ihre Karriere in den Sechzigern; bis heute gehört sie zu den größten japanischen Kunstexporten.
Kusama begann ihre Karriere in den Sechzigern; bis heute gehört sie zu den größten japanischen Kunstexporten.
- Yayoi Kusama

In diese obsessive Welt lässt die Künstlerin die Besucher ihrer Infinity Rooms eintauchen, die sie bereits für viele große Museen realisiert hat. Immer temporär — lediglich in ihrer eigenen Galerie in Tokio gibt es einen Raum, der dauerhaft begehbar ist. Schnell verliert man in den Räumen seine Orientierung: In Wattens funktioniert das mithilfe von reichlich Glitzer anstelle von Punkten. Lichteffekte eines Swarovski-Lüsters werden in einem Spiegelkabinett bis in die Unendlichkeit multipliziert. Besonders reizvoller Nebeneffekt: die Instagram-Tauglichkeit. In der Galerie von David Zwirner musste letztes Jahr die Besuchdauer im Raum auf 45 Sekunden begrenzt werden, sonst hätte man die Massen nicht abfertigen können. Swarovski ist auf den Ansturm vorbereitet: Eine Schleuse regelt den Eintritt.

Die Swarovski Kristallwelten wurden 1995 eröffnet und zogen mit ihren wechselnden Installationen seither bereits rund 14 Mio. Besucher an. (bunt)