Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 04.11.2018


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Bio-Metzger Juffinger: „Bio und regional nicht dasselbe“

Der Bio-Metzger Anton Juffinger wünscht sich eine gesetzliche Definition, wie regionale Produkte hergestellt werden. Denn die Bio-Schiene müsse zahlreiche Auflagen erfüllen.

© Bio-Metzgerei JuffingerBio-Metzger Anton Juffinger kontrolliert seine Rinderhälften im Kühlhaus.



Innsbruck, Kufstein – „Bio“ ist in, „Bio“ wird gekauft, seit Jahren nimmt die Anzahl der Bio-Produkte zu. Und obwohl der Fleischkonsum seit zehn Jahren rückläufig ist, kommt auch Bio-Fleisch gut an. Laut AMA lag der Pro-Kopf-Verbrauch von Fleisch und Geflügel im Jahr 2000 noch bei 102,6 Kilogramm, 2017 ist er auf 94,8 Kilogramm gesunken. Die derzeitige Entwicklung helfe aber auch den Bio-Qualitätsproduzenten, sagt der Geschäftsführer der Bio-metzgerei Juffinger, Anton Juffinger. Die Devise „Weniger Fleisch, aber dafür Fleisch in besserer Qualität mit nachvollziehbarer Herkunft“ lässt auch bei Bio-Metzger Juffinger Freude über steigende Umsatzzahlen aufkommen.

Lag der Umsatz 2014 noch bei 5,7 Millionen Euro, so betrug er 2017 8,75 Millionen Euro. 38 Prozent von Fleisch und Würsten werden in Österreich verkauft, rund 60 Prozent gehen nach Deutschland. Dort sei der Verkauf leichter, da es kaum kleinstrukturierte Landwirtschaft gebe. Wichtig für Juffinger ist, dass „wo Juffinger draufsteht, Tirol oder Österreich drin sind“: „90 Prozent der verarbeiteten Rinder kommen aus Tirol, allerdings nur 30 Prozent der Schweine“ – Tirol sei eben kein Schweinebauernland. Für gute Fleischqualität sei Planung wichtig, denn ein Rind müsse ja erst einmal aufwachsen. Und speziell für Bio-Betriebe gebe es strenge Verordnungen: Futter und Stall müssen bestimmten Richtlinien entsprechen, sagt Juffinger, der auch Mitbegründer der Genossenschaft Bio vom Berg ist.

1997 wird die Bio-Metzgerei gegründet, das Grundstück in Thiersee hat rund 10.000 m2, jetzt wird weiterinvestiert. Es sollen noch 1200 m2 hinzukommen, denn „im Stall wird es eng“. Auch der Schlachtbereich wird optimiert, ebenfalls dazu kommen neue Kühl- und Reiferäume. Daneben investiert Juffinger auch in neue Verpackungen. Denn das Problem beim Plastikmüll seien die Verbundstoffe, kritisiert Juffinger. Diese könnten nicht recycelt werden und würden erst wieder in der Müllverbrennungsanlage entsorgt. Geplant ist daher eine neue, nachhaltige Verpackungslinie. Damit soll wesentlich weniger Plastik durch die Verpackung des Fleisches produziert werden, das passe einerseits zur geplanten EU-Verordnung, Einwegplastik ab 2021 zu verbieten, und reduziere auch den CO2-Ausstoß. Mit einer Umstellung des EDV-Systems seien zudem Verbesserungen beim Warenstrom geplant. Denn ein wichtiger Aspekt für Kunden von Bio-Fleisch sei die Rückverfolgbarkeit, die Bauernhofgarantie, „auf der Packung muss draufstehen, bei welchem Bauern das Rind gelebt hat“. Auch die 40 Mitarbeiter sind Juffinger ein Anliegen. Seit 2013 sei die Anzahl um 30 Prozent gestiegen. Entgegen dem Trend zum „Metzgersterben“ bildet Juffinger drei Lehrlinge aus. Der (Bio-)Laden müsse laufen, findet Juffinger und übt trotzdem Kritik an der Gastronomie. „Wenn Bio-Schnitzel auf der Karte steht, sollte auch tatsächlich ein Bio-Fleisch am Teller landen“, sagt Juffinger und wünscht sich Kontrollen. Doch das ist nicht sein einziger Wunsch. Wegen des Überschusses an Milch wünscht er sich, dass Kälber mit richtiger Milch, nicht mit Milchpulver, aufgezogen werden. Das würde einerseits die Mutterkuhhaltung forcieren und andererseits fände die Milch eine sinnvolle Verwendung. Außerdem wünscht sich der Bio-Metzger eine gesetzliche Definition von „regionalen“ Produkten. Denn „regional ist nicht bio“. Und allein die Örtlichkeit gebe keinerlei Information zu Aufzucht, Haltung oder ob gentechnisch verändertes Futter gegeben werde. (ver)