Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 14.11.2018


Exklusiv

700 Millionen Euro rollten, Tirols Touristiker appellieren an Politik

Tirols führende Tourismus-Vertreter loben die Politik in Bund und Land, drängen aber auch vehement auf Nachbesserungen, etwa bei Saisonniers.

Hoffen auf eine erneut starke Wintersaison: Tirols Touristiker und Seilbahnen haben jedenfalls mit dreistelligem Millionenaufwand aufgerüstet.

© Thomas BoehmHoffen auf eine erneut starke Wintersaison: Tirols Touristiker und Seilbahnen haben jedenfalls mit dreistelligem Millionenaufwand aufgerüstet.



Von Alois Vahrner

Innsbruck – Nach einem Rekord-Winter und weiteren Zuwächsen im Sommer geht Tirols Tourismus trotz der momentan sehr milden Temperaturen und des noch fehlenden Schnees optimistisch in die kommende Wintersaison. Die Touristiker hätten etwa 400 und die Seilbahnen etwa 300 Mio. Euro investiert, in Summe also 700 Mio. Euro, so Wirtschaftsbund-Chef und Seilbahner-Obmann Franz Hörl bei einem Pressegespräch mit Tirols Tourismus-Obmann Josef Hackl, Hotellerie-Fachgruppenchef Mario Gerber und Gastronomie-Obmann Alois Rainer. Gerber sprach von den „vier Musketieren“ im Tiroler Tourismus.

Die Klingen hatte der Tourismus in den letzten Jahren wiederholt mit der Politik gekreuzt (ein „jahrelanges Trauerspiel“), diesmal gab es auch sehr viel Lob für Bund und Land, vor allem für Änderungen bei den Steuern, etwa für die Reduktion der Umsatzsteuer bei Nächtigungen von 13 auf 10 %, das Aus für die Kriegsopfer- und Behindertenabgabe sowie die Vergnügungssteuer in Tirol. Der Sachwertebezug bei Unterkünften für Tourismus-Mitarbeiter sei repariert.

Zufrieden ist man im Tiroler Tourismus mit zwei umstrittenen Beschlüssen von Türkis-Blau: dem auf FPÖ-Druck wieder abgeblasenen totalen Rauchverbot in der Gastronomie (laut Hörl „supercool“) und der Arbeitszeit-Flexibilisierung. Der Ruf der Hoteliervereinigung nach einer Neuregelung wurde scharf zurückgewiesen. Der von der AK kritisierte Arbeitsvertrag bei einem Hotel im Oberland sei von einem Wirtschaftsberater gekommen und abgestellt. „Wir brauchen wieder mehr einheimische Beschäftigte. Dauernde 12-Stunden-Tage will niemand und die sind auch nicht zu schaffen. Es gilt die Freiwilligkeit“, so Gerber und Rainer. Man werde, wenn dies gewünscht werde, neben den üblichen 5- und 6-Tage-Wochen verstärkt auch flexible Arbeitsmodelle für 2, 3 oder 4 Tage anbieten. Für eine dringend nötige bessere Tourismusgesinnung werde man „der Bevölkerung mehr als bisher zuhören und erklären müssen“, sagt Gerber.

Für die kommende Wintersaison sieht Hackl wegen des knappen Saisonnierkontingents von 275 Kräften große Unruhe in der Branche. Es gehe jetzt darum, das geplante Gesetz zu beschleunigen, um den Kochberuf bereits im Dezember und nicht erst im Jänner als Mangelberuf anzuerkennen.

Hackl lobt das Land für die Zusammenfassung von Tirol Werbung, Standortagentur und Agrarmarketing unter der Holding Lebensraum 4.0. Das Ziel sei ebenso wie der Chef Josef Margreiter sehr gut, im Aufsichtsrat sei der Tourismus aber personell bisher „links liegen gelassen“ worden.

Tirols Tourismus brauche keine neuen Bettenburgen gerade auch von ausländischen Investoren wie bei den Projekten in Fieberbrunn, so die Touristiker. Hier brauche es ebenso „Waffengleichheit“ wie bei Airbnb-Vermietungen. Hier wird laut Gerber an einer bundesweiten Regelung gearbeitet, mit dem Ziel, dass Vermieter und Mieter bekannt sind und Steuern gezahlt werden müssen. Hier gehe es auch um die Lösung der Tiroler Wohnprobleme. Allein in Innsbruck gebe es 1500 über Airbnb vermietete Wohnungen, in ganz Tirol seien es Tausende, die letztlich die Wohnkosten in die Höhe treiben würden. „Das wäre also ein ganz großes Thema auch für Landesrätin Palfrader, AK-Präsident Zangerl und Bürgermeister Willi“, so Hörl.