Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 08.11.2018


Tiroler Wirtschaftsforum

Judith Williams: Emotionen als Verkaufsschlager

Kosmetik-Unternehmerin Judith Williams riet den Tiroler Firmenchefs, in Emotionen zu investieren. In die des Kunden wie auch in ihre eigenen.

© Foto TT / Rudy De MoorJudith Williams warnte im Rahmen des Wirtschaftsforums vor Ego-Mentalität und Arroganz.Foto: Rudy De Moor



Innsbruck – Einem Millionenpublikum war Judith Williams schon lange vor ihren TV-Auftritten bei der Start-up-Show „Höhle des Löwen“ oder dem Tanz-Duell „Dancing Stars“ bekannt. Schließlich hat die einstige Opernsängerin seit Ende der 90er-Jahre durch den Verkauf von Kosmetikprodukten im TV-Verkaufskanal QVC ein Unternehmen mit mehr als 100 Millionen Euro Umsatz und Sitz in Tirol aufgebaut. „Ich verkaufe über Emotion“, betonte die Kosmetik-Unternehmerin gestern beim Tiroler Wirtschaftsforum im Innsbrucker Congress. Den rund 500 anwesenden Unternehmern riet sie ebenfalls, die Emotionen beim Kunden zu wecken und gleichzeitig das eigene Ego möglichst hintanzustellen – dieser Vorschlag gelte auch firmenintern. „Die Ego-Emotionalität bringt häufig Unternehmen zum Scheitern, weil es dann auch an Respekt und Achtung gegenüber den Mitarbeitern mangelt“, erklärte Williams. Man müsse vielmehr sein Gegenüber mit ins Boot holen und ihn einbinden. „Es werden nur jene Unternehmen überleben, die solche Emotionen bei Kunden wecken können, die sie danach auch Tag für Tag wiedererleben wollen“, schilderte sie ihr Erfolgsrezept. Eine wichtige Voraussetzung dafür sei allerdings die Fähigkeit, Empathie zu empfinden, sich in die Gefühlswelt anderer hineinversetzen zu können. „Investieren Sie in Ihre eigenen Emotionen“, riet die einstige Quereinsteigerin, die ihre Unternehmer-Karriere einst als Moderatorin im Tele-Shopping-Kanal begann. Ob Tele-Shopping angesichts der wachsenden Digitalisierung und der Einkaufsmöglichkeiten im Internet noch Zukunft hat, ließ Williams offen. Inzwischen sei es jedenfalls so, dass rund 50 Prozent der in Shopping-Sendern beworbenen Produkte via Online-Kanäle verkauft würden.

Sitz ihrer Kosmetik-Firma ist in Innsbruck. Dennoch habe sie erst im Vorfeld des Wirtschaftsforums erstmals Kontakt zu Innsbrucker Unternehmern gefunden, räumte sie gestern ein. Dabei scheinen die Bande noch enger zu sein: Vorfahren ihres Gatten sollen Verwandte der Tiroler Freiheits-Ikone Andreas Hofer gewesen sein.

Den Innsbrucker Firmenstandort will die Tochter eines erfolgreichen Opernsängers ausbauen. Geplant ist ein „Innovationsgebäude für Beauty-Start-ups, eine Art Inkubator für junge Ideen“, wie sie gestern erklärte. Grund für den Ausbau? Ihr sei als Jurorin bei der Start-up-Sendung Höhle der Löwen aufgefallen, dass wenige Frauen den Schritt gewagt hätten, sich in ein Start-up-Abenteuer zu stürzen. (TT)