Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 08.11.2018


Exklusiv

Hotel-Causa: Umwidmung noch offen

Rund um das umstrittene Hotelprojekt in einem Wohnhaus will BM Willi mit Bund verhandeln.

© TT/Thomas BöhmIn diesem Gebäude in Innsbruck will die Meininger-Kette mit einem 261-Betten-Hotel einziehen. Eigentlich waren Wohnungen geplant.



Von Max Strozzi

Innsbruck – Das in Innsbruck geplante Meininger-Billighotel in einem Wohnhaus sorgt weiter für Aufregung. Wie berichtet, hatten die Bundesforste 2015 als Eigentümer des Areals und des darauf stehenden Gebäudes das Baurecht an den meistbietenden Tiroler Immobilienverwalter BHS vergeben. Vertraglich verpflichtend sollten Wohnungen entstehen. Die Stadt, die beim Baurecht nicht zum Zug kam, wies den BHS-Plan von frei finanzierten Wohnungen zurück und ließ das Gebäude unter Schutz stellen. Die BHS ging dagegen gerichtlich vor und präsentierte gleichzeitig ein Hotelprojekt mit 261 Betten. Heuer im Sommer kam es zum Deal, dass die Beschwerde vor Gericht zurückgezogen wird, wenn die Stadt dem Hotel grünes Licht gibt.

Die für das Hotel nötige Umwidmung in „Sonderfläche Großbeherbergungsbetrieb“ steht aber noch aus. „Ob die Umwidmung zustande kommt, ist offen. Wir werden sehen, wie der Gemeinderat entscheiden wird“, erklärt BM Georg Willi (Grüne). Durch die jüngste Debatte habe sich für Gemeinderäte eine neue Situation ergeben. Er wolle jedenfalls mit dem für die Bundesforste zuständigen Ministerium verhandeln, um den Baurechtszins zu drosseln, damit auch die Stadt wieder ins Rennen kommt. „Wenn der Bund zu leistbarem Wohnen steht, müssen die Bundesforste von ihren hohen Forderungen abgehen“, Willi.

SPÖ-Stadtparteichef Helmut Buchacher sagt: „Wir werden einer Umwidmung nicht zustimmen.“ Ihm sei stets gesagt worden, dass in diesem Gebäude Unterkünfte für Studenten errichtet werden sollten. „Wir haben nichts gegen Hotels, aber dieser Standort ist der falsche“, so Buchacher. Auch Gerald Depaoli (Gerechtes Innsbruck) fordert, die Umwidmung für das Hotel zu versagen. Damit würde der Bund „gezwungen“, das Areal für leistbaren Wohnraum zu verwenden. Er finde es zudem seltsam, dass der Bund das Baurecht an eine Hotelgruppe vergab, „welche namentlich in den Panama Papers erwähnt wird“. Auch Christine Oppitz-Plörer (FI), zur Zeit des Deals zwischen BHS und Bundesforste Innsbrucks Bürgermeisterin, meldete sich gestern zu Wort. „Die Stadt hätte das Baurecht damals gerne selbst erworben“, so Oppitz-Plörer. Auch für sie sei „günstiger Wohnraum in Uni- und Kliniknähe wichtig“ und kritisiert den Bund. Die Republik habe „wieder einmal Vermögen der österreichischen Bevölkerung privatisiert“.