Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.11.2018


Bezirk Landeck

Tiroler Digital-Experte: „Aus Köchen und Kellnern werden Gäste-Manager“

Tirols führender Digital-Experte gab Einblicke in die Zukunft der digitalen Arbeitswelt. Der Tourismusbezirk Landeck steht vor Umbruch.

© WenzelInfotag an der Landecker HAK zur Digitalisierung der Arbeitswelt: Hausherr Reinhold Greuter (r.) begrüßte Tirols führenden „Digital-Experten“ Christoph Holz (M.) und Sparkassen-Vorstand Martin Haßlwanter (l.).



Von Helmut Wenzel

Landeck – Es sind (noch) ungeahnte Veränderungsschübe, die im Zuge der digitalen Revolution auch den Tourismusbezirk Landeck erobern werden. Daran lässt Tirols „Digitalisierungspapst“ Christoph Holz keine Zweifel aufkommen. Der Unterländer referierte kürzlich vor den Schülern der Landecker HAK. Schulleiter Reinhold Greuter ließ eine Livestream-Übertragung via Facebook einrichten.

„Der Nachtisch kommt aus dem 3D-Drucker“, sagt der Experte voraus. „Routinejobs in der Küche werden, wie in vielen Bereichen der Arbeitswelt, bekämpft und automatisiert.“ Holz spricht von „kundenferner“ Arbeit, Mitarbeiter würden davon befreit werden. „Auch Reinigung gehört dazu.“ So könnten Köche und Kellner viel mehr „kundennahe“ Aufgaben übernehmen, sie würden sich immer mehr zu „Gästebeziehungsmanagern“ entwickeln.

Speichermedien, heute auch in winziger Größe verfügbar, können bereits implantiert werden.
- TT-Archiv

Befürchtungen, wonach Supercomputer bzw. künstliche Intelligenz die Macht übernehmen könnten, teilt der auch rhetorisch beeindruckende Experte nicht. „Digitalisierung wird von Menschen für Menschen gemacht.“ Und: „Tirol ist fit für die digitale Zukunft.“ Es gebe etliche Vorzeige-Unternehmen, die am globalen Markt mitmischen und wichtige Beiträge zur digitalen Weiterentwicklung leisten. Der weltweit kleinste Computer etwa befinde sich in Tirol. Auch ein Implantat, mit dem taube Kinder wieder hören können, sei in Tirol entwickelt worden.

Apropos Implantat: Dass auch der „Digital-Guru“ eines in seinem Handrücken trägt, war fast zu erwarten. „Der Einstich hat kaum weh getan. Nur wie ein Bienenstich.“ Mit dem winzigen Datenträger könne er Türen öffnen und Passwörter speichern. Nicht lange werde es dauern, „dann kann ich an der Supermarktkasse bezahlen“. Möglich mache das die vom Handy bekannte NFC-Funktion.

Das Szenario, wonach die digitale Revolution Massenarbeitslosigkeit verursacht, sieht Holz nicht. Kognitive Intelligenz und damit unzählige Berufe in der Kreativwirtschaft könnten nicht ersetzt werden. Er spricht von einem Riesenpotenzial an „digitalisierungsresistenten Jobs“.

Einen Jobabbau aufgrund der Digitalisierung könne er für sein Institut nicht bestätigen, sagte der Imster Sparkassenvorstand Martin Haßlwanter: „Nur die Aufgabenbereiche verschieben sich – hin zu mehr Kundennähe.“