Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 20.11.2018


Exklusiv

Arlberg Hospiz unter Druck, Umstrukturierung nötig

Hoteliers-Vize Florian Werner legte Geschäftsführung seines Hotels zurück. Tourismusberater soll Betrieb neu aufstellen. Kunsthalle „Fehlentscheidung“.

© Thomas Boehm / TT



Von Max Strozzi und Peter Nindler

St. Christoph – Hilfe und Schutz für Wanderer waren vor mehr als sechs Jahrhunderten der Grundstein für das jetzige Hospizhotel in St. Christoph am Arlberg. Nun ist es das geschichtsträchtige Arlberger Hotel selbst, das sich Hilfe ins Haus holt. Florian Werner, gleichzeitig Vizepräsident der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), zog sich Anfang September aus der Geschäftsführung seines Betriebes zurück. Operativ sitzt nun der Unternehmensberater Hermann Semlitsch als neuer Geschäftsführer am Ruder, wie er auf TT-Anfrage bestätigt.

Auch ein neuer Steuerberater ist an Bord. „Das Hotel braucht einen neuen Schub“, sagt Semlitsch. Er räumt ein, dass es zuletzt durchwachsen lief. „Die Geschäfte waren rückläufig, wie auch in anderen Betrieben“, so der Tourismusexperte, der auch Geschäftsführer und Miteigentümer des Tourismusberaters HCG mit Standort in Innsbruck ist. Ein Beirat, dem neben Florian Werner unter anderem ein weiterer Hote­lier, ein Marketingexperte und ein Marken-Fachmann angehören, wird die neue Stoßrichtung des Hotels mitgestalten. Zum Unternehmen gehören der ursprüngliche Hotelbetrieb, die Hospiz Alm – sie gilt als Filetstück des Unternehmens –, die Weinhandlung sowie der erst kürzlich errichtete Suiten-Komplex samt Konzertsaal.

Besonders der Suiten-Bau samt Kunst- und Konzerthalle – der Bau war von politischen Nebengeräuschen begleitet – habe den Bilanzen zugesetzt. „Dadurch waren Bilanzen zuletzt nicht positiv“, sagt Semlitsch. Die Suiten selbst seien eine gute Idee gewesen, die Kunst- und Konzerthalle weniger. „Sie war eine Fehlentscheidung und der eigentliche Auslöser der aktuellen Situation.“ Laut Semlitsch ist der Überling aus der Vermietung der – an Investoren verkauften – Suiten in den Betrieb der Kunsthalle geflossen. „Der Überling wurde falsch eingesetzt.“

Die Situation ist zum Beispiel an der Vorjahresbilanz des Hotels abzulesen. So wies die „Arlberg Hospiz Hotel St. Christoph Werner GesmbH KG“, die den reinen Hotelbetrieb abbildet, mit Oktober 2017 ein negatives Eigenkapital von 4,1 Mio. Euro auf. Gleichzeitig wird betont, dass hohe Liegenschaftswerte als stille Reserve vorhanden sind. Diese würden die buchmäßige Überschuldung aufwiegen. Gab es auch Restrukturierungs-Druck von den Banken? „Natürlich gab es Kriterien seitens der Bank, wie man das anders machen könnte“, räumt Semlitsch ein: „Wir wollen jedenfalls das Hotel wieder zu dem machen, was es einmal war.“

Zunächst werde die Unternehmensstruktur geändert und künftig eine Holding über die einzelnen Betriebe Hotel, Alm, Weinhandlung und Suiten gestülpt. Auch die Rechtsform einer Kommanditgesellschaft soll aufgelöst werden (bei KG haftet man auch mit dem Privatvermögen). Der Umbau der Firmenstruktur sei „zu 50 Prozent abgeschlossen“, erklärt Semlitsch. Auch habe man den Steuerberater gewechselt. Der bisherige habe „viel zu lange zugeschaut“. Zudem werden Möglichkeiten im Sommer-Geschäft gesucht. Auch die Preise müssten wieder an die Inflation angepasst werden. Weiters soll in die Zimmer im Stammhaus investiert werden, angedacht ist eine Verringerung der Bettenzahl. Die derzeit 180 Betten würden sich mit einem 5-Sterne-Hotel schwer vertragen. Den Investitionsbedarf beziffert Semlitsch mit fünf Mio. Euro.