Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 22.11.2018


Standort Tirol

Auf der Möslalm hat es sich ausgerodelt

Den Betreibern der kleinen Wörgler Almwirtschaft wurde das finanzielle und rechtliche Risiko einer Rodelbahn zu groß. TVB und Stadt hatten sich bisher rausgehalten. Wirte hoffen auf neue Gespräche.

© TTDen Heimweg von der Möslalm ins Tal muss man im Winter künftig ohne Rodel antreten. (Symbolfoto)



Von Jasmine Hrdina

Wörgl – Ob über die 3,5 Kilometer lange familienfreundliche Forststraße oder sportlich entlang der Abkürzungen durch den Wald – die Möslalm in Wörgl ist ein beliebtes Ausflugsziel bei Einheimischen, auch im Winter. Konnte man den Heimweg bisher an schneereichen Tagen auf einer Rodel antreten, würde dieser Versuch heuer vermutlich mit einem kaputten Sportgerät enden, denn: Erstmals seit Jahren wird es dort keine Rodelbahn geben.

Bisher hatten sich die Pächter der auf 960 Meter gelegenen Almhütte zur Freude der Wörgler um eine befahrbare Strecke bemüht. Doch das Risiko der Haftung und die Kosten für die Erhaltung der Bahn sind den Kleinstunternehmern zu groß geworden. „Wir haben jeden Winter etwa 6000 Euro in die Pistenpräparierung, Schaltafeln und Versicherung investiert. Wenn aber wirklich mal etwas passiert, wird man zur Verantwortung gezogen“, schildert Wirt Peter Hopitzan die Problematik. Schon einmal hatte es einen Todesfall bei einem Rodelausflug auf dem Wörgler Hausberg gegeben. Auch Hopit­zans Rechtsanwalt habe von einem weiteren Bahnbetrieb abgeraten. Zudem habe sich der viele Aufwand in den letzten Jahren für die Gastronomen finanziell kaum gelohnt. 60 Prozent der Rodler seien gar nicht im Almgasthaus zugekehrt. „Wenn denen etwas passiert, warum soll ich dann dafür haften“, fragt Hopitzan. Die Hütte sei außerdem nicht auf Winterbetrieb ausgerichtet. „Wir müssen viel zuheizen. Hinzu kommt noch die Pacht. Was wir uns im Sommer mühsam erwirtschaftet haben, mussten wir im Winter wieder investieren“, sagt Wirtin Brita Rückel. Oft seien die beiden auf Unverständnis der Rodler gestoßen, wenn sie nach Regentagen den nassen Schnee beiseitegeräumt hätten. „Den Ärger verstehe ich. Aber anders wären wir nicht mit dem Auto zur Hütte hoch gekommen – nicht einmal mit Schneeketten“, so Hopitzan.

Es sei eine „wirklich schwere Entscheidung“ gewesen. Im Jänner und Februar bleiben die Türen auf der Mösl­alm-Hütte nun geschlossen, um dem Thema Rodelbetrieb ganz auszuweichen, erklären Hopitzan und Rückel. Silvester wolle man noch mit den Gästen feiern. „Wenn sich alle an einen Tisch setzen – Gemeind­e, TVB und Wegbesitzer –, dann müsste da doch etwas zu machen sein“, blickt Rückel hoffnungsvoll in die Zukunft.

Wenig Begeisterung schlägt diesem Vorschlag beim TVB Ferienregion Hohe Salve entgegen. „Der Bedarf einer Rodelbahn in Wörgl ist aus touristischer Sicht nicht gegeben“, sagt GF Stefan Astner, auf Nachfrage der TT. Zwar wäre man zu Gesprächen bereit, dazu gebe es allerdings einige Dinge zu klären. „Wenn man eine Rodelbahn betreiben will, muss das ordentlich gemacht werden und dann wird es auch etwas kosten, dessen muss man sich bewusst sein“, meint Astner. Das fange bei der Sicherheit an, und dazu gehören tägliche Kontrollen der Bahn. Der TVB habe dafür nicht genügend Personal vor Ort, fügt der Touristiker hinzu. Die Kontrolle der Mountainbike-Strecke im Sommer hingegen laufe wohl über den TVB. Hier kommt allerdings das „Tiroler Modell“ zu tragen: Hier tritt das Land Tirol für Haftungsfragen an.

Wörgls VBM Mario Wiechenthaler erklärt, man führe „stadtinterne Gespräche, ob und wie man etwas machen kann“. Die Haftungsfrage beschäftigt die Stadt allerdings schon sei Jahren – bisher überließ man das Risiko aber immer den Wirten.