Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 22.11.2018


Bezirk Reutte

Reuttener Seilbahnen kurz vor Winter ohne Überfahrtsrecht

Am Skifahrerhausberg Hahnenkamm geht es rund: Die Gemeinde Höfen als Grundbesitzer will gegen die Bahnen vor Gericht gehen.

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© Mittermayr Helmut



Von Helmut Mittermayr

Höfen – Am Hahnenkamm ist man wie überall in Tirol dieser Tage nicht untätig. Die Beschneiungsanlagen nutzen die ersten tiefen Temperaturen, um Kunstschnee vorzuproduzieren. Ein gut einsehbares weißes Band vom Tal bis hoch auf den Berg kündet im ganzen Reuttener Talkessel von der nahenden Skisaison. Und der ganze Kessel schaut gebannt auf den Hahnenkamm, als stünde der Berg – gerade im Winter – im Eigentum der Bevölkerung. Jede Aktivität fällt auf, alles wird kommentiert. Und es gibt wieder genug zu besprechen. Denn der Berg ist im Eigentum der Gemeindeguts­agrargemeinschaft Höfen, also der Gemeinde. Und diese hat den Reuttener Seilbahnen schon vor Monaten das Überfahrtsrecht über die Pisten am Hahnenkamm aufgekündigt, weil die jährlich zu zahlende Pacht von 9000 Euro zwei Jahre nicht überwiesen worden war. Inzwischen ist das Geld zwar da, aber der Vertrag ist erloschen und ein neuer zu verhandeln – so die Rechtsmeinung in Höfen. In den neuen Pakt will Bürgermeister Vinzenz Knapp eine ganze Reihe von Punkten eingearbeitet wissen, die unter anderem die Belieferung anderer Hütten am Berg sicherstellt oder die Wegnutzung regelt. Knapp: „Es gab genug Schwierigkeiten in letzter Zeit, ein neuer Vertrag soll Klarheit im Umgang miteinander bringen.“

Für einen Vertrag braucht es aber zwei Seiten und die Reuttener Seilbahnen rühren sich nicht. „Die lassen alle Termine verstreichen. Denen isch wenige Wochen vor der Skisaison scheinbar all’s wurscht“, wun- dert sich Knapp. Der Bürgermeister geht davon aus, dass der Reuttener Steuerberater Peter Gerber, Chef der Bahn, wohl glauben wird, dass sich die Gemeinde niemals traue, das Überfahren der Pisten am Hahnenkamm zu unterbinden. Denn die Auswirkungen auf den Wintertourismus der Region wären immens. „Das tun wir heuer auch nicht“, sagt Knapp. „Aber wenn sich die Gegenseite nicht bald mit uns an einen Tisch setzt – gerade ließ sie wieder einen Gesprächstermin verstreichen –, gehen wir vor Gericht und holen uns einen Feststellungsbeschluss. Und es soll niemand glauben, dass nicht der Tag kommt, an dem von uns als Grundbesitzer die Reißleine gezogen wird.“ Zwischenzeitlich wären die Wintersportler am Hahnenkamm quasi als „Schwarzfahrer“ unterwegs.

Bahnenchef Peter Gerber war trotz mehrmaliger Anfrage in seinem Büro (wieder einmal) für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.