Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 22.11.2018


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Raiffeisen rechnet mit Zinsanstieg

RBI-Analyst Brezinschek erwartet eine Anhebung der Zinsen ab Mitte 2019. Das würde auch Italien nicht schaden, sondern sogar nützen.

© Raiffeisen/Oss"Italiens Finanzierung hängt nicht vom Leitzins ab, sondern von Italiens Politik", sagt Peter Brezinschek.



Von Max Strozzi

Innsbruck – Obwohl zuletzt gemutmaßt wurde, dass die Europäische Zentralbank (EZB) eine Anhebung der Zinsen wegen des Budgetstreits mit Italien weiter hinauszögern könnte, glaubt Raiffeisen-Analyst Peter Brezinschek weiter an eine Zins-Anhebung im kommenden Jahr. „Ich gehe weiter davon aus, dass die EZB in der zweiten Jahreshälfte die Zinsen anheben wird“, sagte Brezinschek im TT-Gespräch. Aus seiner Sicht müsse sich die EZB fragen, ob ihr Krisenmodus noch notwendig ist. Die Inflation sei mit 2,2 Prozent bereits über der magischen Grenze von 2 %, die höheren Lohnabschlüsse in Deutschland, Holland und zuletzt auch in Österreich würden in der Folge sich ebenfalls auf die Inflation auswirken. Aus diesen Gründen sieht Brezinschek die EZB zum Handeln gezwungen. Aus Sicht des Raiffeisen-Analysten dürfte der Einlagenzins bis Anfang 2020 auf 0,25 % bis 0,5 % steigen. Wodurch das Ersparte angesichts der höheren Inflation weiter an Kaufkraft verliert. Für Ende 2020 rechnet Brezinschek mit einem Zins von 0,75 % bis 1 %. Und dabei werde es dann auch bleiben, zumal sich die Konjunktur abschwächen werde, glaubt er.

Die Logik, wonach die EZB wegen Italiens Budget-Turbulenzen die Zinsen niedrig halten könnte, sei falsch. Italiens Banken würden vielmehr profitieren, wenn Strafzinsen für geparktes Geld bei der EZB aufgehoben würden. Denn derzeit pumpe die EZB mehr Geld in den Markt, als Banken an Krediten vergeben können. Was auch Italiens Banken dazu zwinge, Geld bei der EZB zu parken und enorme Strafzinsen zu zahlen. „Gerade aus Sicht Italiens wäre ein Ende der Negativzinsen wichtig“, meint Brezinschek. Die Finanzierung Italiens erfolge auch nicht am Geldmarkt, sondern durch Anleihen. „Wenn die EZB die Zinsen erhöht, werden Anleihen deshalb nicht sonderlich teurer“, so der Banker: „Italiens Finanzierung hängt nicht vom Leitzins ab, sondern von Italiens Politik.“