Letztes Update am Fr, 23.11.2018 06:28

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Standort Tirol

Neue Pläne und Investitionen: Novartis baut Standorte in Tirol um

Der Pharmariese will mehr als 200 Millionen Euro in die Standorte Kundl und Schaftenau investieren. Geplant ist auch der Rückzug aus bestimmten Produktionsbereichen. Das betrifft 300 Mitarbeiter. Durch die Neuinvestitionen sollen insgesamt mehr neue Arbeitsplätze entstehen.

© Mit Neuinvestitionen will Novartis in Tirol bis 2021 rund 200 neue Arbeitsplätze schaffen.



Kundl, Schaftenau – „Das ist eine sehr gute Nachricht für Tirol und ein starkes Bekenntnis der Konzernführung in Basel für die Standorte Schaftenau und Kundl“, sagte gestern der Chef der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, Daniel Palmacci, gegenüber der TT. Zuvor war die Belegschaft über die geplanten Neustrukturierungen in Tirol informiert worden.

Konkret investiert Novartis 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte Schaftenau und Kundl. Eines der Investitionsprojekte sei die nächste Generation der biotechnologischen Produktion namens „Advanced Integrated Biologics Manufacturing“. Palmacci: „Das ist das Beste, das es weltweit gibt.“ Ein weiteres Projekt sei der Ausbau der bestehenden „BioInject“-Anlage mit einer zusätzlichen Produktionslinie für sterile Fertigspritzen.

Die Neuinvestitionen sollen bis 2021 rund 200 Arbeitsplätze schaffen, so Palmacci. Weitere Investitionen, die bereits in Planung seien, würden zudem einen zusätzlichen Personalausbau in vergleichbarer Größenordnung beinhalten. Gleichzeitig sollen in Tirol aber auch einige Bereiche zurückgefahren bzw. eingestellt werden. Das könnte etwa 300 Mitarbeiter treffen. Diese sollen aber durch Umschulungen im Unternehmen bleiben können. „Insgesamt werden wir in Zukunft mehr und nicht weniger Arbeitsplätze in Tirol haben“, kündigt Palmacci an. Allein zurzeit suche man 100 neue Mitarbeiter. Derzeit seien 4500 Beschäftigte in Tirol (etwa 2600 in Kundl und 1900 in Schaftenau) tätig, in den kommenden Jahren soll die Zahl auf 4700 oder mehr steigen. Die Bedeutung vor allem von Schaftenau dürfte damit weiter zunehmen.

Die globale Strategie des Novartis-Konzerns gehe weg von Produkten mit „hohem Volumen“, also klassischen Tabletten, hin zu hoch spezialisierten Medikamenten. Wegen sinkender Erträge im Medikamentengeschäft hatte Novartis im September angekündigt, in der Schweiz und in Großbritannien mehr als 2500 Stellen zu streichen. Umso mehr freue ihn daher dieses klare Zeichen des Konzerns, trotz weltweiter Konkurrenz auf den Tiroler Standort zu setzen, sagte Palmacci. Tirol als Standort (Kundl und Schaftenau sind die größten Standorte der Pharmabranche in Österreich) gewinne dadurch innerhalb des Konzerns klar an Bedeutung.

Novartis hat seit 2010 laut eigenen Angaben insgesamt 900 Mio. Euro in Tirol investiert, in den letzten Jahren sei der Personalstand um jeweils etwa 200 angestiegen. Zuletzt hatte Novartis 2017 rund 100 Mio. Euro in den Produktionsstandort in Schaftenau investiert. Die Niederlassung wurde um eine integrierte Zellkulturproduktion und ein Bürogebäude erweitert.

Fast 200 Mio. Arzneimittelpackungen verlassen pro Jahr Kundl und Schaftenau in Richtung der etwa 100 Exportländer. Am Standort Kundl würden heute zwei Drittel der Weltproduktion von Penicillin V hergestellt. Das Werk sei damit einer der größten Antibiotika-Hersteller weltweit, sagt Palmacci. (va)