Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 24.11.2018


Ötztal

Change Summit: „Die Digitalisierung lässt sich nicht aufhalten“

Beim „1. Change Summit“ in Hochgurgl diskutierten Experten zwischen Oldtimern und Motorrädern über künstliche Intelligenz und die Zukunft.

©



Hochgurgl — Das Wetter schlägt sich nicht nur auf das Gemüt, sondern auch auf Konsumverhalten und Urlaubsbuchungen nieder. Diese These belegten am Donnerstagabend die Meteorologen Corinna Borau, Alexander Hildebrand von der größten deutschen Wetterplattform wetter.com und die Digitalisierungsexpertin Katharina Schüller anhand von Daten.

Der Ötztal Tourismus hatt­e zum „1. Change Summit" auf über 2000 Metern Seehöh­e nach Hochgurgl geladen. Zwischen Motorrädern und Oldtimern sollte im wohl höchstgelegenen Motorradmuseum Europas über Zukunftsthemen möglichst breit diskutiert werden. Touristiker hätten durch das neue Datenmaterial erhebliche Vorteile in der Bewerbung ihrer Destination, erklärte Schüller. Konkret wurde in Kooperation mit einer großen Hotelkette das Buchungsverhalten für Kurzurlaube unter Einbeziehung von Google-Daten analysiert. „Münchner lieben die Berge, bei Sonne steigen die Buchungen um acht Prozent, kommt Schnee dazu sogar um 28 Prozent."

Die ganze Diskussion im Video

Ein Themenschwerpunkt des Abends war die Digitalisierung. Dieser könne sich niemand und auch keine Branche entziehen, meinte Karin Frick vom Schweizer Gottfried Duttweiler Institut. „Das wäre fast so, als wollte man ohne Elektrizität auskommen." Entscheidend sei, welche Branche die Digitalisierung als Chance sehen würde und auf den Zug aufspringen könne. So sei ein denkbares Zukunftsszenario, landwirtschaftliche Prozesse durch Drohnen und Maschinen zu optimieren. „Kleinstrukturierte Landwirtschaften könnten plötzlich wieder rentabel werden", meinte Frick. Die Digitalisierung sei nicht mehr rückgängig zu machen und auch nicht mehr aufzuhalten. „Alles, was der Bequemlichkeit des Konsumenten dient, wird sich durchsetzen."

Der ehemalige Chefredakteur der Bild-Zeitung, Kai Diekmann, zeichnete ein ähnliches Bild. Bereits jetzt habe sich das Medienkonsumverhalten stark geändert. Die junge Generation empfände es „als eine Katastrophe, wenn das WLAN ausfällt". Über Social Media würden nur noch Inhalte zur Verfügung gestellt, die Algorithmen zusammengestellt hätten. „Wenn nun aber jeder in seiner Blase informiert wird, wie tauschen wir uns dann künftig aus?"

Klassische Medien hätten die Aufgabe, seriöse Inhalte zu erstellen. „Das Publizieren ist ein Handwerk, das gelernt sein will." Heute könne zwar jeder publizieren, den Absender gelte es aber kritisch zu hinterfragen, meinte Diekman­n. (aheu)