Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 02.12.2018


Wirtschaft im Gespräch

Ruf nach mehr Transparenz bei Fahrzeugpreisen

Da der Besitz eines Autos bei Jungen keine so große Rolle mehr spielt, will Emanuel Jahn, Dosenberger-Geschäftsführer, neue Vertriebswege gehen.

© Thomas BöhmDosenberger-Geschäftsführer Emanuel Jahn ist ein Quereinsteiger.



Sie haben 2016 die Geschäftsführung der Autohäuser der Dosenberger-Gruppe von Ihrem Schwiegervater Wolfgang Rötzer übernommen. Wie verlief die Übergabe?

Emanuel Jahn: Ich bin als Quereinsteiger ins Familienunternehmen Dosenberger gekommen. Eigentlich bin ich Rechtsanwalt. Mein Schwiegervater kümmert sich gemeinsam mit mir um die Autohäuser. Das operative Geschäft führe ich. Strategische Entscheidungen fällen wir gemeinsam. Ich bin froh, dass mein Schwiegervater mich unterstützt und ich auf seine 40-jährige Erfahrung im Autohandel und sein Netzwerk zählen kann.

Welche Pläne haben Sie für die Dosenberger-Gruppe?

Jahn: Seit Februar verfügen wir mit der Übernahme des Autohauses Plaseller in Zams über einen vierten Standort in Tirol. Wir möchten unsere Marken weiterentwickeln, um mehr Volumen zu machen. Dazu müssen wir auch neue Vetriebswege einschlagen.

An welche denken Sie da?

Jahn: Für junge Menschen spielt der Besitz eines eigenen Fahrzeugs nicht mehr so die ganz große Rolle, vielmehr stehen Mobilität und Flexibilität im Vordergrund. Ähnlich wie beim digitalen Musikdienst Spotify, bei dem man gegen einen gewissen monatlichen Betrag die Musik hören kann, auf die man Lust hat, könnte man so ein Modell für den Autohandel entwickeln. Überspitzt formuliert könnte es wie folgt aussehen: Heute braucht der Kunde einen Kleinwagen, weil er in die Stadt fährt und leichter einen Parkplatz findet. Am Wochenende steigt er in einen SUV, um Skifahren zu gehen. Es geht um Flexibilität, damit man nicht nur ein, sondern mehrere Autos je nach Anforderungen und Bedarf nutzen kann. Autohersteller testen schon solche Modelle. Für den Händler ist das eine logistische Herausforderung, da er über einen großen Fuhrpark verfügen muss. Das geht nur, wenn man selbst Importeur ist oder ein Hersteller dem Händler den Rücken stärkt. Ich denke, dass solche neuen Vertriebsmodelle in den nächsten fünf Jahren umgesetzt werden könnten.

Es gibt ja schon so etwas Ähnliches von Yesca.

Jahn: Das ist eine Variante, die vom Kollegen Werner Brunner mutig umgesetzt wird. Ich wünsche mir jedoch für unser Modell eine noch etwas größere Flexibilität als bei Yesca.

Wie sehen Sie als Quereinsteiger die Auto­branche?

Jahn: Sie ist sehr spannend. Doch ich sehe einen Reformbedarf bei der Preistransparenz und bei der Zulassungsstatistik. Letztere wird durch Kurzzulassungen verfälscht. Auch Händler, die in größerem Ausmaß mit Exportfahrzeugen handeln, treiben die Zulassungsstatistik in die Höhe. Eigentlich geht es um die Kaufverträge und nicht um Zulassungen, denn Erstere sind für die Händler entscheidend. Daher wäre aus meiner Sicht eine Statistik, die sich auf Kaufverträge bezieht, aussagekräftiger als die Zulassungsstatistik. Auch bei den Autopreisen sollte eine größere Transparenz herrschen. Die Rabatte sind für den Endkunden kaum noch zu durchschauen. Der Autokauf gehört für viele zu den größten Anschaffungen im Leben. Doch es wird immer schwerer, die gebotenen Leistungen und Preise zu vergleichen. Da gibt es Händlerrabatte sowie Bonifikationen und Aktionen seitens der verschiedenen Importeursgesellschaften oder Hersteller. Wünschenswert wäre daher, wenn die Angebote transparenter wären. Dann könnte der Kunde leichter eine Entscheidung fällen.

Das Gespräch führte Frank Tschoner

Dosenberger-Guppe

Vier Standorte (zwei im Bezirk Landeck, zwei in Innsbruck) zählen zu der Dosenberger-Gruppe. Insgesamt 80 Mitarbeiter erwirtschaften einen Jahresumsatz von rund 50 Millionen Euro. Rund 2000 Neuwagen werden pro Jahr verkauft. Marken: Renault (an allen Standorten), Dacia, Nissan und Opel.

Emanuel Jahn: Der gebürtige Salzburger schloss sein Studium der Rechtswissenschaften in Tirol ab. Er schlug eine Karriere als Rechtsanwalt ein. Er wechselte jedoch 2012 ins Autohaus Dosenberger und übernahm 2016 die Geschäftsführung.