Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 29.11.2018


Weihnachtsgeschäft

370 Euro für Geschenke in Tirol: Kleidung an erster Stelle

Handel hofft auf kleines Umsatz-Plus zu Weihnachten. Tiroler kaufen im Schnitt sieben Geschenke, aber nur einen kleinen Teil davon online.

© Thomas Boehm / TT



Von Max Strozzi

Innsbruck – Trotz aller Verlockungen im Internet bleiben die Tiroler bei ihrem Weihnachtseinkauf dem stationären Handel weitgehend treu. Geht es nach einer Studie der KMU Forschung Austria, will zwar jeder dritte Tiroler Geschenke auch online kaufen, allerdings wird der Großteil des Geldes heuer in den herkömmlichen Geschäften ausgegeben.

Im Schnitt werden demnach rund 560.000 Tiroler Geschenke kaufen und jeweils um die 370 Euro ausgeben. Das macht in Summe 207 Mio. Euro Umsatz aus, knapp zwölf Prozent davon fließen über Online-Shops. Ganz oben auf der Wunschliste stehen Bekleidungsartikel, was im Vergleich zu anderen Bundesländern eher „atypisch“ sei, meint Ernst Gittenberger von der KMU Forschung. Auf Platz zwei liegen Bücher, während Gutscheine im Ranking auf Rang drei abrutschen.

Insgesamt erwartet der Tiroler Handel ein „stabiles positives Weihnachtsgeschäft“. Man sei „vorsichtig optimistisch“, gegenüber dem Vorjahr ein kleines reales Umsatz-Plus zu erwirtschaften. Konkret rechnen heuer 60 Prozent der Händler mit Umsätzen auf Vorjahresniveau, jeweils 20 Prozent erwarten ein besseres bzw. ein schwächeres Geschäft.

Für bestimmte Branchen ist das Christkind fast überlebenswichtig. Der Spielehandel beispielsweise setzt im Dezember mindestens doppelt so viel um wie in jedem anderen Monat. Auch für den Uhren-, Schmuck-, Buch- und Elektrohandel spiele das Weihnachtsgeschäft eine zentrale Rolle, sagt Gittenberger. Was auffällt: „Die Tiroler kaufen die Geschenke immer später ein“, so der Experte. Mehr als jeder dritte Weihnachtskauf (37 Prozent) erfolgt in der zweiten Dezemberhälfte.

Tirols Handelsobmann Martin Wetscher erinnert daran, dass jeder Online-Einkauf bei einem internationalen Konzern wie Amazon nicht nur mit einem Abfluss der Steuern ins Ausland und in Steueroasen einhergehe, sondern auch mit einer massiven Verkehrsbelastung verbunden sei. „Ein Mausklick ist ein fahrender Transporter in Inntal“, so Wetscher. Er appelliert an die Regionalität und daran, „in Tirol zu kaufen, egal ob online oder im Geschäft“. Mittlerweile hätten auch viele Tiroler Händler einen Online-Shop. Laut Gittenberger betreiben 20 Prozent der Einzelhändler in Tirol auch einen Internet-Laden. Aus Sicht des Tiroler Modehändlers Wolfgang Feucht ist „Off- oder Online-Geschäft für einen guten Händler nicht das Thema“, sofern man als stationärer Händler den Kunden gute Beratung und Entertainment liefere.

Um den Handel im Online-Geschäft zu unterstützen, ist laut WK-Vizechefin Barbara Thaler eine Rechtsschutz- und Haftpflichtversicherung zur Deckung von gewerblichen Schutzrechten in Ausarbeitung. Diese auf den Online-Handel zugeschnittene Versicherung sei in der Steiermark konzipiert worden und soll bald in Tirol verfügbar sein.