Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 05.12.2018


Bezirk Reutte

Regen bringt Kläranlage in Vils an Grenze

Die Abwasseranlage Vils erreicht eine Auslastung von 92 Prozent. Das „Fremdwasser“ soll reduziert werden.

© ARA VilsDie Anlage in Vils ist bis zu 92 Prozent ausgelastet.



Von Alexander Paschinger

Vils – Es ist zwar noch keine akute Situation, aber bei der letzten Abwasserverbandssitzung wurde durchaus darüber gesprochen. Dass die Anlage in Vils nämlich bis zu 92 Prozent ausgelastet ist und „sohin weitere Investitionen zu erwarten sind“, berichtete etwa der Lechaschauer Bürgermeister Hansjörg Fuchs Anfang November seinem Gemeinderat. Bei dieser Verbandssitzung wurde auch der neue Vilser Stadtchef Manfred Immler traditionellerweise zum Obmann gewählt. Immerhin ist Vils auch Standortgemeinde der gemeinsamen Kläranlage von nicht weniger als 15 Gemeinden. Neben Berwang, Bichlbach und Heiterwang liefern die Gemeinden von Weißenbach über Reutte bis Vils inklusive Pfronten ihre Abwässer in die 1991 in Betrieb genommene Kläranlage ARA-Vils.

„Die Abwässer der Verbandsgemeinden werden über die Regionalkanäle nach Vils geleitet und in der Kläranlage Vils, welche für 71.670 Einwohnerwerte ausgelegt ist, gereinigt“, heißt es in der Vorstellung. Über 66 Kilometer Regionalkanal, elf Pumpwerke, zwei Düker, zwei Regenüberlaufbauwerke, einen Stauraumkanal und zwei Messstationen gelangt das Abwasser zur ARA-Vils. Die Kanäle haben einen Durchmesser von 20 cm bis 150 cm. Derzeit werden aus den Verbandsgemeinden im Schnitt pro Tag rund 7500 m³ Abwasser nach Vils angeliefert. Das bedeutet jährlich 4,830.000 m³ Abwasser, welche gereinigt und der Natur wieder sauber zurückgegebe­n werden.

Verbandsobmann Immler sieht sich noch in der Einarbeitungsphase, meint aber, dass die hohe Auslastung zu Spitzenzeiten „so etwas wie eine Vorwarnung“ sei. Wenn man so nahe an die Vollauslastung komme, müsse man sich Pläne überlegen.

„2017 hatten wir eine mittlere Auslastung von über 90 Prozent“, bestätigt der Geschäftsführer des Vilser Abwasserverbandes, Christian Triendl. Es bestehe damit kein akuter Handlungsbedarf, „aber wir müssen das Kanalsystem in einem ersten Schritt genau anschauen“. Und „mittelfristig müssen wir die Entwicklung beobachten, damit der Zeitpunkt, wenn die Anlage wirklich nicht mehr ausreichen sollte, nicht verschlafen wird“, sagt Triendl.

Dabei gehe es in erster Linie um die Optimierung bei Niederschlägen sowie die „Regenwasserbewirtschaftung“. Immerhin machen diese „Fremdwässer“, die eigentlich im Abwasserbereich nichts zu suchen hätten, einen beträchtlichen Teil der abzuarbeitenden Menge aus. „Ob 30 oder 50 Prozent – das kommt auf die Heftigkeit der Niederschläge an.“

Tatsache aber ist, dass diese Regenwässer im Kanalsystem durchaus einen Kostenfaktor darstellen. Immerhin müssen dafür auch die Rohre dimensioniert sein. Deshalb habe man bei Kanalsanierungen und der Erschließung neue­r Siedlungsgebiete besonderen Bedacht in Richtung Trennung von Abwasser und Regenwasser zu legen. „Wir arbeiten auch mit der Universität Innsbruck zusammen, um profunde Daten zu bekommen“, so Triendl.




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