Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 05.12.2018


Exklusiv

Konsumklima in Tirol gut, Höhepunkt überschritten

Die neue Konsumentenbefragung bringt für Tirol weiter sehr gute Werte —an die Rekordwerte vom Frühjahr kommen diese nicht mehr ganz heran.

© Andreas RottensteinerDie Tirolerinnen und Tiroler sind weiter optimistisch, erwarten aber eine leichte Abschwächung.



Von Alois Vahrner

Innsbruck – Vor wenigen Jahren war die Stimmung in der Bevölkerung noch deutlich schlechter als die damals auch nicht gerade berauschenden Wirtschaftsdaten – ehe sich im Vorjahr und auch heuer sowohl die realen Zahlen als besonders auch die Stimmung auf ein absolutes Hoch gedreht haben. Heuer im Frühjahr wies die Konsumentenbefragung von Wirtschaftskammer, Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW) sowie TT absolute Rekordwerte bei der Konjunktur- und Konsumstimmung aus.

„Die Bäume wachsen nicht mehr weiter in den Himmel. Die Stimmung ist zwar weiterhin sehr optimistisch, der Höhepunkt der Hochkonjunktur ist aber überschritten“, fassen Kammer-Chefvolkswirt Stefan Garbislander und GAW-Studienautor Stefan Jenewein die Ergebnisse zusammen.

Konkret bewerten 16 Prozent die aktuelle Wirtschaftslage als sehr gut und weitere 60 Prozent als gut. Durchschnittlich ist sie für 22 und schlecht nur für 2 Prozent. Die Männer zeigen sich deutlich optimistischer (86 Prozent sehen eine sehr gute bzw. gute Wirtschaftslage) als die Frauen mit „nur“ 66 Prozent Zustimmung.

Mit einer weiteren Verbesserung der Wirtschaftslage in den nächsten zwölf Monaten rechnen 21 (nach zuletzt immerhin 35) Prozent der Befragten, während 8 (nach 4) Prozent eine Verschlechterung befürchten. Auf dem Arbeitsmarkt, wo Tirol weiterhin die beste Entwicklung aller Bundesländer hat, glauben 30 (nach zuletzt 43) Prozent an einen weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit im nächsten Jahr, 21 (nach 17) Prozent erwarten mehr Arbeitslose.

Mit der eigenen finanziellen Lage zeigen sich 81 Prozent zufrieden (24 Prozent sehr und 57 Prozent eher zufrieden). Eher wenig zufrieden bzw. gar nicht zufrieden sind zusammen 18 Prozent, darunter aber gleich ein Drittel der unter 35-Jährigen. In den nächsten zwölf Monaten erwarten 19 Prozent der Befragten eine Verbesserung und 13 Prozent eine Verschlechterung der Finanzsituation ihres Haushalts.

Bei Konsumentscheidungen sind die Tiroler zurzeit offenbar in Weihnachtsstimmung. Gleich 43 Prozent geben an, in diesen Tagen Käufe in der mittleren Preiskategorie zwischen 300 und 700 Euro (etwa Skiausrüstung, Tablet oder TV-Gerät) tätigen zu wollen, 11 Prozent möchten dies in den nächsten Monaten tun, während 26 Prozent das nicht wollen bzw. Käufe aufschieben müssen. Für größere Anschaffungen (etwa Möbel, Küche, Auto usw.) sehen 22 Prozent jetzt einen günstigen und 9 Prozent einen ungünstigen Zeitpunkt.

Die relative Mehrheit von 48 Prozent der Befragten erwartet weiter überschaubare Preissprünge von 1 bis 2 Prozent, aber bereits 30 Prozent befürchten eine Inflation von bis zu 3 Prozent und 7 Prozent eine noch massivere Teuerung. Eine Möglichkeit, Geld zu sparen, sehen 74 Prozent der Bevölkerung, während 26 Prozent dazu Nein sagen.

In Summe ist der aus all den genannten Faktoren zusammengestellte Tiroler Konsumklimaindex mit einem positiven Saldowert von 13 unter den jüngsten Höchststand von 17 wieder etwas abgerutscht.

Heißes Thema Arbeitszeit

Im Rahmen der Konsumentenbefragung wurde dieses Mal auch die Meinung der Tirolerinnen und Tiroler zum neuen Arbeitszeitgesetz erhoben, das seit 1. September flexiblere Arbeitszeiten (Stichwort 12-Stunden-Tag) erlaubt. Die Frage ist demnach nicht nur politisch heiß umstritten: Immerhin 41 Prozent sehen die etwa vom ÖGB vertretene Befürchtung eines generellen 12-Stunden-Arbeitstages als gerechtfertigt, die Mehrheit von 51 Prozent hingegen nicht. 8 Prozent wollen sich nicht festlegen. Die Männer sehen zu 55 Prozent keine Gefahr eines häufigen 12-Stunden-Tags, die Frauen hingegen „nur" zu 47 Prozent. Je geringer das Einkommen, umso größer sind die Sorgen. Gefragt wurde auch, ob NGOs zu mehr Transparenz verpflichtet werden sollen oder nicht. 58 Prozent sind dafür, dass Mitglieder- und Finanzierungsstruktur offengelegt werden muss, 28 Prozent sind strikt dagegen. 14 Prozent sind für eingeschränkte Transparenz. (va)




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