Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 13.12.2018


Exklusiv

Lech-Coaster im Visier des Umweltanwalts

In Holzgau hat ein touristisches Projekt beinahe alle Hürden genommen. Der Lechtal Coaster soll künftig für Adrenalinkick bei rasanter Abfahrt sorgen. Dem Landesumweltanwalt ist der Eingriff in die Natur zu groß.

Über den Schiggenhang in Holzgau soll der Lechtal Coaster geführt werden. Das dann stark veränderte Landschaftsbild wird kritisiert.

© Joe WildangerÜber den Schiggenhang in Holzgau soll der Lechtal Coaster geführt werden. Das dann stark veränderte Landschaftsbild wird kritisiert.



Von Helmut Mittermayr

Holzgau – Seit 20 Jahren trägt sich Andreas Hammerle mit der Idee, einen Coaster in Holzgau zu errichten, seit 2012 wird das Projekt intensiv verfolgt. Gleich hinter dem Heimhaus, dem Hotel Winklerhof, würde der Coaster in einem geschlossenen Zweischienensystem den Berg hinaufgeführt, oben ausgeklinkt und in rasanter Abfahrt mit drei Kreiseln über den so genannten Schiggenhang ins Tal geleitet. Nachdem es über die Jahre gelungen war, mit den Grundeigentümern Einigung zu erzielen, konnte kürzlich ein weiterer großer Schritt in Richtung Verwirklichung gemacht werden – die Bezirkshauptmannschaft Reutte erteilte die naturschutzrechtliche Bewilligung. Dagegen hat nun die Tiroler Umweltanwaltschaft beim Landesverwaltungsgericht Beschwerde erhoben.

„Der Landesumweltanwalt kann die Bestrebungen der Naturparkgemeinde Holzgau, die Gemeinde als touristisches Ausflugsziel ansprechender zu gestalten und eine Erhöhung der Besucher- und Nächtigungszahlen zu erreichen, durchaus nachvollziehen. Nach Ansicht des Landesumweltanwalts sollten diese Bestrebungen jedoch nicht in eine Richtung gehen, die die Attraktivität des Natur- und Landschaftsraums der Gemeinde beeinträchtigt“, heißt es in der online gestellten Beschwerde. Und weiter: „Aus Sicht des Landesumweltanwaltes wirken solche massiven technischen Überprägungen, wie sie mit dem beantragten Vorhaben verbunden sind, mit teils zehn Meter über Grund verlaufenden Aufbauten, den Bestrebungen entgegen, die Region als Ausflugsziel attraktiver zu gestalten.“ Das Landschaftsbild mit seiner Strukturierung, Schönheit und Einzigartigkeit zu bewahren und vor übermäßiger menschlicher Überformung zu schützen sei unverzichtbar. Der Schiggenhang, in dem teils Feuchtstandorte und kalkreiche Niedermoore vorkommen, sei weithin einsehbar und ein wundervolles Beispiel extensiver Bewirtschaftungsformen. Der Hang sei wenig erschlossen und zeige eine Vielzahl an Vegetationsformen, die dem Landschaftsbild das besondere Aussehen verleihen.

„Diese Beeinträchtigung des weithin einsehbaren Landschaftsteils durch technische Überprägungen soll zusätzlich mittels Beleuchtung auch noch nachts zu sehen sein“, kritisiert die Landesumweltanwaltschaft. Der Hang stelle einen im Lechtal absolut schützenswerten und charakteristischen Landschaftsabschnitt dar. Insbesondere auch das Faktum, dass große Teile der Anlage in Sichtachsen aus dem Naturparkgebiet Tiroler Lech heraus einsichtig seien und die Tatsache, dass der Naturpark auf besonders naturverträgliche und naturnahe Tourismus­angebote setzt, stünden hinsichtlich der Stimmigkeit und Authentizität der Bewerbung des Gebiets entgegen. Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer weist auch darauf hin, dass es im nahen Elbigenalp schon die Sommerrodelbahn „Wally Blitz“ gebe und es damit nicht unbedingt großes öffentliches Interesse an dieser zusätzlichen Attraktion geben müsse.

Bürgermeister Günther Blaas sind Details der Beschwerden noch nicht bekannt. Aber prinzipiell hat er am Projekt nichts auszusetzen. „Eigentlich ist es begrüßenswert. Der Lechtal Coaster wäre im Sommer wie im Winter nutzbar. Eine angebliche Beeinträchtigung des Landschaftsbildes fällt für mich unter das Kapitel Ansichtssache. Das kann man so und so sehen.“ Die Naturrodelbahn im Gföll würde dann jedenfalls wegfallen. Blaas sieht auch die Bevölkerung hinter dem Projekt stehen: „Ich habe in all den Jahren jedenfalls nichts Gegenteiliges gehört.“ Auch die Schützenswertigkeit des Hanges wird vom Dorfchef in Frage gestellt. „Früher wurde dort noch gemäht, da war es sicher schöner. Aber heute macht das fast keiner mehr“, sieht Blaas keinen Grund, den Coaster verhindern zu wollen.

Geplant wurde das Projekt vom Elbigenalper Architekten Rainer Kerber, der das Büro „Raine Architektur“ betreibt. Er hat direkt beim Winklerhof die Abfahrts- und Ankunftsstation geplant. „Der Coaster wird in einem geschlossenen System ähnlich einer Achterbahn betrieben“, führt er aus. Für nähere Auskünfte verweist er auf Projektwerber Andreas Hammerle, einen Holzgauer, der am Attersee seit 30 Jahren ein Restaurant betreibt. Hammerle: „Nun warten wir einmal ab, was das Landesverwaltungsgericht entscheidet. Bei einer Genehmigung ist eine Fertigstellung des Coasters 2020 realistisch.“ Die Länge der Bahn beträgt 1110 Meter. Die Bergfahrt schlägt mit 395 m Länge und 150 Höhenmetern zu Buche. Die bergwärtigen Schienen würden auf der Trasse des alten Luggi-Leitner-Liftes geführt, der schon seit 30 Jahren stillsteht und Hammerle gehört. Wie auch das am Hangfuß liegende Hotel Winklerhof, das von seiner Schwester betrieben wird. Bei der Abfahrt würden – je nach Mut der Piloten – Geschwindigkeiten von bis zu 40 km/h erreicht.

Andreas Hammerle hält ein Kulturlandschaft-schützerisches Argument pro Lechtal Coaster entgegen: „Früher wurde dort alles gemäht, was dem Lechtal auch sein typisches Aussehen verliehen hat. Im Jahr 2001 stand am Schiggenhang noch kein einziger Baum. Seit dort niemand mehr mäht, gibt es Baumbewuchs, einige Bäume sind schon 20 Meter hoch. In zehn Jahren ist dort alles bewaldet. Sollte der Coaster kommen, wird der ganze Hang wieder gemäht und gepflegt werden.“