Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 05.01.2019


Standort Tirol

Wirtschaftsmotor brummt heuer leiser

Die Hochkonjunktur ist vorüber, für das laufende Jahr erwartet die Wirtschaftskammer Tirol trotzdem zwei Prozent Wachstum. Tirols Lkw-Beschränkungen wolle man „ganz genau beobachten“. Ruf nach Investitionsspritze.

Die Industrie als Konjunkturindikator: Tirols Leitunternehmen sehen die wirtschaftliche Lage etwas trüber als noch vor einem Jahr.

© iStockDie Industrie als Konjunkturindikator: Tirols Leitunternehmen sehen die wirtschaftliche Lage etwas trüber als noch vor einem Jahr.



Von Max Strozzi

Innsbruck – Die Auftragsbücher der Tiroler Unternehmen seien zwar gefüllt, allerdings nicht mehr so gut wie im Sommer, sagt Stefan Garbislander, Chefvolkswirt der Wirtschaftskammer Tirol. Nach zwei „hervorragenden Jahren“ sei nun „eine Trendwende in Gang, die Hochkonjunkturphase ist vorüber“. Dennoch erwartet die Wirtschaftskammer auf Basis einer Umfrage unter den Tiroler Unternehmen ein gutes Jahr. Tirols Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Walser spricht von einer „Normalisierung der Wirtschaft auf hohem Niveau“.

Konkret geht Walser in Tirol heuer von einem Wirtschaftswachstum von zwei Prozent aus, 2018 wuchs Tirols Wirtschaft noch um drei Prozent. 6000 zusätzliche Jobs sollen entstehen, die Arbeitslosigkeit soll – wie bereits das AMS mitteilte – auf 4,6 Prozent sinken. Im Sommer wird vorübergehend sogar mit einer Vollbeschäftigung mit maximal 3 % Arbeitslosigkeit gerechnet. Bereits im Sommer 2018 hatte Tirol an der Vollbeschäftigung gekratzt. Auch die Exporte sollen von 13 Mrd. Euro im Vorjahr auf heuer 13,5 Mrd. Euro ansteigen.

Die wirtschaftliche Abkühlung ist an der Industrie am deutlichsten spürbar. Während vor einem Jahr noch 84 % der Leitbetriebe eine gute wirtschaftliche Lage sahen, sind es derzeit nur noch 60 Prozent. „Eine Abkühlung in der Industrie ist meist ein Indikator einer generellen wirtschaftlichen Abkühlung“, erklärt Garbislander.

Die Euphoriebremse sei auch an der Investitionsfreude der Firmen abzulesen. „Die Investitionsneigung nimmt wieder ab“, erklärt die Wirtschaftskammer. Derzeit planen nur noch 27 % der Tiroler Betriebe, ihre Investitionen auszuweiten. Im Sommer waren es noch 43 %. Walser fordert die Wiedereinführung der Landesförderungen für Investitionen bis 100.000 Euro.

Auch im Verkehr ortet WK-Präsident Walser, selbst Transportunternehmer, eine Abkühlung. LH Günther Platter, der gestern erneut die Bedeutung des Samstag-Fahrverbots für Lkw von 7 bis 15 Uhr auf Tirols Autobahnen hervorhob, richtete der WK-Chef aus: „Wir werden uns die Beschränkungen im Verkehr ganz genau anschauen.“

Eine Stütze werde heuer dagegen der Konsum bleiben, besonders aufgrund der vergleichweise hohen Lohnabschlüsse und des neuen Familienbonus, meint Walser. Auch der Tourismus melde derzeit eine gute Buchungslage und auch gute Erträge. Am besten werde die aktuelle wirtschaftliche Lage aber vom Gewerbe und vom Bau gesehen.

Das größte Problem für viele Tiroler Betriebe sei nach wie vor, geeignete Arbeitskräfte zu finden. Rund zwei Drittel (67 Prozent) der Tiroler Unternehmen klagen über Fachkräftemangel, besonders im Tourismus (88 %), im Gewerbe (86 %) und am Bau (81 %). Eine Senkung bzw. Stabilisierung der Betriebskosten sehen dagegen nur 24 % als größte Herausforderung, am ehesten noch die Industrie.