Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 11.01.2019


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Strompreis zeigt nach oben, 300 Tiwag-Millionen rollen

Der Energie-Landesversorger Tiwag hat im Vorjahr beim Gewinn leicht zugelegt. Vorerst wird es für die Stromkunden nicht nochmals teurer.

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Von Alois Vahrner

Innsbruck – Die tiefe Talsohle bei den Preisen ist seit einiger Zeit endgültig durchschritten, an den Strombörsen seien die Preise mittlerweile mehr als doppelt so hoch wie in den Jahren 2016/17, sagt Tiwag-Vorstandschef Erich Ent­strasser gegenüber der TT. Dazu kommt das mit 1. Oktober schlagend gewordene Ende der deutsch-österreichischen Strompreiszone. Deren Folgen, sprich ein Preisschub für Österreich, seien bisher noch massiver als von den Experten vorausgesagt. Ob sich die Tiwag der jüngst von einigen österreichischen Energie- und Industrieunternehmen angekündigten Klage wegen der Strompreiszone anhängt, werde derzeit noch geprüft.

Die internationale Strompreis-Kurve zeige weiter nach oben, für die Tiwag-Kunden werde sich zumindest im ersten Halbjahr aber nichts ändern, so Entstrasser. Mit 1. Jänner sind auch in Tirol die reinen Energiepreise (sie machen ein Drittel der Gesamt-Stromrechnung aus) um 14 Prozent erhöht worden. Der Gesamtstrompreis für den Standardkunden sei um „nur“ 2 Prozent gestiegen, weil Netztarife und Ökostromzuschläge billiger wurden.

Die zuletzt allgemein steigenden Preise haben der Tiwag als großem Produzenten schon im Vorjahr geholfen: So dürfte der in den letzten beiden Jahren deutlich gesunkene risikobereinigte Gewinn (EGT) für 2018 leicht über den Planwerten von 65 bis 68 Mio. Euro zu liegen gekommen sein, betont der Tiwag-Chef. 2018 und 2019 fließt keine Dividende ans Land, weil dies nach der 220-Millionen-Spritze an die Hypo die beiden letzten der sechs vereinbarten dividendenfreien Jahre seien.

Laut Entstrasser wird die Tiwag heuer und nächstes Jahr jeweils rund 300 Mio. Euro in Kraftwerke und den Netzausbau investieren. Das ist ein neuer Höchststand. „So etwas muss man erst stemmen, das kommt vielen Tiroler Unternehmen zugute.“

Beim Gemeinschaftskraftwerk Inn (GKI), das 2021 ans Netz gehen soll, wolle man heuer den Durchschlag schaffen. Trotz der durch Geologie und Auflagen von 460 auf über 600 Mio. Euro explodierten Kosten sei das Projekt weiter „hochwirtschaftlich“ und werde die für Tirol dringend benötigte Grundlast liefern, so Entstrasser. Alles im Plan sei beim Bau des Kraftwerks Kirchbichl. Die Höchstgerichts-Entscheidung zum Ausbau des Kraftwerks Sellrain-Silz sei „überraschend und tut wirklich weh“. Das werde zu einer Verzögerung und höheren Kosten führen, das Projekt bleibe aber trotzdem ein ausgezeichnetes.

Strom- und Gasnetze werde man weiter ausbauen und verdichten. Dass das Land bis 2050 sowohl aus Öl als auch aus Gas ausgestiegen sein will, beunruhigt den Tiwag-Chef nicht. „Erdgas ist eine Brückentechnologie. Wir investieren beim Gasnetz in Infrastruktur, diese kann auch problemlos für Wasserstoff oder künstliches Erdgas verwendet werden.“ Eine große Chance für die Tiwag sieht Entstrasser in der Sektor-Kupplung von Strom, Gas, Wärme und Kraftwerken. Hier werde man ein Pilotprojekt technisch ausarbeiten. Für das Genehmigungsverfahren werde das dann „völliges Neuland“ sein.

Sehr gut entwickle sich die Elektromobilität. Die Tiwag sei mit einem errichteten Netz von 115 Ladestationen und 1016 ausgegebenen Ladekarten im Markt sehr erfolgreich. Gerade für Unternehmen ist dank der Förderungen die Anschaffung von Elektro­autos laut Ent­strasser schon absolut konkurrenzfähig.