Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 08.01.2019


Standort Tirol

Von Träumern, Klassenkampf und Tirol 4.0

Tirols Wirtschaft geht mit Optimismus ins Jahr 2019. Kammer- Präsident Christoph Walser sieht sieben zentrale Themen im Land.

WKT-Präsident Christoph Walser (r.) mit WKT-Direktorin Evelyn Geiger-Anker, WK-Obmann Innsbruck-Stadt Karl Ischia und Bezirksstellenleiter Innsbruck-Stadt/Land Stefan Wanner (l.) beim Neujahrsempfang in der Wirtschaftskammer Tirol.

© FögerWKT-Präsident Christoph Walser (r.) mit WKT-Direktorin Evelyn Geiger-Anker, WK-Obmann Innsbruck-Stadt Karl Ischia und Bezirksstellenleiter Innsbruck-Stadt/Land Stefan Wanner (l.) beim Neujahrsempfang in der Wirtschaftskammer Tirol.



Innsbruck – Mit den Unternehmerinnen und Unternehmern der Stadt Innsbruck startete die Wirtschaftskammer in ihre neun Stationen umfassende Neujahrsempfang-Tournee in allen Bezirken. Der neue Kammer-Chef Christoph Walser pochte dabei auf „weniger Einseitigkeit“ in öffentlichen Debatten.

Die türkis-blaue Bundesregierung sorge „nach vielen Jahren des Stillstands endlich für Bewegung in der Republik“ und habe für die Wirtschaft wichtige Impulse gebracht. Tirol solle nicht gegen, sondern mit dem Bund arbeiten, so Walser.

Für Tirol entscheidend sei der Tourismus. „Ohne Seilbahn- und Tourismuspioniere gäbe es nicht Arbeit und Wohlstand bis in die hintersten Täler, viele Regionen unseres Landes wären ausgestorben.“ Statt eines ständigen „Dagegens“ brauche es die goldene Mitte, fordert der WK-Präsident. Dazu müsse auch der Tourismus bereit sein. „Denn es gibt keinen Tourismus ohne Tourismusgesinnung.“

Beim Verkehr ist Walser gegen ein „Lkw-Bashing“. Die Amazon- und Zalando-Packerln, die Ziegel für den Hausbau und das Joghurt fürs Müsli müssten geliefert werden. Auf Tirols meistbefahrenem Autobahnstück Hall–Innsbruck seien 50 Prozent des Verkehrs kein Transit, sondern hausgemacht. Wenn man die Luftqualität in Tirol verbessern wolle, müsse man alle Verursacher anvisieren, auch den „mit Samthandschuhen angefassten Hausbrand“.

Walser fordert auch „mehr Öko-Realismus statt Öko-Träumerei“. Ausgerechnet Umweltorganisationen, die sonst laut den Umstieg auf E-Autos fordern, würden gegen jedes Wasserkraftwerk Sturm laufen. Walser drängt auch auf eine Digitalisierungsoffensive für ein Tirol 4.0 sowie eine Stärkung des „Erfolgsmodells Lehre“. Lehrlinge hätten fast eine Jobgarantie, die Lehrlingszahlen gingen wieder nach oben. Jetzt müsse die Ausbildung dem schulisch-akademischen System völlig gleichgestellt werden.

Der WK-Chef kritisierte auch, dass die Wirtschaft oft als „Sündenbock“ und für Klassenkampf herhalten müsse. Tirols Betriebe seien keine gesichts- und gewissenlosen Konzerne und „Heuschrecken“, sondern zu 99 Prozent Klein- und Mittelbetriebe. Die Arbeiterkammer plakatiere derzeit im ganzen Land „Arbeit braucht mehr Respekt“. Den zweiten Teil vergesse sie aber, so Walser: „Auch Tirols Unternehmer verdienen mehr Respekt.“ Die AK wolle eine 4-Tage-Woche, eine 6. Urlaubswoche für alle, Bildungsfreistellung und mehr sozialen Wohnbau. „Nur eines fragt man sich offenbar nie: Wer soll das alles bezahlen und wann sollen die Leute eigentlich noch arbeiten?“

Wirtschafts-Landesrätin Patrizia Zoller-Frischauf forderte im weltweiten Wettbewerb gleich gute Spielregeln für die Wirtschaft in Europa und besonders auch in Österreich, das oft noch schärfere Regeln eingeführt habe. China sei drauf und dran, Weltmarktführer auch bei Robotik, künstlicher Intelligenz und Maschinenbau zu werden. „Und wir beschäftigen uns unterdessen mit seltenen Würmern und Fisch-Aufstiegshilfen.“ (va)




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