Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 09.01.2019


Bezirk Reutte

Brückentausch stößt Lechaufweitung an

Im unteren Lechtal ist ein Millionenprojekt in der Pipeline. Der Fluss soll bei Forchach auf 700 Metern Fließ- strecke aufgeweitet und die nicht mehr sichere Forchacher Hängebrücke neu und doppelt so lang werden.

Die Forchacher Lechbrücke wurde vor 95 Jahren von Jagdpächter Carl Schwenk errichtet. Ihre Zeit ist aus Sicherheitsgründen abgelaufen.

© Mittermayr HelmutDie Forchacher Lechbrücke wurde vor 95 Jahren von Jagdpächter Carl Schwenk errichtet. Ihre Zeit ist aus Sicherheitsgründen abgelaufen.



Von Helmut Mittermayr

Weißenbach, Forchach – Ihr einhundertjähriges Bestehen wird die Forchacher Hängebrücke wohl nicht mehr erleben. Das Gehänge bekommt den „TÜV“ nicht mehr, wie sich Bürgermeister Karl Heinz Weirather ausdrückt. Dass künftig vom Naturjuwel Schwarzwasser nicht mehr nach Forchach über den Lech gewechselt werden könnte, daran glaubt aber niemand. Ein großes Projekt ist in der Pipeline.

Gleich mehrere Kräfte wirken zusammen. Die Gemeinden Forchach, Weißenbach, Vorderhornbach und Stanzach, die Tourismusverbände Lechtal und die Naturparkregion Reutte, das Wasserbauamt sowie die Regionalentwicklung Außerfern (REA) sind eingebunden, um gemeinsam die Finanzierung, die noch nicht ganz gesichert ist, zu bewältigen. Der Gemeinderat von Forchach hat jedenfalls schon einen einstimmigen Beschluss dafür gefasst. Der Ort wird das Brückenneubauprojekt auch abwickeln, auch wenn – rein formal gesehen – die Brücke und beide Uferbereiche zur Gemeinde Weißenbach gehören.

Wolfgang Klien, Chef des Wasserbauamtes, packt die Gelegenheit beim Schopf und will im Zuge des „Brückenproblems“ gleich den Fluss aufweiten. „Oberhalb und unterhalb der Hängebrücke kann der Lech frei fließen, wirklich wie der letzte Wilde. Aber dazwischen ist er auf 700 m Länge stark eingeengt. Wenn die Brücke sowieso neu gebaut wird, kann sie verlängert werden und wir bekommen den notwendigen Platz.“ Verlängert heißt in diesem Fall von bisher 70 Meter auf 140. Für Klien­ ein wichtiger Nebeneffekt neben der Renaturierung: Die Hochwassersicherheit im Forchacher Gewerbegebiet nimmt zu. „Dort gibt es gelbe Zonen direkt neben Gebäuden. Wenn der Lech dann doppelt so breit ist, wird alles sicherer.“

Die Gesamtkosten belaufen sich auf geschätzte 1,2 bis 1,3 Millionen Euro. Und spätestens hier kommt die REA mit Geschäftsführer Günther Salchner ins Spiel. Die Kosten sollen gesplittet und eine Hälfte aus Töpfen des EU-LIFE-Projekts, die zweite Tranche in der Region aufgebracht werden, was aber weitere Förderungen an lokale Zahler nicht ausschließen muss. Immer vorausgesetzt, dass Verbände und Gemeinden die notwendigen Beschlüsse fassen und LR Tratter Förderungen zusagt. Für Salchner hat das Projekt einen hohen Stellenwert – gerade im unteren Lechtal, wo viele infrastrukturelle Selbstverständlichkeiten fehlen.

Das Brückenneubauprojekt ist wichtig für Forchach, wie BM Weirather erläutert: „Es gibt kein Lokal mehr im Ort. Im Rahmen eines Bürgerbeteiligungsprozesses wird gerade an einer Dorfplatzgestaltung gearbeitet. Eine Brücke, die Lechweg und Lechradweg samt Besucherlenkungskonzept mit uns verbindet, wäre Voraussetzung, dass eine Wirtschaft überhaupt Bestand haben könnte.“ Die Hängebrücke wurde 1924 von Jagdpächter Carl Schwenk aus Ulm erbaut, um seine Reviere beiderseits des Lechs zu verbinden. Wilderer hatten kein so leichtes Spiel mehr. Ein späterer Jagdpächter schenkte sie 1976 den Gemeinden Forchach, Weißenbach, Vorderhornbach und Stanzach.