Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 10.01.2019


Standort Tirol

Reutte entwickelt sich zur Bully City

Die größte Bestellung in der Geschichte des Autohauses Schweiger ist am Weg Richtung Bezirkshauptort. Für Hans und Simon Schweiger werden Parkflächen immer mehr zum Thema. Nun soll es in die Höhe gehen.

Bei weit über 1000 zu „verstauenden“ Fahrzeugen benötigt es beim Autohaus Schweiger viel Parkfläche und ein zentimetergenaues Platzieren der Autos – auch im Winter.

© Mittermayr HelmutBei weit über 1000 zu „verstauenden“ Fahrzeugen benötigt es beim Autohaus Schweiger viel Parkfläche und ein zentimetergenaues Platzieren der Autos – auch im Winter.



Von Helmut Mittermayr

Reutte – Wer in den nächsten Monaten in den Außerferner Bezirkshauptort einfährt, wird allerorten vor allem eines sehen – VW-Busse. Das Autohaus Schweiger hat die größte Bestellung der Geschichte aufgegeben und muss die Fahrzeuge nun auch irgendwo unterbringen – Reutte im Wandel von einer „fahrradfreundlichen Gemeinde“ zur „Bully City“.

Die obersten VW-Bosse beknieten die Schweigers noch vor Kurzem bei einem Treffen in Deutschland, angesichts der angespannten Marktlage doch einen noch größeren Einkauf als gewöhnlich zu tätigen. Und Hans und Simon Schweiger überlegten nicht lange und erhöhten ihre Bestellung von 1000 auf 1700 VW-Busse. Die überraschend flotte Auslieferung des Kontingents hat bereits begonnen, die aktuellen Schneemengen führten allerdings zu einem vorläufigen Anlieferungsstopp. Rund 500 Fahrzeuge sind im deutschen Werk zwischengeparkt, 500 stehen schon in der Logistikzone Hall. Alle Involvierten ächzen unter dem Vollzug des Großauftrags, fehlen doch überall die Flächen. Das Auftragsvolumen sprengt auch herkömmliche Abwicklungsdimensionen und -schemata.

Sind die Busse erst einmal in Reutte angekommen, werden die bisherigen – enormen – Flächen des Autohauses, wo an die 500 bis 600 Vehikel abgestellt werden können, nicht ausreichen. Hans Schweiger hat deshalb mit der Linz Textil, die am Lech auf ihrem ehemaligen Industriegelände über große freie Flächen verfügt, eine Vereinbarung getroffen. Dort, wo die Reuttener Messe abgehalten wurde, finden die Bullys ihr Zwischenlager. Der Flächenverbrauch ist enorm, müssen doch pro Wagen 18 Quadratmeter angenommen werden, wie eine Schnellrechnung mit Hans Schweiger ergab. Also werden für die 1700 Vehikel rund 30.000 m² benötigt.

Da sich der Zukauf weiterer Felder rund um das Autohaus in der Allgäuer Straße schwierig gestaltet – gerade wollte ein Grundbesitzer auf der gegenüberliegenden Straßenseite nicht verkaufen –, werden nun neue Pläne gewälzt. Jetzt soll dort, wo bisher im Freien neben dem Autohaus großflächig Hagelschutznetze die Autos überspannen, sowohl nach unten gegraben als auch nach oben getürmt werden. Mehrere Tiefgaragenebenen plus fünf Stockwerke in die Höhe sollen die Parkmisere lösen helfen. Pläne sind fertig, Verhandlungen mit der Marktgemeinde über die Umsetzbarkeit stehen erst bevor.

Das Schweigersche Geschäftsmodell, nämlich vom Volkswagen-Konzern für den österreichischen Markt wegen der NoVA preislich gestützte Fahrzeuge zu erwerben und nach Deutschland zu reimportieren, war bisher kopiersicher. Denn mutige unternehmerische Entscheidungen sind dafür notwendig, müssen die Bullys vom Autohaus doch allesamt gekauft werden. Bei einem Durchschnittspreis zwischen 40.000 und 50.000 Euro pro Bully könnte die Bestellung für das heurige Frühjahr an die 80 Millionen ausgemacht haben. Wobei VW/Audi-Händler Schweiger ja nicht nur Busse verkauft. In Tirol ist er längst unter die Top-100-Unternehmen aufgestiegen.




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