Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 11.01.2019


Bezirk Landeck

Jahresstart mit Ärger und Zuversicht für Landecker Wirtschaftsvertreter

Mit Kritik an der Entscheidung zur Skiverbindung Kappl-St. Anton, Wünschen für einen raschen Tunnelbau und viel Optimismus startete die Wirtschaftskammer ins Jahr.

Top-Thema war erneut die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts zur Skiverbindung Kappl-St. Anton.

© WK Landeck/KollreiderTop-Thema war erneut die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts zur Skiverbindung Kappl-St. Anton.



Von Matthias Reichle

Landeck – Für Wirtschaftskammerbezirksobmann Toni Prantauer war es bereits der siebte, für Neu-Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser der erste: Am Mittwoch luden sie die Wirtschafts­treibenden zum alljährlichen Neujahrsempfang nach Land­eck. Zur Tradition gehört dabei auch das Pressegespräch davor. Und hier gab’s nicht nur gute Vorsätze, sondern auch Kritik und einige Wünsche.

Top-Thema war erneut die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts zur Skiverbindung Kappl-St. Anton. Der Tourismus sei in den letzten Monaten sehr negativ diskutiert worden, so Walser. Er möchte das Bild wieder „in die Waage bringen“. Für ihn sei die Ablehnung eine „Katastrophe“, der Zusammenschluss „ökonomisch und ökologisch richtig“. Wichtig sei, dass sinnvolle Zusammenschlüsse möglich werden.

Prantauer erinnerte dabei auch an die Verbindung Langtaufers-Kaunertal, die in Südtirol abgelehnt worden war. „Die Entwicklung ist so, dass diese Dinge immer schwieriger werden.“ Er rührte die Werbetrommel für die Seilbahnwirtschaft als „Motor der Wirtschaft“ mit 77 Mio. Euro Umsatz im Bezirk und über 1500 Mitarbeitern. „Wir werden 2019 vermehrt Bewusstseinsbildung für den Tourismus machen.“ Ohne ihn wären die Täler „arm und leer“, so Walser. Selbstkritisch war er beim Kitzbüheler „Schneeband im Oktober“ oder dem illegalen Bau des Skiwegs am Pitztaler Gletscher – so etwas würde dem Tourismus schaden.

Auch der Fachkräftemangel war den beiden ein Anliegen. Prantauer begrüßte die Erweiterung der Mangelberufsliste. Das Kontingent für Fachkräfte aus Drittstaaten sei im Bezirk aber mit 54 Personen zu klein. „Wir fordern mindesten­s das Doppelte“, betonte der Wirtschaftskammerbezirksobmann. Traurig stimme ihn, „wie die Politik mit den Asylwerbern umgeht. Warum Lehrlinge abgeschoben werden, ist unverständlich. Man sollte sie nicht nur fertig lernen lassen, sondern auch in die Gesellschaft integrieren.“

Außerdem forderte Prantauer nicht nur die „dringende“ Umsetzung der neuen Galerie zwischen Landeck und der Fließer Au, sondern auch, dass während der Arbeiten eine Straße offen bleibt. „Es ist unmöglich, dass die Unternehmen hier einen Umweg von elf Kilometern durch den Landecke­r Tunnel machen müssen.“

Eine differenziertere Diskussion mahnte Walser beim Thema Transit ein. Er forderte, alle Feinstaubverursacher einzubeziehen. Optimistisch war er, was die wirtschaftliche Entwicklung angeht. „Die Aussichten sind sehr gut.“ Er rechnete mit einem Wirtschaftswachstum von zwei Prozent. Die Auftragsbücher seien gut gefüllt und auch wegen der Buchungslage müsse man sich keine Sorgen machen.

Diesen Optimismus teilte auch Landeshauptmann Günthe­r Platter, der nebst Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf, Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg, Landtagsabgeordnetem Benedikt Lentsch und Bundesrat Peter Raggl zum Empfang gekommen war.

Von Platter gab es Lob für das hohe Wahlergebnis der ÖVP bei der Landtagswahl von 64 Prozent im Bezirk Landeck – es erinnere ihn an Wallnöfer-Zeiten, man bräuchte keinen Koalitionspartner, würde es auch in anderen Regionen so ausschauen. Lobende Worte fand er auch für die „wirtschaftsfreundliche“ Bundesregierung. Der Fachkräftemangel sei nicht nur Aufgabe der Politik. „Wir müssen uns ernsthaft mit den Gründen auseinandersetzen.“