Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 12.01.2019


Bezirk Reutte

Einheimische Grundpfeiler der Alpentherme Ehrenberg

Die Alpentherme Ehrenberg konnte 2018 trotz rückläufiger Besucherzahl den Umsatz weiter steigern. Auch das Betriebsergebnis wird wieder deutlich im Plus liegen. Die meisten Gäste kommen aus dem Talkessel Reutte.

Donnerstagvormittag kurz nach dem Aufsperren. Erste Badegäste tummeln sich schon im Freibecken der Alpentherme Ehrenberg.

© Mittermayr HelmutDonnerstagvormittag kurz nach dem Aufsperren. Erste Badegäste tummeln sich schon im Freibecken der Alpentherme Ehrenberg.



Von Helmut Mittermayr

Reutte – Sebastian Heckelmiller ist der Mann an der Front in der Alpentherme Ehrenberg. Wenn es gerade nicht um das große Ganze geht, dann kann der Betriebswirt schon mal im Service des Saunarestaurants aushelfen oder sich um die kaputtgegangene Schneefräse kümmern – nicht unwichtig bei den aktuellen Schneemengen. Der Betriebsleiter der Therme kann auch für 2018 – zum vierten Mal hintereinander – ein positives Betriebsergebnis vermelden. Rund 180.000 Euro werden es wohl werden, schätzt er. Der exakte Überling wird nicht vor Februar vorliegen. Mit solchen Zahlen lösen er und Thermen-Geschäftsführer Thomas Eichhorn nicht nur bei ihrem Arbeitgeber GMF Entzücken aus, auch der Badeigentümer, die Marktgemeinde Reutte, muss nicht vor jedem Anruf zittern, wenn die 72222 am Display leuchtet. Zu einer Gewinnausschüttung wird es aber auch heuer nicht kommen.

Dass aus einer öffentlichen Badeunternehmung keine Betriebsabgänge erwachsen, das freut Reuttes Bürgermeister Luis Oberer derart, dass er auch unter dem Jahr immer wird erfreuliche Zwischenergebnisse im Gemeinderat mitteilt. Denn die „Grundlast“, die Reutte völlig allein zu schultern hat, um Einheimischen wie Gästen ein Schwitz- und Badevergnügen zu bieten, ist enorm. Die Marktgemeinde hat jährlich einen Schuldendienst von 690.000 Euro zu leisten, um Baukosten und weitere Investitionen des vergangenen Jahres zu refinanzieren.

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Dabei hatten der überaus schöne Sommer und eine Änderung bei der TVB-Gästekarte (Ermäßigung statt freiem Eintritt) sogar ein Besucherminus von zehn Prozent im Vergleich zu 2017 gebracht, das sich aber nur im Bad niederschlug. 183.000 Personen gingen 2018 durch die Drehkreuze, bevor sie sich in Thermen- und Saunagäste teilten. Letztere sorgen vor allem für den wirtschaftlichen Erfolg. Trotz des Traumsommers nahm die Zahl der Saunagäste sogar noch zu. Ständige Neuerungen, wie etwa eine dieser Tage installierte Sound- und Lichtanlage innerhalb einer Sauna, dürften auch dazu beigetragen haben. Der Gesamtumsatz konnte jedenfalls um sechs Prozent auf 3,4 Millionen Euro gesteigert werden. Ein Punkt fällt hier auf: Den Betreibern gelang es, die Durchschnittserlöse pro Gast stark zu steigern – vor allem im Gastrobereich der Sauna (+ 16 %), deren Erlöse höher als die Einnahmen aus den Eintrittskarten zum Bad waren.

Für diese überaus positive Entwicklung sieht BM Oberer vorrangig vier Gründe: „Das Topangebot der Alpentherme an sich und die Schwerpunktlegung auf die Saunalandschaft. Weiters laufende Attraktivierungen, wie z. B. die Sauna- und Gastro-Erweiterungen und Verbesserungen der Energieeffizienz, um Kosten zu sparen.“ Mit der Vivamar GmbH und ihren Mitarbeitern sei ein professioneller Betreiber gefunden worden, der sein Geschäft bestens versteht. Die Muttergesellschaft GMF betreibt in Europa mittlerweile 19 Bäder, fünf davon – z. B. das Atoll am Achensee – in Österreich. Oberer zusammenfassend: „Die Alpentherme Ehrenberg kann aus meiner Sicht, insbesondere im Vergleich zu anderen Bädern, als Erfolgsgeschichte bezeichnet werden.“ Nicht zuletzt würde die gute, ziel­orientierte und unkomplizierte Zusammenarbeit zwischen Betreiber, Gemeinde und Kommunalbetrieb den Erfolg ausmachen.

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Eine Herkunftsbefragung im November, einer Zeit ohne Urlaubsgäste, brachte laut Heckelmiller interessante Erkenntnisse. Die Besucher aus Österreich hatten mit 50,25 Prozent hauchdünn die Nase vorn, vor den Deutschen, die den gesamten Rest abdeckten. Im Thermen-/Badebereich machten Einheimische aus dem Talkessel Reutte gleich 51 % aller Besucher aus. Alles andere spielte sich im niedrigsten Prozentbereich ab: Raum Füssen 2,6, Garmisch-Partenkirchen 1,4, Raum Ehrwald 1,2. Gezählte 36 Gäste kamen aus dem nahen Heiterwang, Bichl­bach und Berwang (0,7 %) ins Bad. Die Therme ist also eine „Reuttener“ Angelegenheit, auch Lechtal und Tannheimer Tal waren vernachlässigbar, gleich wie das Tiroler Oberland.

Völlig anders die Situation in der Sauna, die viel weiter – nach Norden – ausstrahlt. Hier führt zwar auch der Reuttener Talkessel mit 26 % beim Besucheraufkommen, dann kommt aber schon Kempten mit 8 %. Danach folgen weitere acht Allgäuer Postleitzahlen, bevor Ehrwald auf Platz zehn erstmals Hallo sagt. Unter den 16 erstgereihten lokalen Räumen scheinen nur vier aus Tirol auf.